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Hechingen

Für 2000 Bürger: Hechinger Stadträte geben den Startschuss für einen neuen Groß-Stadtteil

06.06.2019

von Hardy Kromer

Für 2000 Bürger: Hechinger Stadträte geben den Startschuss für einen neuen Groß-Stadtteil

© Büro Hähnig-Gemmeke

Über die geschwungene Tübinger Straße (unten) geht’s ins neue Wohngebiet „Killberg IV“, das einen Mix aus Einzel-, Doppel-, Reihenhäusern und Wohnblocks bringt.

Man könnte es – nach dem Obertorplatz- Baubeschluss – einen weiteren Meilenstein der jüngeren Hechinger Kommunalpolitik nennen: Am Mittwochabend hat der Bauausschuss des Gemeinderates den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Killberg IV“ gefasst.

Das Verfahren schafft die rechtliche Grundlage dafür, dass auf der Anhöhe am nördlichen Stadtrand Hechingens ein neuer Groß-Stadtteil mit dereinst 2000 Einwohner entsteht. Es ist für Hechingen der lange erwartete Dosenöffner für den Schritt zur Großen Kreisstadt.

Seit 20 Jahren im Werden

Stadtbaumeisterin Helga Monauni sprach denn auch nicht von ungefähr von einem „Projekt, das seit 20 Jahren der Vollendung harrt“ und das 2016 in einem breit angelegten Bürgerbeteiligungsprozess konkretisiert wurde. Dass seither noch einmal drei Jahre vergangen sind, ist der Tatsache geschuldet, dass noch ein Energiekonzept zu entwickeln war, das den „Killberg IV“ zu einem CO2-neutralen Stadtteil machen sollen. Und dem Umstand, dass das Rathaus den jetzigen Bewohnern des unteren Killbergs versprochen hat, die Tübinger Straße zu sanieren, bevor es droben auf dem Berg losgeht.

68 Bauplätze im ersten Abschnitt

Mathias Hähnig vom Tübinger Planungsbüro Hähnig-Gemmeke stellte dem Bauausschuss den Entwurf des Bebauungsplan für einen ersten, 10,3 Hektar großen Bauabschnitt vor. Insgesamt umfasst das Gebiet 15,8 Hektar. Geplant sind in diesem ersten Abschnitt 54 Bauplätze für Einzel- oder Doppelhäuser und 14 Bauplätze für Reihenhäuser.

Eine Heizzentrale für das Gebiet

Am Eingang zum Gebiet, entlang der Tübinger Straße und an der inneren Haupterschließung, können dreigeschossige Wohnblocks entstehen, die dazu beitragen sollen, die auch im Raum Hechingen grassierende Wohnungsnot zu lindern. Freilich sollen diese Blocks nicht höher als 14,50 Meter werden. Wachsen sollen sie um einen einladenden Platz mit vielen großen Bäumen, an dem auch ein Café, eine Bäckerei und kleine Läden erwünscht wären. Am nördlichen Rand des Gebiets wird ein großes Grundstück für einen Kindergarten frei gehalten – und für die Heizzentrale des Gebiets.

Geothermische Energie gewinnen

Womit der Bogen zur Energieversorgung geschlagen wäre: Beheizt werden sollen die Killberg-Häuser über ein erd- und solargekoppeltes Nahwärmenetz. Um die geothermische Wärmeenergie zu gewinnen, sind am westlichen und nördlichen Rand des Gebiets Erdwärmesonden vorgesehen. Und weil diese Geothermie- Felder ohnehin am Übergang zu den umgebenden Wiesen liegen, werden sie durch einen Gürtel von Streuobstbäumen ergänzt.

Welche Erschließung?

Auch wenn die Verkehrserschließung des neuen Stadtteiles in der Bürgermitwirkung ein heiß umstrittenes Thema war, so bleibt es jetzt doch dabei, dass das Gebiet allein über die dann ausgebaute Tübinger Straße – aus Richtung Unterstadt und in der Verlängerung über den Berg dann in Richtung B 27 – erschlossen wird. Für das Innere des neuen Wohngebiets sprach Mathias Hähnig von einer „Ringerschließung, um Sackgassen oder Einbahnstraßen zu vermeiden“.

Stadträte sind sich uneins

Die Diskussion im Gremium zeigte, dass mit der Erschließung immer noch nicht jedermann einverstanden ist. Der Freie Wähler Stefan Löffler ärgerte sich darüber, dass aus dem Rathaus keinerlei Vorschläge gekommen seien, wie man die Tübinger Straße (und deren Anwohner) entlasten könnte. „Wieso kein Ring als Erschließungsstraße?“ fragte er. Und warum man den damals diskutierten Anschluss ans Etzental per Brücke über die Bahnlinie nicht näher geprüft habe? Stadtbaumeisterin Helga Monauni erinnerte in ihrer Replik daran, dass der Gemeinderat 2016 eine Ringstraße abgelehnt hat. Und eine mögliche Brücke zum Etzental habe man sehr wohl geprüft. Diese bräuchte aber eine Spannweite von 100 Metern und würde so viel zu teuer.

Brücke zum Etzental wünschenswert

Auch Almut Petersen (Bunte Liste) bedauerte, dass es nicht wenigstens für Fußgänger und Radfahrer eine Brücke zum Etzental gibt. An den Bestimmungen für das Wohngebiet selbst bemängelte sie, dass die Planer „immer noch mit dem Autoblick“ herangingen: flüssiger Verkehr, anderthalb Stellplätze pro Grundstück etc. Moderner wäre es, das Gebiet weitgehend autofrei zu halten und einen Parkplatz am Rand anzubieten. Dem widersprach Lutz Beck (CDU) energisch: „Die Leute müssen irgendwo ihre Autos hinstellen können. Sonst wird’s so chaotisch wie in Tübingen.“

Der ÖPNV soll attraktiv sein

Es bleibt also beim „Autoblick“, Helga Monauni betonte aber, dass man sehr wohl auch die öffentliche Verkehrsanbindung des Killbergs im Blick habe. „Die Busanbindung wird schon da sein, bevor das erste Haus steht“, versprach sie. „Der ÖPNV soll so attraktiv sein, dass manch ein Bewohner auf das Auto verzichtet.“

Während Almut Petersen sich für einen Bolzplatz im Gebiet verkämpfte (der ermöglicht werden soll), kam aus der SPD-Fraktion die Erinnerung, dass es auf dem Killberg nicht nur einen Kindergarten brauche, sondern auch einen Platz für eine Grundschule: „Unsere Grundschule platzt schließlich aus allen Nähten.“

Kirche im Dorf lassen

Dem hielt Melanie Homberger (CDU) entgegen: „Lasst mal die Kirche im Dorf! Wir brauchen da draußen keine Schule. Wir brauchen vor allem Wohnungen.“

Bei einer Gegenstimme (Stefan Löffler) befürwortete der Bauausschuss den Aufstellungsbeschluss. Am 27. Juni kommt das Thema in den Gemeinderat.

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