Zollernalbkreis

Für 800 Handwerker am Start - Jürgen Greß gewährt Einblicke ins Tun der Kreishandwerkerschaft

11.06.2024

Von Klaus Irion

Für 800 Handwerker am Start - Jürgen Greß gewährt Einblicke ins Tun der Kreishandwerkerschaft

© Rosalinde Conzelmann

Jürgen Greß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ist mit der Gesamtsituation des Handwerks im Zollernalbkreis zufrieden.

Das Handwerk, so sehr gebraucht und doch oft gescholten. Wie aber sieht die Situation der teils so unterschiedlichen Branchen aus? Was läuft gut, wo drückt der Schuh, wenn er denn drückt? Fragen, die Jürgen Greß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Zollernalbkreis, beim Besuch in der ZAK-Redaktion beantwortet hat.

„Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhe die geübte Hand. Nach harten, arbeitsreichen Tagen grüßt stolz der Richtbaum nun ins Land. Und stolz und froh ist jeder heute, der tüchtig mit am Werk gebaut. Es waren wackre Handwerksleute, die fest auf ihre Kunst vertraut.“ Dies sind die ersten Zeilen eines traditionellen Zimmermannsspruchs, der vielerorts bei Richtfesten zu hören ist. Und der offenbar bei etlichen jungen Menschen nicht mehr einfach so verhallt, wie es vor Jahren noch zu sein schien.

Zimmermannsberuf wieder gefragt

Gerade der Beruf des Zimmermanns ist laut dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Jürgen Greß, im Zollernalbkreis wieder sehr gefragt. „Unsere lokale Innung ist derzeit die drittgrößte in ganz Baden-Württemberg“, betont er bei einem Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER.“ Gleichwohl sei im Bereich aller Handwerksberufe der Bereich Kfz ganz vorn. „Dieser stellt jetzt die größte Berufsgruppe im Kreis, hat den Bausektor überholt.“ Was nicht nur, aber auch damit zusammenhänge, dass manche Autozulieferer-Firmen beim Bereich Handwerk, und eben nicht bei der Industrie angesiedelt seien. „Das hat aber keinerlei Einfluss auf unser sehr gutes Verhältnis zur Reutlinger Industrie- und Handelskammer“, betont der Rangendinger.

Womit wir bei einem Thema sind, das Greß ein Berufsleben lang verfolgen wird. Die Unterscheidung der staatlich vorgesehenen Kammern wie IHK und Handwerkskammer, die für die hiesige Region beide in Reutlingen angesiedelt sind. „Bei den Kammern herrscht für alle Betriebe, vom Ein-Mann-Betrieb bis hin zu den großen Firmen und Konzernen, eine Pflichtmitgliedschaft. „Dies gibt es bei der Kreishandwerkerschaft nicht.“

Nicht der Kammer unterstellt

Kein Handwerksbetrieb müsse Mitglied einer lokalen Berufsinnung sein, deren aller Fäden bei der Kreishandwerkerschaft mit Sitz in Albstadt zusammenlaufen. „Auf der anderen Seite dürften wir, auch wenn wir das aus welchen Gründen auch immer wollten, niemanden verwehren, Mitglied der Innung seines Berufszweigs zu werden“, erklärt der Geschäftsführer. Selbstverständlich freue man sich über jede Mitgliedschaft. Man könne die Kreishandwerkerschaft mit einer Anstalt öffentlichen Rechts vergleichen. „Wir sind aber keineswegs der Reutlinger Handwerkskammer unterstellt.“

Derzeit gehören rund 800 Handwerksbetriebe aus 17 Innungen der Kreishandwerkerschaft des Zollernalbkreises an. Fragt man Greß nach der Größe dieser vielen Betriebe, bekommt man als Analyse einen wahrgenommenen „Konzentrationsprozess“ zur Antwort. „Der Mittelbereich, also Handwerksbetriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern, fällt mehr und mehr weg.“ Die ohnehin schon großen Betriebe würden noch größer und auch die Zahl der Ein-Mann-Betriebe steige.

Vielfältige Hilfe

Ob klein, mittel oder groß, für alle gilt aus Sicht des Kreishandwerk-Geschäftsführers dasselbe: „Wer nicht Mitglied einer Innung ist, ist selbst schuld.“

In diesem Zusammenhang singt Greß auch das Hohe Lied auf die vielen ehrenamtlichen Helfer in den Handwerksinnungen, die sich mannigfaltig einbringen und dafür einen Teil ihrer Freizeit opfern. Denn die Aufgaben, die die Innungen und damit letztlich das 5-köpfige Team der Kreishandwerkerschaft, den Handwerkern abnehmen, sind vielfältig. Das beginne bei der Übernahme von Buchhaltung und Lohnbuchhaltung, führe über die Zuständigkeit für die Gesellenprüfungen und der Übernahme der Abgasuntersuchung für Fahrzeuge (Stichwort grüne Plakette) und der Arbeitsrechtsberatung bis hin zur Altpapierentsorgung.

Altpapierentsorgung? Greß schmunzelt und erläutert. „Altpapierentsorgung im Sinne der datenschutzkonformen Entsorgung von Geschäftsunterlagen in Kooperation mit dem Reyclingunternehmen Korn in Albstadt. Nicht zu vergessen die Organisation von Fortbildungen, beispielsweise zum Ersthelfer oder zum Gabelstaplerfahrer mit dem entsprechenden Führerschein. „Die Handwerker kommen zu uns, weil sie wissen, dass wir ihnen helfen wollen und ihnen auch meistens helfen können.“

„Der Bereich Klima läuft“

Man dürfe das Handwerk, wie in der Vergangenheit zu oft geschehen, nicht allgemein schlechtreden. Die Leistung der allermeisten Betriebe sei sehr gut und die dafür verlangten Kosten seien auch angemessen. Es sind aus seiner Sicht auftragsmäßig gute Jahre gewesen, nun gehe zwar der Rohbaubereich wieder etwas zurück, dafür steige der Bereich rund um energetische Anlagen auch für private Haushalte: „Der Bereich Klima läuft“.

Es sei in den vergangenen Jahren im Handwerk allgemein häufig gutes Geld verdient worden, wirbt Greß. Und selten, aber laut Greß natürlich bei schwarzen Schafen der Branchen durchaus auch vorkommend, Schwarzgeld. Für den Kreishandwerks-Geschäftsführer ein absolutes No-Go. „Wenn wir von solchen Aktionen Wind bekommen, melden wir das sofort den Zollbehörden.“ Die Kreishandwerkerschaft stehe schließlich für ehrliche und faire Bedingungen.

Keine grundlosen Verdächtigungen

Dabei ist es nach Greß‘ Aussage besonders wichtig, „bei Subunternehmen oder Subunternehmen von Subunternehmen nicht sofort auch an Illegalität zu denken“. Subunternehmerschaft sei etwas völlig Legitimes und Legales, „wenn alles korrekt abläuft“.

Dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft ist alles in allem nicht bange, um das Handwerk. „Auch wenn beim Thema Lohn die eine oder andere Branche noch etwas Nachholbedarf hat.“ Aber so wie Greß, eingangs erwähnt, die boomenden Berufszweige kennt, kennt er auch die Berufe, die, was die Auszubildenden betreffen, eher skeptisch in die Zukunft blicken. „Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir bei den Friseuren noch 60 Auszubildende im Zollernalbkreis, jetzt sind es noch deren 3.“

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