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Schömberg

Fortiter in fide: Neue Palmbühl-Gedenkstätte erinnert an Bischof Sprolls mutiges Wirken

10.09.2019

Von Rosalinde Conzelmann

Fortiter in fide: Neue Palmbühl-Gedenkstätte erinnert an Bischof Sprolls mutiges Wirken

© Rosalinde Conzelmann

Palmbühlpfarrer Josef Schäfer (von rechts) mit den Helfern Norbert Raible und Rolf Hermann vor der neuen Bischof-Sproll-Gedenkstätte.

Stark im Glauben: Diese lateinischen Worte stehen auf der neu errichteten Baum-Stele auf dem Palmbühl. Es ist der Wahlspruch des früheren Bekennerbischofs Joannes Bapistista Sproll. Am Freitag findet in der Wallfahrtsstätte eine Feier zum Gedenken an den „Glaubenszeugen in schwerer Zeit“ statt.

Es hat alles irgendwie zusammengefunden, erzählt Josef Schäfer. Der Palmbühlpfarrer ist ein großer Verehrer Sprolls und freut sich, dass mit der Gedenkstätte nun dauerhaft an das mutige Einstehen des Geistlichen gegen die Nationalsozialisten erinnert wird.

Bischof Sproll weihte zwei Heiligtümer ein

Drei Umstände fügen sich nun zusammen: Joannes Baptista Sproll hat 1927, in seinem ersten Bischofsjahr, die Lourdegrotte der Wallfahrtsstätte eingeweiht. Ein Jahr später war er wieder in Schömberg auf dem Palmbühl, um die Thaddäus-Kapelle zu segnen.

Wenige Meter von den beiden Heiligtümern entfernt, stand eine Esche, die so krank war, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. Josef Schäfer veranlasste, dass ein zwei Meter hoher Stamm stehen blieb.

Ein Geschenk der Ratshausener Kirchengemeinde

Der Palmbühlpfarrer hat dieses Jahr sein 50-jähriges Priesterjubiläum gefeiert und die Katholiken seiner Heimatkirchengemeinde Ratshausen haben ihm eine Tafel mit dem Foto des Bischofs, seinen Lebensdaten und den Jahreszahlen seiner Besuche in Schömberg geschenkt.

Freiwillige setzten sich ein

Dass diese Tafel nun zum Baumstamm gefunden hat, ist mehreren freiwilligen Helfern zu verdanken, die in den vergangenen Wochen fleißig waren: der Ratshausener Sebastian Mengis, der sich um die Tafel kümmerte, die Schömberger Luigi Viceconte und Norbert Raible, geschickte Handwerker und seit Jahren treue Seelen der Wallfahrtsstätte sowie Handwerksmeister Rolf Hermann aus Weilen unter den Rinnen, der die Abdeckung mit dem Schriftzug geschaffen hat. „Das hält jetzt ewig“, ist er sich sicher.

Viele Kerzen leuchten

Die Einweihung der Stele am Freitagabend wird ein würdiger Akt. Der Kreuzweg wird stimmungsvoll beleuchtet und die Ratshausener Alphornbläser haben sich spontan bereit erklärt, die Feier mitzugestalten.

Weit wichtiger aber ist es dem Palmbühlpfarrer, dass an diesem Abend ein profunder Referent, der Sproll persönlich gekannt hat, über dessen Wirken sprechen wird.

Vortrag in der Kirche

Dr. Franz X. Schmid aus Munderkingen, Pfarrer im Ruhestand, beleuchtet nach der Heiligen Messe um 18.30 Uhr in der Palmbühlkirche ab 19.30 Uhr das Leben des Geistlichen, der im August 1938 von den Nationalsozialisten aus seiner Diözese verbannt worden war, weil er sich geweigert hatte, bei der Volksabstimmung zur Angliederung Österreichs an Deutschland teilzunehmen.

Es folgte eine massive Demonstrationswelle der Nationalsozialisten gegen den Bischof, der immer wieder aus der Diözese flüchtete und am Ende aus Württemberg und Hohenzollern auf Anordnung der Gestapo nach Freiburg ausgewiesen wurde.

Es folgten weitere Ortswechsel. Sproll führte sein Amt auch im Exil weiter, er war jedoch nach dem Ende des Dritten Reiches ein gebrochener Mann; blieb aber bis an sein Lebensende im Jahr 1949 Bischof von Rottenburg. Den Beinamen Bekennerbischof hatte er schon zu Lebzeiten erhalten.

Kirche leistete Widerstand

„Man wirft der Kirche oft vor, dass sie zu wenig Widerstand geleistet hat“, sagt der Palmbühlpfarrer. Das Beispiel Sprolls zeige ein anderes Bild.

Am 1. September vor 80 Jahren hat der Zweite Weltkrieg begonnen – auch dieses Datum sieht Schäfer im Kontext zu dem Vortrag. Ebenso sieht er Parallelen zur heutigen Zeit, in der die Rechten wieder ihre Stimmen erheben.

„Es geht deshalb nicht nur ums Erinnern. Schmid wird die Menschen in seinem Vortrag auch wachrütteln“, sagt der Geistliche.

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