Hausen am Tann

Fällen oder erhalten: Die Hausener entscheiden über das Schicksal von drei Bäumen

17.01.2024

Von Daniel Seeburger

Fällen oder erhalten: Die Hausener entscheiden über das Schicksal von drei Bäumen

© Daniel Seeburger

Um diese Bäume geht es: Links die Rosskastanie, rechts die beiden Sommerlinden.

Am Sonntag, 21. Januar, sind die Hausener Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, über das Schicksal von drei ortsbildprägenden Bäumen zu entscheiden. Man kann zwischen 8 und 18 Uhr seine Stimme im Rathaus abgeben. Wichtig für das Ergebnis des Entscheids ist auch das sogenannte Quorum.

Dieses Quorum liegt bei 20 Prozent aller Abstimmungsberechtigten. Soll heißen, wenn nicht mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten am Sonntag zur Wahlurne gehen, ist der Bürgerentscheid gescheitert. Das ist so in der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg, Paragraf 21, Absatz 4 geregelt. Falls mehr als 20 Prozent der Hausener abstimmen, kommt es auf das Ergebnis der Abstimmung an. Ist die Mehrheit der Abstimmenden für den Erhalt der Bäume, gilt diese Entscheidung wie ein Gemeinderatsbeschluss – und könnte frühestens in drei Jahren durch einen neuen Gemeinderatsbeschluss gekippt werden.

Konkret geht es um eine alte Kastanie und zwei Linden, die direkt am Eingang der Hausener Kirche stehen. Die beiden Linden umrahmen eine Lourdesgrotte. Die Baumexperten von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt hatten nach einem Ortstermin dafür plädiert, die Bäume aus Sicherheitsgründen zu fällen und dafür neue Bäume zu pflanzen. Dem Vorschlag stimmte der Gemeinderat zu. Dabei wurde unter anderem auf die Gefahr durch herabfallende Äste verwiesen und vorsorglich der Fußweg, der am Friedhof entlangführt, gesperrt.

60 Unterstützerunterschriften

Dass das Quorum erfüllt wird, daran zweifelt eigentlich niemand. Denn im vergangenen November unterschrieben 60 Hausener die Aufforderung an den Gemeinderat, einen Bürgerentscheid durchzuführen. Insgesamt sind in der Schlichemtalgemeinde 368 Bürgerinnen und Bürger stimmberechtigt, das Quorum liegt bei 74 Stimmen. Wenn also mehr als 74 Personen ihre Stimme abgeben, kommt es auf die Stimmverteilung an.

Fällen oder erhalten: Die Hausener entscheiden über das Schicksal von drei Bäumen

© Daniel Seeburger

Christa Bruder und Manfred Neher (links) übergaben im vergangenen November die 60 geforderten Unterstützer-Unterschriften an Bürgermeister Stefan Weiskopf (Archivfoto).

Als Vertrauenspersonen für den Bürgerentscheid fungieren Christa Bruder, Hans Neher und Manfred Neher. Sie sind überzeugt davon, dass entgegen der Auffassung der Fachbehörden von Forst und Landratsamt die drei Bäume nicht umgesägt werden sollen. Sie schreiben dann auch von einer erfolgreichen Unterschriftenaktion, zahlreichen Rückmeldungen und einer großen Aufmerksamkeit in der Gemeinde. Den Erhalt des Baum-Ensembles sehe man „zugleich als Zeichen für unsere Natur sowie für eine offene und bürgernahe Gemeindepolitik“.

Kritik an der Informationspolitik

Man vermisse schmerzlich eine fundierte Klärung der Fachfragen und eine nachvollziehbare Informationspolitik. Gefordert wird, dass „ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ein neutrales Fachgutachten abgibt.“ Auf dieser Basis solle dann über die Zukunft der Bäume entschieden werden. „Die bisher von der Gemeindeverwaltung bekannt gemachten Überprüfungen und Einlassungen sind undurchsichtig und widersprüchlich“, so die Vertrauenspersonen.

Sie weisen in einer Information, die den Hausenern zugegangen ist, darauf hin, dass das Naturdenkmal Rosskastanie und die beiden Sommerlinden zusammen mit der Mariengrotte das Ortsbild der Gemeinde prägen. Die Verkehrssicherheit könne heute schon gewährleistet werden, wären die Bäume bereits zu einem früheren Zeitpunkt gepflegt worden. Bei der jetzt geplanten „Baumentnahme“ und Wurzelstockentfernung der Linden sei zudem damit zu rechnen, dass der Marien-Bildstock stark beschädigt werde.

Fachgerechte Pflege hat gefehlt

Die mangelnde Verkehrssicherheit zeige Versäumnisse in der fachgerechten Pflege der Baumgruppe, so der Vorwurf von Christa Bruder, Hans Neher und Manfred Neher. Damit gehen die Drei auf den Weg entlang der Friedhofsmauer ein, der unter den drei Bäumen hindurchführt. Wichtig sei es, bei Bäumen an häufig frequentierten Wegen und Plätzen kurzfristig Totholz zu entnehmen.

Man stelle die Fachkompetenz „jener angeblichen Experten infrage, die behaupten, eine der beiden Linden sei bereits abgestorben“, heißt es in dem Schreiben der Vertrauenspersonen. Die Initiatoren des Bürgerentscheids zeigen sich verblüfft darüber, dass die Gemeindeverwaltung das Angebot der Initiative ablehne, die Kosten für einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen zu übernehmen.

Christa Bruder, Hans Neher und Manfred Neher kritisieren aber nicht nur, sondern machen auch konkrete Angebote an die Gemeindeverwaltung. „Wir drei Vertrauenspersonen sind bereit, durch die Generierung von Spendengeldern die Gemeinde bei der zukünftigen Baumpflege zu unterstützen.“

Gemeindeverwaltung befürwortet Fällung

Die Gemeindeverwaltung bleibt dagegen bei ihrer Auffassung, die drei Bäume zu entfernen und Ersatzpflanzungen vorzunehmen. Sämtliche Experten von Forst und Landratsamt sowie ein Baumkontrolleur seien zum selben Ergebnis gekommen, nämlich dass die Bäume entfernt werden sollten, so Bürgermeister Stefan Weiskopf. Man sei ergebnisoffen an die Sache herangegangen und habe sich die Frage gestellt, was die bestmögliche Option sei, erklärte er auch im Vorfeld des Bürgerentscheids immer wieder.

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