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Geislingen

Ein genialer Musiker hört auf: Wolfgang Amann war fast 60 Jahre Organist in Geislingen

04.10.2019

Von Claudia Renz

Ein genialer Musiker hört auf: Wolfgang Amann war fast 60 Jahre Organist in Geislingen

© Claudia Renz

Hört nach 60-jähriger Organisten- und 40-jähriger Chorleitertätigkeit auf: Wolfgang Amann.

Nahezu 60 Jahre war Wolfgang Amann Organist und leitete 40 Jahre den Kirchenchor. Anfang August kündigte der Geislinger Ausnahmemusiker seinen Rückzug an.

Schon als kleiner Junge saß Wolfgang Amann fast jeden Sonntag neben seinem Vater auf der Orgelbank, der zu dieser Zeit das Organistenamt inne hatte und den katholischen Kirchenchor St. Ulrich Geislingen sowie den Gesangverein Binsdorf leitete. Schnell erkannte der Vater, dass in dem kleinen Jungen ein besonderes Talent schlummerte und Wolfgang Amann bekam bereits als Siebenjähriger Klavierunterricht.

Als Zehnjähriger Organist in Binsdorf und Erlaheim

Drei Jahre später übernahm der Zehnjährige zunächst in Binsdorf und später auch in Erlaheim die Rolle des Organisten und spielte während der Gottesdienste in den katholischen Kirchen St. Markus und St. Silvester die Orgel. Von 1954 bis 1958 war Wolfgang Amann Schüler im Bischöflichen Internat Martinihaus in Rottenburg und erhielt Orgelunterricht von Professor Peter-Alexander Stadtmüller dem Domchorleiter der Stadt.

Studium in Trossingen

Die nächste Station im musikalischen Werdegang des Geislingers, war die Musikhochschule Trossingen. Professor Gerd Witte, unter dessen Ägide der spätere Studiengang Kirchenmusik entstand, erkannte bei dem jungen Musiker dessen außergewöhnliche Begabung für das Orgelspiel und führte ihn an der „Königin der Instrumente“ zu hohem künstlerischem Können.

Die Orgel, die auf eine Historie von gut 1000 Jahren zurückblicken kann, hinterlässt bei jedem Hörer der beim Besuch einer Kirche oder Kathedrale die erfüllt von festlichen Klängen ist, einen bleibenden Eindruck. Die Königin ist sie auch deshalb, weil sie wirklich das Höchste ist was man als Instrument spielen kann, nämlich mit beiden Händen und beiden Füßen gleichzeitig.

Nach seinen Studien bei den qualifiziertesten Professoren seiner Zeit, übernahm Wolfgang Amann mit 19 Jahren im Jahr 1960 den Organistendienst in Geislingen und erfüllte diese Tätigkeit mit tiefster Leidenschaft und Überzeugung bis 2019. Der Faszination Kirchenmusik folgte Wolfgang Amann sein Leben lang bis heute und bildete sich durch Eigenstudien ständig in allen Arten und Stilrichtungen der Orgelliteratur weiter.

Rund 12.000 Gottesdienste

Es dürften etwa 12.000 Gottesdienste sein, die er in knapp 60 Jahren musikalisch begleitete: Sonntags- und Werktagsmessen, Hochämter, Andachten, Tauf- und Hochzeitsfeiern, Requien sowie andere Anlässe und Feierlichkeiten.

Ein langersehnter Wunsch des Organisten erfüllte sich 1992. Die Einweihung der neue „Fischer + Krämer“- Orgel, ausgestattet mit drei Manualen und 40 Registern, wurde mit einem großartigen Konzert gemeinsam mit dem Westböhmischen Symphonieorchester aus Marienbad unter der Leitung des Konzertdirigenten Miguel Angel Monroy, zelebriert. Seither gab Wolfgang Amann zahlreiche eigene Orgelkonzerte mit Werken namhafter Meister aller musikalischen Stilrichtungen, meist zum Jahrestag der Orgelweihe.

Emsiger Chorleiter

Als Chorleiter des katholischen Kirchenchors seiner Pfarrgemeinde gestaltete er während der 40-jährigen Tätigkeit im Durchschnitt 15 liturgische Feiern im Kirchenjahr und 600 während seiner gesamten Chorleiterära. Annähernd 1600 Chorproben leitete Amann während dieser Zeit mit großem Gespür für den liturgischen Dienst.

Als Meilenstein der gottesdienstlichen Feierlichkeiten dürfte die Altarweihe im Jahr 1985 gelten, für die Amann mit dem Kirchenchor eine ganze Anzahl der festlichen Chöre und liturgischer Gesänge aufbot.

Trotz der ständigen Anforderungen für die Gottesdienste führte Wolfgang Amann während seiner Zeit als Chorleiter zehn eigene Kirchenkonzerte mit Chor, Orchester und namhaften Solistinnen und Solisten auf. Beispiele dieser großen Werke, sind Chöre und Arien aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel, die „Theresienmesse“ von Joseph Haydn, die sogenannte „Jubelmesse“ von Carl Maria von Weber und Werke des „Lieblingskomponisten“ Amanns, nämlich Wolfgang Amadeus Mozart, von dem unter anderem die „Krönungsmesse“, die „Große Vesper“ und als Höhepunkt sicher das weltberühmte „Requiem“ das zur 800-Jahr-Feier der Stadt Geislingen zur Aufführung kam.

Landesehrennadel für besonderes Engagement

Nach einem dieser Konzerte überreichte ihm der damalige Bürgermeister Günther-Martin Pauli 1997 die Landesehrennadel für besonderes Engagement. Trotz seines Genies ist Wolfgang Amann bis heute ein bescheidener Mensch geblieben. Seine emphatischen, sozialen und kreativen Talente ergänzen den besonderen Menschen Wolfgang Amann der für die Kirchengemeinde, der Stadt und für seine Mitbürger großes geleistet hat.

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