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Albstadt

Erdbebenschwarm in Albstadt: Geologen erforschen den Untergrund

11.09.2019

Von Michael Würz

Erdbebenschwarm in Albstadt: Geologen erforschen den Untergrund

© Michael Würz

Auf einem großen Feld in Albstadt vergräbt das Erdbebenteam hochsensible Messgeräte, die an der Uni Stuttgart entwickelt wurden.

Experten des Landeserdbebendienstes sind am Mittwoch in Albstadt aufgeschlagen. Sie wollen den Erdbebenschwarm untersuchen, der seit mehreren Tagen bei Onstmettingen aktiv ist.

Mit festen Schlägen rammt Ralph Ortlieb die Spitzhacke in den Boden. Der Mann, der auch als Landschaftsgärtner eine gute Figur abgeben würde, ist Techniker beim Landeserdbebendienst Baden-Württemberg. Sein Auftrag: Er muss ein Netz aus hochsensiblen Messgeräten im Erdreich vergraben. Hier, in Albstadt, wo seit Tagen die Erde bebt (mehr zum Thema).

Eine Vorhersage ist unmöglich

Immer wieder hören die Experten diese eine Frage: Kann man Erdbeben voraussagen? „Das geht nicht“, betont die Seismologin Dr. Andrea Brüstle. „Niemand kann sagen, wann das nächste Schadensbeben eintritt, auch nicht, wann die aktuelle Serie aufhört.“ Dennoch sind sie hier. Um zu verstehen, was im Untergrund passiert. Mehr als 400 Mal hat die Erde zwischen Onstmettingen und Hausen in den vergangenen Tagen gebebt – keines davon war spürbar, das schwerste hatte die Stärke 1,7.

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Technische Gerätschaften des Erdbebenteams stehen auf dem Feld.

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Ralph Ortlieb, der Techniker, vergräbt Messinstrumente.

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Die Messstation empfängt die exakte Uhrzeit per GPS.

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Seismologin Dr. Andrea Brüstle vermisst das Feld: Präzise Arbeit ist hier das A und O.

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Auch auf die korrekte Ausrichtung kommt es an: Hier hilft der gute alte Kompass.

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Mit festen Schlägen rammt Ralph Ortlieb die Spitzhacke in den Boden.

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Er verbuddelt solche hochempfindlichen Seismometer, die Erschütterungen aufzeichnen.

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Das Erdbebenteam erklärt Journalisten seine Arbeit.

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Ralph Ortlieb ist der „Herr über die Technik“.

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Vor wenigen Tagen noch war er bei den Erdbeben in Konstanz im Einsatz – jetzt gräbt er in Albstadt.

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Sensor A, Sensor B: Die Experten haben das Feld am Mittwoch zu ihrem Revier gemacht.

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Ortlieb sagt: „Die Bürger in Albstadt kennen sich meist gut mit Erdbeben aus. Davon haben wir als Behörde auch schon profitiert.“

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Ein Maßband liegt auf der Erde.

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Zum Schluss montiert Ralph Ortlieb die „Zentrale“ der Messstation zusammen.

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Dr. Andrea Brüstle, die Seismologin, erläutert die baden-württembergische Erdbebenkarte.

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Der Einsatzwagen des Erdbebenteams.

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Auch darin ist eine Menge Hightech verstaut.

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„Für uns ist die Sache deshalb so interessant, da wir hier nah am Hohenzollerngraben sind, die Erdbeben aber in viel größerer Tiefe stattfinden.“ Der bekannte Graben habe eine flache Struktur an der Oberfläche und erreicht gerade mal eine Tiefe von zwei Kilometern. „Die aktuellen Erdbeben messen wir in größerer Tiefe“, erklärt Brüstle. „Sie gehören zur Albstadt-Scherzone, die an der Oberfläche gar nicht sichtbar ist.“

Dennoch ist diese Scherzone wahrlich keine Unbekannte in Albstadt – sie hatte 1911, 1943 und 1978 verheerende Erdbeben ausgelöst. Beim zuständigen Regierungspräsidium in Freiburg wollen sie dementsprechend schon lange mehr darüber wissen, was genau im Albstädter Untergrund vor sich geht. Diese Chance bietet sich den Experten jetzt: „Wir versprechen uns von den aktuellen Messungen, dass wir die Albstadt-Scherzone noch genauer als bislang lokalisieren können“, erklärt Brüstle.

Wozu die Messungen?

Sie wollen ganz genau wissen, wo die Erde hier bebt. Und sie wollen wissen, wie sich die aktuellen Beben zu vorherigen einordnen lassen. Denn auch wenn sich Erdbeben nicht vorhersagen lassen – beobachten und untersuchen lassen sie sich sehr wohl. Dafür nutzen Seismologin Brüstle und Techniker Ortlieb modernste Gerätschaften, entwickelt vom Geophysikalischen Institut der Uni Stuttgart. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert die Sache so: Techniker Ortlieb verbuddelt vier hochempfindliche Seismometer – die ihre jeweiligen Mesergebnisse an einen zentralen Rechner übermitteln.

Der Aufbau gleicht einem riesigen Mercedes-Stern

Die miteinander verbundenen „Fühler“, wenn man so will, werden in einer bestimmten Anordnung angebracht, die optisch einem Mercedes-Stern gleicht. Dabei messen die Experten nicht nur die Abstände der Seismometer genau aus, sie überwachen auch die exakte Uhrzeit der Aufzeichnungen per GPS-Signal. „So können wir lernen, in welche Richtung sich die Erdbebenwellen ausbreiten“, erklärt Brüstle. Und wie schnell sie das tun. Das A und O bei dieser Arbeit: höchste Präzision. Nur wenn die Seismometer „im Wasser stehen“, können die Fachleute die Ergebnisse verwerten. Dabei helfen ihnen kleine Wasserwaagen auf den Geräten.

Die Erkenntnisse der kommenden Tage sollen auch als Grundlage für die Berechnung der statistischen Erdbebenwahrscheinlichkeit dienen, für das genaue Gefährdungspotenzial in der Region. Diese Daten finden Eingang in Karten, die vom Land herausgegeben werden.

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