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Winterlingen

Feierliche Weihe durch den Dekan: St.-Gertrud-Kirche in Winterlingen hat zwei neue Glocken

28.07.2019

Von Karl-Otto Gauggel

Feierliche Weihe durch den Dekan: St.-Gertrud-Kirche in Winterlingen hat zwei neue Glocken

© Karl-Otto Gauggel

Bei der Weihe wurden die Glocken von Dekan Christoph Neubrand mit Chrisam gesalbt. Nach der Sanierung des Turmes und der Neugestaltung der Glockenstube werden sie über Winterlingen erklingen.

Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurden zwei neue Glocken von Dekan Christoph Neubrand in der katholischen St.-Gertrud-Kirche geweiht.

An dieser ganz besonderen Feier wirkten auch der Leiter der Seelsorgeeinheit Straßberg-Veringen, zu der die etwa 1000 Katholiken im Kernort Winterlingen gehören, Pfarrer Hubert Freier, sowie der derzeitige Urlaubsvertreter Pfarrer Francois Keke Ewane Hodonou aus Kamerun mit.

Seltenes Ereignis

Eine Glockenweihe ist ein sehr seltenes Ereignis, zumal in vielen Pfarrgemeinden die Glocken nicht selten über viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte erklingen und nur sehr selten ersetzt werden müssen. Auch zum Weihegottesdienst erklang die bisherige Glocke vom kleinen Turm der Kirche.

Nur geliehen

Die bisherige Glocke in Winterlingen ist nicht defekt und voll funktionsfähig. Ihr Alter lässt sich genau bestimmen, da an der Glocke in polnischer Sprache neben dem Stifter der Glocke, der Gussort Topau, auch die Jahreszahl 1683 eingraviert sind. Was nicht viele wissen, ist jedoch die Tatsache, dass diese Glocke seit 65 Jahren nur geliehen war und demnächst wieder an ihren ursprüngliche Standort nach Polen überführt werden wird.

Abschied von Winterlingen

Für die katholische Pfarrgemeinde in Winterlingen heißt es dann Abschied zu nehmen von der alten Glocke, die über mehrere Umwege anfangs der 50er Jahre im letzten Jahrhundert auf die Alb gelangte und bei der Weihe der Pfarrkirche am 21. November 1954 vom damaligen Rottenburger Bischof Carl Leiprecht gesegnet wurde.

Glockenfriedhof im Hamburger Hafen

Das katholische Gotteshaus wurde nach dem Krieg in der Zeit von 1950 bis 1954 mit viel Eigenleistung gebaut. Am Ende der Bauzeit stellte sich die Frage, wie man kostengünstig zu einer Glocke kommen könnte. Das bischöfliche Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart schließlich wusste von einem sogenannten „Glockenfriedhof“ im Hamburger Hafen, auf dem viele Glocken gelagert waren, die im Krieg glücklicherweise nicht eingeschmolzen wurden. Auch im besetzten Polen wurden von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg wegen zunehmendem Rohstoffmangel viele Glocken für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt und ins damalige Deutsche Reich überführt.

Den Krieg überlebt

Dieses Schicksal drohte auch der Winterlinger Glocke aus Schlesien im heute polnischen Konczyce Wielkie, die jedoch den Krieg überlebte und irgendwann im Hamburger Hafen landete. Gegen eine Mietgebühr von 30 Mark und einem Leihvertrag kam diese Glocke dann durch Vermittlung der bischöflichen Behörde nach Winterlingen, wo sie im Turm aufgehängt wurde und nunmehr seit 65 Jahren täglich zu hören ist.

Nachforschungen in Polen

Vor einigen Jahren begannen in der polnischen Heimat der Glocke in der dortigen Pfarrei St. Michael die Nachforschungen über den Verbleib ihrer alten Glocke.

Im Deutschen Glockenmuseum in Günzburg, wo in der Nachkriegszeit alle Glocken in Deutschland registriert wurden, wurde man schließlich fündig und freute sich, dass die Glocke die Beschlagnahmung und den Krieg unbeschädigt überstanden hatte.

Die St.-Gertrud-Kirche in Winterlingen hat zwei neue Glocken

Unser Mitarbeiter Karl-Otto Gauggel war bei der Weihe und beim anschließenden Empfang.

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Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Glockenweihe in Winterlingen

© Karl-Otto Gauggel

Pfarrer Andrzej Wieliczka hat den Antrag gestellt, ob die abhanden gekommene Glocke wieder in die alte Heimat zurückkommen könnte. Der Winterlinger Pfarrgemeinderat stimmte diesem Wunsch vorbehaltlos zu, und so wird in wenigen Wochen die Leihglocke von St Gertrud die Reise nach Osten antreten und in Polen wieder vom alten Standort herab erklingen.

Dem Heiligen Franziskus gewidmet

Eine der beiden neuen Glocken, die in der Glockengießerei Albert Bachert in Neunkirchen im Odenwald gefertigt wurden, ist in E2 gestimmt und dem Heiligen Franziskus gewidmet. Sie trägt den bekannten Spruch des Heiligen: „Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“. Die zweite größere und mit 300 Kilogramm deutlich schwerere Glocke ist in A2 gestimmt und zeigt ein Bildnis der Kirchenpatronin, der Heiligen Gertrud von Nivelles.

Zeugnis für den Glauben

Dekan Christoph Neubrand erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte der bisherigen Glocke und mahnte, dass es nie wieder zum Missbrauch der Glocken kommen dürfe. Er forderte die Gläubigen auf, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Er gab auch seiner Sorge Ausdruck, dass das Glockengeläut auch in seinem Dekanat mitunter kritisch betrachtet und vor allem das Anschlagen der Stunden in der Nacht mitunter als Störung empfunden werde. Glocken seien jedoch wichtige Zeichen und Signale für das Gebet und den Gottesdienst. Die Gläubigen sollten wie das Geläut in die Welt hinein klingen und auch in der Zukunft Zeugnis für den Glauben ablegen.

Weihe mit Chrisam

Danach weihte der Dekan die beiden Glocken mit Weihrauch, der Salbung mit Chrisam, seinem Segen und durch das Besprengen mit Weihwasser. Am Ende des festlichen Gottesdienstes dankte Dekan Neubrand und der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Harald Fischer, allen, die an der Planung des Glockenprojektes und dem Weihegottesdienst mitgewirkt haben . Ein besonderer Dank galt dabei Andreas Maier und seinem Chorus „b“ aus Bingen für die instrumentale und gesangliche Mitgestaltung. Sein Dank ging auch an Berthold Hagg, der das Tragegerüst für die beiden schweren Weiheglocken gezimmert hatte.

Evangelischer Pfarrer überrascht

Beim Empfang vor der Kirche überraschte Pfarrer Ernst Nestele von der evangelischen Pfarrgemeinde mit dem Vorschlag, dass zukünftig an den Hochfesten des Kirchenjahres die Glocken der katholischen und der evangelischen Kirche gemeinsam erklingen sollten, was mit großem Beifall bedacht wurde. Großen Applaus gab es auch für einen Gast aus dem polnischen Konczyce Wielkie, jenem Ort, an den die bisherige Glocke bald zurückkehren wird.

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