Fussball

„Die Stimmung ist derzeit nicht die beste“: TSG-Chef Straubinger spricht über den Aderlass

15.05.2024

Von Marcel Schlegel

„Die Stimmung ist derzeit nicht die beste“: TSG-Chef Straubinger spricht über den Aderlass

© MOSCHKON

TSG-Vorsitzender Eugen Straubinger hat momentan viel zu tun.

Eugen Straubinger hat derzeit kein leichtes Ehrenamt. Nachdem der Abstieg aus der Regionalliga Südwest feststeht, häufen sich bei der TSG Balingen die Abgänge. Ein Umbruch, der es in sich hat, ist am Rande der Eyach im Gange. Darüber spricht der 69-jährige Vereinschef im Interview.

Erst Foelsch und Dierberger, dann Viventi, Ramser, Wöhrle - jüngst wurde bekannt, dass auch Binanzer, Akkaya, Kuhn, Vogler, Brugger, Griebsch und jetzt zudem Campanile den Verein verlassen. Am Samstag müssen Sie im letzten Saisonspiel gegen den KSV Hessen Kassel (14 Uhr, Bizerba-Arena) also zahlreiche, teils verdiente Spieler verabschieden. Wie geht es Ihnen damit?

Eugen Straubinger: Ich muss sagen, das trifft uns schon sehr, auch auf einer emotionalen und persönlichen Ebene. Wir sind enttäuscht, die Stimmung ist derzeit nicht die beste. Wir hatten versucht, diese Spieler trotz des Abstiegs vom Verbleib zu überzeugen, haben allen ein Vertragsangebot unterbreitet, das wirtschaftlich ans Maximum dessen geht, das wir leisten können. Ich denke also, wir sind fair und konstruktiv mit allen umgegangen. Doch wir konnten die Jungs nicht halten. Da es sich teilweise um langjährige Leistungsträger und sogar um Eigengewächse handelt, fällt mir die Verabschiedung besonders schwer.

Nur noch vier Spieler der Aufstiegsmannschaft von 2018, nämlich Schmitz, Eisele, Müller und Wolf, halten der TSG damit die Treue. Unter anderem kehren Keeper Marcel Binanzer, der seit 2009, seit der A-Jugend im Verein war, sowie Kaan Akkaya, ebenfalls aus Hechingen und seit 2014 bei der TSG, der Mannschaft den Rücken …

Wir lassen keinen Spieler gerne ziehen. Aber klar, der Verlust von Marcel Binanzer tut besonders weh. Er war im Kader der erfahrenste, repräsentiert die TSG wie kein anderer im Team und wir hatten gehofft, dass er den Umbruch als Leitfigur mitgestaltet. Doch Marcel sucht nun eine neue Herausforderung und das müssen wir akzeptieren, auch wenn’s schmerzt. Kaan kam zuletzt kaum zum Einsatz, dass er dann eine neue Aufgabe sucht, ist verständlich, schmerzt aber ebenfalls.

Der SSV Reutlingen 05 hat im Winter schon Tobias Dierberger verpflichtet und sich nun auch Moritz Kuhn geschnappt. Auch um Binanzer und weitere Noch-Balinger sollen sich die Reutlinger bemühen. Ihre Gedanken dazu?

Der SSV 05 kämpft gegen den Oberliga-Abstieg, sprich: Es ist nicht unrealistisch, dass diese Spieler kommende Runde in der Verbandsliga kicken. Insofern kann ich die Wechsel nicht ganz nachvollziehen und vermute, dass diese mich deshalb auch emotional so sehr berühren.

Wie erklären Sie sich deren Entscheidungen?

Vermutlich finanzielle Erwägungen.

Welche weiteren Gründe wurden Ihnen von den Spielern genannt?

Persönliche, Henry Seeger etwa wird im Umfeld des FC Holzhausen auch beruflich einen neuen Weg einschlagen. Das gilt auch für Jonas Vogler, den eine berufliche Veränderung zum Abschied bewog. Andere Spieler, etwa Lukas Griebsch, wollen eben Regionalliga spielen. Und am Ende hat sich daraus ein gewisser Dominoeffekt entwickelt.

Meiser, Vochatzer, Vegelin, Awortwie-Grant – noch ist die Zukunft einiger Spieler offen. Anders gesagt: Der Aderlass könnte noch größer werden. Befürchten Sie das?

Wir sind in Gesprächen, aber müssen damit rechnen. Auf der anderen Seite haben wir im Winter spielstarke Talente mit viel Perspektive verpflichtet, von denen uns Katsianas-Sanchez, Pilic und Eroglu erhalten bleiben. Zudem steht Simon Gorr vom VfL Pfullingen als Sommer-Transfer schon fest, fünf weitere Neuzugänge werden wir demnächst verkünden. Anders gesagt: Wir starten den Neuanfang und das mit einer sehr jungen Truppe, die das Zeug hat, in zwei oder drei Jahren um die Oberliga-Meisterschaft mitzuspielen.

In zwei oder drei Jahren?

Ja, so ein Umbruch, sofern er nachhaltig gestaltet sein will, braucht Zeit. Wir möchten demütig bleiben. Zudem wird die Oberliga Baden-Württemberg nächstes Jahr ein heißes Pflaster. Ich würde sagen, dass gut ein Drittel der Vereine um den Titel buhlen werden. Wir aber sind gut beraten, die Chance zum Neuanfang nun auch mit der nötigen Geduld anzugehen, uns auf die Entwicklung der Mannschaft zu konzentrieren und dafür haben wir mit Murat Isik einen Trainer, der im Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart schon bewiesen hat, dass er das kann.

Wie steht es um die finanziellen Mittel?

Alle Sponsoren werden an Bord bleiben, dafür sind wir ausgesprochen dankbar. Sprich: Wir werden mit einem ähnlichen Etat in die neue Saison gehen. Im Oberliga-Vergleich wird das dennoch bedeuten, dass wir nicht zu den Top-Teams zählen, also aus finanzieller Sicht.

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