FSME und Borreliose: Wie groß ist die Gefahr durch Zecken im Zollernalbkreis?

Von Pascal Tonnemacher

Der Zollernalbkreis gilt als FSME-Risikogebiet. Zecken können aber auch Borreliose übertragen. Was ist der beste Schutz vor einem Zeckenstich? Und wie verlaufen die möglichen Erkrankungen? Das Gesundheitsamt informiert und gibt Tipps.

FSME und Borreliose: Wie groß ist die Gefahr durch Zecken im Zollernalbkreis?

Kein schöner Anblick: Eine Zecke, die sich mit Blut vollgesaugt hat.

In ganz Baden-Württemberg, aber auch speziell im Zollernalbkreis, lagen die FSME-Fälle im Jahr 2020 auf Rekordniveau. „Bedingt durch die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 haben sich viele Menschen im vergangenen Jahr in ihrer Freizeit, beispielsweise für Sport oder Spaziergänge, häufiger im Freien oder im eigenen Garten aufgehalten“, schreibt das Landesgesundheitsamt.

So steigt die Gefahr durch Zeckenstiche, sagt das Gesundheitsamt im Zollernalbkreis. Durch die Stiche können Krankheiten wie Borelliose oder FSME, eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns, übertragen werden.

Viele erwachsene Zecken entdeckt

An Orten, die regelmäßig auf Zecken beprobt wurden, seien 2020 landesweit hohe Zahlen des Überträgers von FSME beobachtet worden. Nach Auskunft des Nationalen Konsiliarlabors für FSME beim Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr war insbesondere die Anzahl der Erwachsenen-Stadien der Zecken in 2020 ungewöhnlich hoch, schreibt das Landesgesundheitsamt.

Dieses Zeckenstadium weise eine höhere Virusträgerrate auf als das Nymphenstadium. So sei davon auszugehen, dass in der zurückliegenden Zeckensaison in den bekannten FSME-Risikogebieten auch die Wahrscheinlichkeit erhöht war, von einer infizierten Zecke gestochen zu werden.

Risikogebiet Zollernalb

„Der Zollernalbkreis ist – wie ganz Baden-Württemberg – als FSME-Risikogebiet von besonders vielen Infektionen betroffen“, berichtet Gesundheitsdezernentin Dr. Gabriele Wagner.

2019 wurden dem Gesundheitsamt Zollernalbkreis Labornachweise von 10 FSME-Erkrankten gemeldet. 2020 waren es 25 Fälle, 2021 bislang 7 (Stand 13. Juli). Zudem ist ein Todesfall zu verzeichnen. Für die Borreliose gibt es keine Meldepflichten, das Gesundheitsamt erhebt die Fälle also nicht systematisch.

Wo Menschen auf Zecken treffen

Zecken kommen besonders in Wäldern, in hohem Gras und Gebüsch oder losem Laub vor. Die Zecke klettert beispielsweise auf einen Grashalm oder ein Gebüsch. Kommt ein Tier oder ein Mensch vorbei, wird sie bei Kontakt abgestreift und hält sich fest. Sie fallen nicht von Bäumen und können nicht springen.

Sie werden von Menschen und Tieren häufig unbemerkt mitgenommen und können bei einem Stich Viren oder Bakterien in die Blutbahn abgeben und damit die Krankheit auslösen. Das Gesundheitsamt gibt daher Empfehlungen, wie man Zeckenstichen vorbeugt oder diese behandelt.

Wie man Zeckenstiche vermeidet

Im besten Fall werden Zeckenstiche vermieden: „Bei einer Wanderung durch Sträucher und hohes Gras oder beim Joggen sind geschlossene Schuhe, langärmelige Hemden und lange Hosen vorteilhaft. Bei möglichst heller Kleidung können Zecken leichter erkannt und entfernt werden“, empfiehlt Gesundheitsdezernentin Dr. Gabriele Wagner.

Vor dem Aufenthalt in Wäldern oder Wiesen können zusätzlich zeckenabweisende Mittel auf die Haut aufgetragen werden. Die Wirkung dieser Mittel sei allerdings zeitlich begrenzt und bietet keinen vollständigen Schutz.

Tipp: Körper gut absuchen

Trotz dieser Maßnahmen sollte der Körper im Anschluss an einen Aufenthalt in der Natur gründlich nach Zecken abgesucht werden. Zecken bevorzugen warme, weiche Hautstellen. Besonderes Augenmerk sollte daher auf die Kniekehlen, die Leisten, unter den Achseln, hinter den Ohren sowie am Kopf und Haaransatz gelegt werden.

