Sigmaringen

Ein Mann, der die Männer versteht: Besonderes Beratungsangebot für Herren in Sigmaringen

06.11.2023

von Mareike Keiper

Ein Mann, der die Männer versteht: Besonderes Beratungsangebot für Herren in Sigmaringen

© Mareike Keiper

Sebastian Schneider bietet in den neuen Räumen des SKM die Männerberatung an.

Sie sind die Beschützer, Versorger, die Starken: Unter diesen Rollen können Männer leiden. Der Sigmaringer Sebastian Schneider möchte ihnen helfen – mit einem seltenen Angebot. In den neuen Räumen des Sozialdienstes Katholischer Männer bietet er deshalb eine Männerberatung an, die es so nur selten gibt.

Männer sprechen nicht über Gefühle, machen viel mit sich aus und zeigen ungern Schwäche – diese Klischees spielen auch heute noch eine große Rolle, davon ist der Sigmaringer Sebastian Schneider überzeugt. Er möchte das ändern.

Seltenes Angebot

Aus diesem Grund bietet er seit Kurzem mit dem Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) eine kostenfreie Männerberatung in Sigmaringen an. Sie ist nach Rastatt erst die zweite dieser Art in Baden-Württemberg.

Schneider spricht von der Benachteiligung von Jungen und das in einer Zeit, in der die Emanzipation von Frauen immer noch nicht erreicht ist. Warum? „Bei Themen wie Sucht, Gewalt, Suizid oder Gefängnisaufenthalt sind Männer betroffener als Frauen“, sagt er.

Zahlen des SKM belegen das: 75 Prozent der Selbstmorde werden von Männern begangen, 80 Prozent der Gewaltstraftäter sind Männer. Auch bei der Sucht schlägt das Pendel eindeutig aus: 73 Prozent der Alkoholabhängigen sind männlich.

Problemfeld Rollenbilder

Das hänge mit der Sozialisierung und erlernten Rollenbildern zusammen. „Männer tun nicht das, was sie wollen“, so Schneider und nennt einige dieser Rollen als Beispiel. Viele lernen, dass sie die Beschützer, Retter und Versorger sein sollen und Gefühle – außer Wut – verstecken müssen.

Das führe zu Problemen, denn wenn Männer in eine Krise kommen, seien es Trennungen, der Tod von Angehörigen, Sucht oder Krankheit, tun sie sich schwer, ihr Muster zu durchbrechen. Ziel sei es also, Männer durch die Beratung in Krisen zu unterstützen und die Rollenerwartungen aufzuweichen, um den Druck dahinter zu reduzieren.

Schneider, der viele Jahre lang bei der Suchtberatungsstelle in Sigmaringen tätig war, geht mit der Beratung zurück zu seinen Wurzeln. Während seines Studiums in Tübingen vor etwa 20 Jahren hat er bereits mit etlichen Projekten zu tun gehabt, die Jungs und Männer sowie deren Rollenmuster und Themen im Fokus hatten. Auch eine Fortbildung zur Benachteiligung von Jungen hat er gemacht – und sich privat viel mit Rollenbildern beschäftigt.

Einzelberatung sowie Gruppen

Er plant nun drei Stränge, um die Männer im Landkreis zu erreichen. Neben der Einzelberatung soll es auch örtliche Männergruppen, bestenfalls sogar mit Themenschwerpunkt, geben.

Außerdem will Schneider die Hintergründe mehr in die Öffentlichkeit holen, beispielsweise durch den sogenannten Movember, in dem Männer sich im November einen Schnurrbart wachsen lassen, um die Aufmerksamkeit auf die Gesundheit von Männern zu lenken.

Angebot wird schon angenommen

Bisher haben auch schon zehn Männer an der Beratung teilgenommen. Überwiegend ging es um Fragen rund um den Umgang mit den Kindern nach einer Trennung. Schneider hofft, dass weitere das Angebot in Anspruch nehmen, das neben der Ehe-, Familien und Lebensberatung in Sigmaringen existieren wird.

Wer einen Termin ausmachen möchte, kann sich telefonisch melden unter 07571 7289229. Mehr Informationen zur Männerberatung gibt es hier.

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