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Bisingen

Ein historisches Foto im Bisinger KZ-Muesum erzählt von einem traurigen Schicksal

31.05.2019

von Dr. Ines Mayer

Ein historisches Foto im Bisinger KZ-Muesum erzählt von einem traurigen Schicksal

© Privat

Chaim (Harry) Nieshawer, geboren am 25.04.1925, mit seinen beiden Cousinen in einem Fotostudio in Grojec, Polen.

Nach 14 Monaten Planung und sieben Monaten Umbau wird das Museum KZ Bisingen am Sonntag mit einer neuen Ausstellung wiedereröffnet. Neu ist das Konzept, das sich dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte widmet.

Die Gemeinde Bisingen und der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen laden am 2. Juni zur Wiedereröffnung der neuen Dauerausstellung im Museum KZ Bisingen. Beginn ist um 11 Uhr in der Hohenzollernhalle.

In fünf Themenräumen und einem Introraum wird die Geschichte des KZ Bisingen mit verschiedenen Medien vermittelt. In vier Teilen stellen Dr. Ines Mayer vom Bisinger Gedenkstättenverein und der ZOLLERN-ALB-KURIER das neue Konzept vor. Nach bereits drei erschienenen Beiträgen kommt heute der letzte. Es geht um die Nachgeschichte und ein Foto, das Harry Nieschawer und seine Cousinen zeigt.

Ehrengast und Häftling

Harry Nieschawer war 1996 als Ehrengast bei der Eröffnung des KZ Museums in Bisingen dabei. In der neuen Ausstellung, die mit einer Feier am Sonntag, 2 Juni, um 11 Uhr in der Hohenzollernhalle eröffnet wird, begegnet er uns im Nachgeschichte-Raum.

Nieschawers erster Aufenthalt in Bisingen lag über 50 Jahre zurück und war nicht freiwillig erfolgt. Der damals 19-Jährige kam am 8. November 1944 mit einem Häftlingstransport aus dem KZ Vaihingen/Enz in Bisingen an und musste im „Wüste“-Werk 2 Ölschiefer abbauen. Bis dahin hatte er schon eine wahre Odyssee durch mehrere Ghettos und Lager hinter sich.

Eltern und Bruder tot

Chaim Nieschawer wurde im April 1925 als Sohn eines Textilkaufmanns im polnischen Grojec geboren. Als Hitlers Truppen in Polen einmarschierten, war Chaim gerade einmal 14 Jahre alt. Seine Familie kam ins Ghetto, zunächst in Grojec, 1941 in Warschau. Von dort floh er zu seiner Großmutter nach Radom. Die Eltern und den Bruder hat er nie wiedergesehen. Viel später erfuhr er, dass sie in Treblinka umgebracht worden sind.

Vom Ghetto ins Konzentrationslager

Chaim schlug sich durch, kam immer wieder in Arbeitskommandos, im Ghetto in Radom, im Konzentrationslager Auschwitz. Dort wurde er im August des Jahres 1944 für einen Transport nach Vaihingen/Enz ausgewählt und kam nach der Umwandlung des KZ in ein Kranken- und Sterbelager im November des Jahres 1944 ins KZ Bisingen. Von seiner Zeit dort erzählte er unter anderem: „Ich hatte nur einen Traum im Kopf: Ich wollte Brot haben, ein ganzes Brot und so viele Scheiben abschneiden, wie ich wollte. Das war nur möglich, wenn ich durchhalten würde.“ Und tatsächlich: Er hielt durch.

Ausgewandert in die USA

Auf Bisingen folgten viele weitere Stationen, bis er am 1. Mai 1945 in einem Lager zwischen Rostock und Stralsund befreit wurde. Ein Jahr später wanderte er in die USA aus. In New York wurde sein Bisinger Traum vom ganzen Brot wahr. Harry, wie er sich nun nannte, fand eine Anstellung in einer Bäckerei, später machte er sich als Bäckermeister selbstständig.

Im Nachgeschichte-Raum der neuen Ausstellung im Bisinger Museum begegnet der Besucher nun Harry (Chaim) Nieschawer auf einem Foto aus glücklichen Tagen. Die Geschichte dazu steht ausführlich daneben.

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