Wie Zecken entfernt werden

Was tun bei einem Zeckenstich? Wenn eine Zecke am Körper entdeckt wird, sollte sie möglichst schnell entfernt werden, am besten mit einer Pinzette oder mit einer speziellen Zeckenzange. Man sollte sie auf keinen Fall mit Öl oder Klebstoff übergießen. Dies könne das Tier reizen und zur Folge haben, dass die Zecke den Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgebe.

Die Zecke sollte dabei möglichst nahe der Haut in deren Kopfbereich gefasst und vorsichtig und gerade, also ohne Drehung, herausgezogen werden. Im Anschluss sollte die kleine Wunde an der Stichstelle sorgfältig desinfiziert werden, sagen die Experten.

Erkrankung muss nicht schwer verlaufen

Doch wie verlaufen die möglichen Erkrankungen? Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die neben dem Nervensystem und den Gelenken besonders die Haut betrifft. Als charakteristisches Frühsymptom gilt die Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung.

Rechtzeitig erkannt, kann die Borreliose mit einem geeigneten Antibiotikum erfolgreich therapiert werden. Die meisten Infektionen mit Borreliose führen nicht zu Krankheitssymptomen. Für Borreliose-Erkrankungen steht derzeit kein Impfstoff zur Verfügung.

FSME-Patienten sind oftmals symptomlos

FSME-Infektionen verlaufen oft ohne Krankheitserscheinungen, schreibt das Gesundheitsamt. Bei etwa einem Drittel der infizierten Personen können grippeartige Erscheinungen mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten.

In rund 5 bis 10 Prozent aller Infektionen komme es nach einem symptomfreien Intervall zu Hirnhaut- und Gehirn-Entzündungen, die vor allem bei älteren Menschen zu bleibenden Schäden führen können.

Eine FSME-Erkrankung wird durch FSME-Viren hervorgerufen und kann nicht ursächlich behandelt werden. Es können lediglich die Symptome behandelt werden.

Nicht von Mensch zu Mensch übertragbar

Schwere Verläufe werden stationär im Krankenhaus behandelt, unter Umständen sogar intensivmedizinisch mit anschließender stationärer Rehabilitation. FSME ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Der typische Krankheitsverlauf der FSME-Erkrankung ist biphasisch, hat also zwei Phasen, und beginnt mit unspezifischen grippeähnlichen Beschwerden. Nach einem kurzen symptomfreien Intervall von bis zu einer Woche folgen die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis).

Erwachsene häufiger mit schwerem Verlauf

Ein hoher Anteil der Infektionen (rund 70 bis 95 Prozent) verläuft jedoch asymptomatisch oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. Schwere Krankheitsverläufe werden bei Erwachsenen häufiger beobachtet als bei Kindern.

Den besten Schutz vor einer FSME-Erkrankung biete die Impfung. Diese wird empfohlen für Menschen, die in Risikogebieten wohnen und sich viel in der Natur aufhalten, sowie für bestimmte Berufsgruppen wie Förster, Waldarbeiter oder Jäger.

Impfung uneingeschränkt empfohlen

In Baden-Württemberg wird die Impfung gegen FSME ohne geographische Einschränkung empfohlen. Für die Grundimmunisierung sind drei Impfdosen erforderlich. Auffrischimpfungen sind in den Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich, je nach Alter und verwendetem Impfstoff.

Entsprechend der Aktivität der übertragenden Zecken werden FSME-Erkrankungen im Land hauptsächlich vom Frühjahr bis in den Spätherbst übermittelt. Die Anzahl übermittelter FSME-Erkrankungen unterliegt seit Einführung der Meldepflicht stärkeren Schwankungen.

Warum die Meldezahlen schwanken

Die Gründe hierfür sind klimatische und ökologische Faktoren, die die Aktivität der Zecken aber auch die Populationsgrößen der Wirtstiere, wie Mäuse und Niederwild, beeinflussen würden. Des Weiteren hängen die Meldezahlen mit den Freizeitaktivitäten der Menschen und dem Impfstatus zusammen.

Auch die Entscheidung der Ärzte, in welchen Fällen eine Untersuchung des Blutes auf FSME veranlasst wird, habe Auswirkungen auf die Anzahl der gesicherten Diagnosen, schreibt das Landesgesundheitsamt.