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Geislingen

„Die Patienten sind sehr dankbar“: Geislinger Rotkreuz-Truppe darf wieder helfen

07.07.2020

Von Rosalinde Conzelmann

„Die Patienten sind sehr dankbar“: Geislinger Rotkreuz-Truppe darf wieder helfen

© Rosalinde Conzelmann

Bereitschaftsleiter Christian Schluck (links) und HVO-Leiter Christian Sieber bereiten den Versammlungsraum auf den ersten Dienstabend am 10. Juli vor.

„Von 100 auf 0“ – so drastisch hat Bereitschaftsleiter Christian Schluck die coronabedingte Auszeit der Geislinger Bereitschaft und der „Helfer vor Ort“ (HVO)-Gruppe erlebt. Anfang März war der letzte Dienstabend, danach war das Vereinsleben nahezu auf Eis gelegt. Jetzt dürfen die „Helfer vor Ort“ wieder in den Einsatz und erfahren große Dankbarkeit von ihren Patienten.

Christian Sieber ist der Leiter der HVO-Gruppe, die am 13. März abgeschaltet wurde, wie sich der Rotkreuzler ausdrückt. Der Grund dafür war, dass nicht genügend Schutzkleidung für die Freiwilligen vorhanden war.

Geislinger Helfer waren im Testzentrum im Einsatz

Während in Geislingen keine Alarmierungen bei medizinischen Notfällen in der Kernstadt und den Ortsteilen Binsdorf und Erlaheim mehr eingingen, waren einige der Helfer im Corona-Testzentrum in Balingen im Einsatz. „Unsere Leute waren für die Technik und die Logistik zuständig“, informiert Bereitschaftsleiter Christian Schluck. Das waren aber auch die einzigen Aktivitäten.

Natürlich hat der Ortsverein, der 60 aktive Mitglieder zählt und 45 Kinder und Jugendliche im Jugendrotkreuz ausbildet und betreut, im Hintergrund all die Dinge aufgearbeitet, die liegengeblieben sind.

Es wurde auch einiges aufgeschafft

In kleinen Gruppen, in denen die Abstandsregeln eingehalten wurden, erzählt Christian Schluck, wurden die Fahrzeuge gewartet, ein Gartenhäuschen aufgebaut, ein Geräteschuppen erstellt und im Vorraum des neuen Jugendraums der Boden verlegt. „Alles Dinge, für die wir bisher keine Zeit hatten.“

Kommunikation lief weiter

Dank WhatsApp waren die Helfer und Mitglieder miteinander vernetzt und die Kommunikation lief weiter. Einzig im Jugendrotkreuz wurden die Aktivitäten auf Null gefahren und anstatt der gestrichenen Gruppenstunden wurden für die Kids Pakete geschnürt. Bis nach den Sommerferien sollen die Aktivitäten der Jugend weiter ruhen.

Keiner ist abgesprungen

Schluck und Sieber machten sich Sorgen, dass in der langen untätigen Zeit Leute abspringen würden. Diese Sorge war unbegründet, wie sich nun herausstellen sollte. „Alle sind wieder an Bord“, sagt Schluck freudestrahlend.

„Die Patienten sind sehr dankbar“: Geislinger Rotkreuz-Truppe darf wieder helfen

© Rosalinde Conzelmann

Die DRK-Fahrzeuge stehen wieder für Einsätze bereit.

Für ihn und Sieber war es ein Freudentag, als der DRK-Kreisverband Zollernalb Mitte Juni bekannt gab, dass die HVO-Gruppen aus den Bereitschaften im Zollernalbkreis wieder Einsätze fahren dürfen. In den 14 Jahren, seit es die Geislinger HVO-Gruppe gibt, war dies der erste Stillstand.

Aufgrund der zurückgehenden Coronazahlen hatten Markus Maute und Heike Rau von der Kreisbereitschaftsleitung eine Gefährdungsanalyse vorgenommen und für die Bereitschaften im Kreis ein Grundsatzpapier ausgearbeitet als Regelwerk für die künftigen Einsätze.

