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Balingen

Erkenntnis der Balinger Frauenwirtschaftstage: Der weibliche Führungsstil ist emotionaler

18.10.2019

Von Renate Deregowski

Erkenntnis der Balinger Frauenwirtschaftstage: Der weibliche Führungsstil ist emotionaler

© Renate Deregowski

Die weibliche Art Führungspositionen zu bekleiden stand im Mittelpunkt der diesjährigen Balinger Frauenwirtschaftstage.

„Ich bin total geplättet. So ein volles Haus hatten wir noch nie“, freute sich Oberbürgermeister Helmut Reitemann als er die Besucher zu den zehnten Frauenwirtschaftstagen im Konferenzbereich der Stadthalle begrüßte. Das Thema dieses Mal: „Wie kommuniziert und motiviert Frau zielorientiert“.

Monika Heuser-Laun, Inhaberin von „Heuser-Consulting“, ging in ihrem Impulsvortrag auf die Kraft der Sprache ein. So sollte man sich über seine Wortwahl bewusst werden, denn diese könne zum einen die eigene Grundhaltung verändern und zum anderen über Erfolg und Misserfolg entscheiden, etwa bei Gehaltsverhandlungen. Ihr Tipp: verbindlich und konkret formulieren, motivieren, ehrlich sein ohne dabei zu beleidigen oder zu verletzen. Worte wie „würde“, „könnte“ und „eigentlich“ sollten vermieden werden, „ohne das wird es charismatischer“.

Neue Medien spielen entscheidende Rolle

Auf klare Absprachen setzt auch Angela Kraut. Seit 2013 ist sie Vizepräsidentin des Global Finance & Controlling Bereichs von Bizerba SE & Co. KG mit 4100 Mitarbeitern weltweit – und inzwischen wieder familiengeführt. Bei dieser Dimensionierung spielten neue Medien eine entscheidende Rolle und bilden gleichzeitig eine Herausforderung: „Videokonferenzen sparen Zeit, aber man muss sich auf diese Kommunikationsform einstellen.“ Grundsätzlich sollten Ziele einfach und verständlich formuliert sein, alle Beteiligten sollten nach einer Besprechung wissen, was sie zu tun haben.

Lob und Tadel müssen sein

In einem Unternehmen, bei dem Arbeitsräume vermehrt „im Fluss“ sind, sogenannte „Open Spaces“, sei direktes Feedback an die Mitarbeiter immer noch wichtig, betonte Kraut – allerdings nicht wie im schwäbischen Ausdruck „nix gsagt isch gnug globt“. Lob sei ebenso angebracht wie Tadel und kommt, wie Kraut erzählte, „teilweise ganz überraschend rüber“.

Das Wir-Gefühl stärken

Auf die direkte Begegnung mit dem Kunden setzt Anke Illing, Geschäftsführerin von Juwelier Götz – ebenfalls einem Familienbetrieb, denn er Vater und ehemalige Inhaber schaue immer wieder vorbei. Er sei im Führungsstil sachlicher gewesen, verriet sie. In ihrem Team mit fünf Mitarbeiterinnen sprechen sie sich inzwischen mit „Du“ an, um das „Wir-Gefühl“ zu stärken, wie Illing erläuterte. Der gegenseitige Respekt sei geblieben.

Familiären Umgang aufrechterhalten

Von ihrem Vater geprägt wurde auch Anja Uttenweiler. Mit ihm zusammen führt sie das gleichnamige Vermessungsbüro. Den familiären Umgang mit den Mitarbeitern aufrecht zu erhalten, sei bei ihrem wachsenden, inzwischen zehnköpfigen Team zunehmend schwieriger. Trotzdem versuche sie jeden täglich zu fragen, wie es ihm gehe.

Kommunikation mit Männern einfacher

Ob es Unterschiede im Führungsstil und der Kommunikation gibt, wollte Moderator Bernd Flohr wissen. In ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin habe sie fast nur mit Männern zu tun gehabt, erzählte Illing. Der Umgang und die Sprache seien der Zeit geschuldet gewesen, „man hat es anders wahr genommen“. Wenngleich es immer auf die Person gegenüber ankomme, sei die Kommunikation mit Männern einfacher meinte Illing: „Bei ihnen kann man grad aus sagen, was man will“.

Gründlich und hartnäckig

Frauen pflegten einen emotionaleren Führungsstil, ergänzte Kraut. Dadurch wüssten sie mehr über die Mitarbeiter, könnten sie besser einschätzen und ihre Stärken besser nutzen. Gründliche wie hartnäckige Kommunikation würde Frauen auszeichnen. Uttenweiler stimmte zu: „Frauen haben die besseren Fühler für Zwischentöne.“

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