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Balingen

Ein eigener Dojo, das wär‘s: Die Judoka der TSG Balingen arbeiten darauf hin

11.10.2019

Von Jennifer Dillmann

Ein eigener Dojo, das wär‘s: Die Judoka der TSG Balingen arbeiten darauf hin

© Jennifer Dillmann

Die Judoka der TSG Balingen treffen sich dreimal in der Woche in der Realschulturnhalle. Der große Traum aber ist einer eigener Übungsraum, ein so genannter Dojo.

Der ZAK stellt in loser Folge Kampfkünste vor, die im Zollernalbkreis angeboten werden. Im zweiten Teil präsentieren sich die Judoka der TSG Balingen und ihren eigenen sanften Weg.

Moksu Yame!“ - Der japanische Ausruf erfüllt die Halle und lässt zwanzig Judoka in Stille ankommen. Der Alltag mit all seinen Belastungen und Ablenkungen endet hier. Von diesem Moment an ist Konzentration gefordert.

Die disziplinierte Aufstellung in einer Reihe löst sich auf und das Aufwärmprogramm beginnt. Kriechen am Boden, Bockspringen über den Rücken des Vordermannes oder einfach mal Saltos quer durch den Raum.

Spannung wird entladen

Nicht nur das Fliegen durch kunstvolle Sprünge erlernen die Teilnehmenden hier, sondern auch wie man richtig fällt. Wie ein schwerer Baum kracht ein Judoka nach dem anderen auf die Matte. Was ungeübte Ohren irritieren könnte, erweist sich als schlaue Technik: Beim Aufprallen auf die Matte schlägt ein Judoka mit der flachen Hand kraftvoll zu. Das entlädt die Spannung.

Werfen, halten, würgen

Anschließend geht’s ans Eingemachte. Die Judoka greifen in das reißfeste und griffige Anzugmaterial ihres Trainingspartners und werfen ihn kurzerhand auf die Matte. Das Üben von Techniken ist nun angesagt. Trainiert wird immer im traditionellen weißen Anzug, „Gi“ genannt. Im Stand gibt es unterschiedliche Würfe. Auf dem Boden herrschen Haltegriffe, Hebel und Würgegriffe vor.

Judo folgte aufs Boxen

Die Judoka der TSG Balingen treffen sich drei Mal wöchentlich in der Turnhalle der Realschule. Beachtliche neunzig Mitglieder von fünf bis 65 Jahren gehören zur Judo-Abteilung, dabei stieß diese Anfangs auf regen Widerstand. Im Jahr 1972 gründeten Karl Robert Klassen und seine Frau Suse die Abteilung. Die TSG war gegen die Gründung, da Judo damals als Modesportart verschrien war und das Geld in einen neuen Boxring investiert werden sollte. Die Boxabteilung löste sich kurz darauf auf, während die Balinger Judoka inzwischen Erfolgsgeschichte schreiben.

Start mit 40 Jahren

Der Vorsitzende des Vereins, Günter Schäfer, hat Vorbildfunktion. Er entdeckte erst mit vierzig Jahren das Judo für sich. In den vergangenen 25 Jahren „arbeitete“ er sich bis zum schwarzen Gürtel durch. Dem ZAK Rede und Antwort standen sein Stellvertreter Bernd Majer (auch Jugendtrainer und Mannschaftskapitän), Rainer Springer (Jugend- und Erwachsenentrainer, Kassierer sowie Schriftführer) und Bernd Loske-Strobel (Selbstverteidigung Erwachsene).

Die Technik macht den Unterschied

„Judo soll eine Sportart sein, mit der sich die Menschen körperlich und geistig entwickeln können, ohne die Gefahr, sich allzu schwer zu verletzen“, macht Springer den Anfang. Loske-Strobel bestätigt: „Es ist ein großartiger Sport, der mit Kopf und Verstand gemacht wird. Das bisschen Kraft, das man dazu braucht, hat jeder. Gegen diese feine Technik ist jede andere Kampfkunst machtlos.“ Majer schwärmt: „Große Judoka-Meister bewältigen noch als alte Greise mit sechzig Kilo selbst gestandene Hundert-Kilo-Schwarzgurte. Das Timing, ein richtiger Schritt, ein richtiger Griff entscheidet alles.“

Die Judoka sind wie eine zweite Familie

In Japan kämpften ursprünglich die Samurai. Einige dieser Kampftechniken wurden ins Jiu-Jitsu überführt. Der japanische Judo-Gründer Jigoro Kano ließ Schlag- und Tritttechniken sowie das Schwert weg, damit das Verletzungsrisiko möglichst klein wurde und sich Judo als Wettkampfsport etablieren konnte. Einen wichtigen Platz nimmt die philosophische Lehre ein. Ein Judoka lernt Konzepte wie Höflichkeit, Wertschätzung, Selbstbeherrschung, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Mut, Bescheidenheit und Ernsthaftigkeit praktisch kennen. Bei erfolgreicher Umsetzung sollen diese in Freundschaft gipfeln. Die Balinger Judoka scheinen diese Kunst mit Bravur zu meistern, denn sie sprechen voneinander als zweite Familie.

Siegen durch nachgeben

Wie sich zeigt, zeichnet einen guten Judoka nicht die Anzahl seiner Siege aus, sondern eine andere Eigenschaft. Majer erklärt: „Es geht um das richtige Maß. Ein Schwarzgurt sollte einen Weißgurt beispielsweise nicht in die Matte hauen. Rücksicht ist sehr wichtig.“ Bei Wettkämpfern könne man sich dann aber natürlich austoben. Loske-Strobel ergänzt: „Judo heißt „der sanfte Weg“. Man könnte auch sagen: Siegen durch nachgeben. Man muss viel lernen, braucht viel Geduld und einen starken Willen.“

Frauen kämpfen aggressiver

„Dazu gehört aber auch, weise mit seinen Kräften umzugehen“, so Majer, „Gerade im Kampf ist es wichtig, sensibel für die Bewegungen zu sein und zu spüren, wo es hingeht.“ So würde er beispielsweise bei Druck nie dagegenhalten, sondern die Energie in einer Drehung aufnehmen und den Gegner so zu Fall bringen. Im Kampf seien Frauen gemeinhin aggressiver als Männer, da waren sich die Balinger Judoka einig.

Traum vom eigenen Trainingsraum

Zum großen Glück fehlt der Judo-Abteilung nur noch ihr eigenes Dojo, ein permanent mit Matten ausgelegter Trainingsraum. Derzeit müssen sie zu jeder Trainingseinheit die Matten auf- und abbauen, was sehr zeitintensiv ist. Außerdem fehlt ihnen der Platz, um Errungenschaften wie Urkunden und Pokale auszustellen. Der Antrag auf ein eigenes Dojo ist in Arbeit. Angesichts des erfolgreichen Aufstiegs in die Württembergliga äußerte Loske-Strobel: „Die Lage ist einfach frustrierend. Wir sind es wert, dass wir uns präsentieren dürfen.“

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