In zwei Tagen fünf Einsätze

Allein in den ersten fünf Tagen nach der Freigabe fuhr die Geislinger HVO-Gruppe fünf Einsätze, die sich in den vergangenen 14 Tagen auf 15 summierten.

Ob am Jahresende eine „Corona-Delle“ festzustellen ist, wird sich erst zeigen. Im vergangenen Jahr absolvierten die 14 Ersthelfer mit ihrem Leiter 455 Einsätze. Stand 30. Juni sind es 231 Einsätze.

Die Ersthelfer dürfen zwar wieder fahren, das heißt aber nicht, dass sie zur Normalität zurückgekehrt sind. „Der erste Einsatz war schon komisch“, erzählt Christian Sieber.

Es ist anders als vorher

Denn die Hygienevorschriften zum Schutz der Helfer sind sehr streng und der Ablauf eines Einsatzes deshalb anders. „Vor Corona konnten wir sofort helfen, jetzt müssen wir in Schutzkleidung agieren, was völlig ungewohnt ist“, gibt Sieber seinen Eindruck wieder.

Außerdem dürfen die Retter nicht mehr direkt mit dem eigenen Auto an den Einsatzort fahren, sondern müssen erst ins DRK-Haus, wo der Q5, der mit allem notwendigen Schutzmaterial ausgestattet ist, bereitsteht.

Vor jedem Einsatz startet die Leitstelle eine Corona-Abfrage. „Wir werden nur bei coronafreien Patienten alarmiert“, sagt Schluck. Und: Die Einsätze erfolgen auf freiwilliger Basis. „Keiner muss raus, der sich um seine Gesundheit sorgt“, betonen Sieber und Schluck.

Die Patienten sind sehr dankbar

Bei allem Neuem und Ungewohnten ist eines gleich geblieben. „Unsere Patienten sind sehr dankbar“, erzählt Schluck. Diese Anerkennung ihrer freiwilligen Arbeit ist das größte Geschenk für die Helfer. „Das DRK war nicht vergessen“, meint Schluck. Die Wertschätzung drücke sich auch in Spenden aus, die der Ortsverein für seine Arbeit einsetze.

Denn während die Sanitätsdienste beispielsweise beim VR-Halbmarathon und die Aufwandsentschädigungen für Kurse und Dienste wegfallen, laufen die Unkosten für das Gebäude weiter.

Es gibt wieder Erste-Hilfe-Kurse

Seit dem 15. Juni darf die DRK-Bereitschaft auch wieder Erste-Hilfe-Kurse anbieten. Das DRK-Haus ist geräumig genug, um die Abstände einzuhalten. „Wir haben genug Platz“, sagt Sieber.

„Die Patienten sind sehr dankbar“: Geislinger Rotkreuz-Truppe darf wieder helfen

© Rosalinde Conzelmann

Die Geislinger DRK-Truppe erfährt eine große Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung.

Weil der Andrang riesig ist, findet alle zwei Wochen ein Kurs statt, der vor allem von Fahrschülern besucht wird. Die Hauptversammlung mit normalerweise 70 bis 80 Leuten wurde dagegen gestrichen, um keinen zu gefährden.

„Unsere Mitglieder sind motiviert und freuen sich, dass es wieder weitergeht, wenngleich auf Sparflamme“, beschreibt Schluck die Stimmung im Verein. Ziel sei es, schrittweise wieder in die Normalität zurückzukehren. Sein Fazit: „Bis jetzt haben wir Corona in Geislingen gut überstanden.“

Der Respekt ist da

Dennoch sei man natürlich nicht gefeit vor einer möglichen zweiten Welle. „Wir haben schon Respekt vor dieser Pandemie“, ergänzt Sieber. Aus diesem Grund nehmen er und seine Helfer es sehr ernst mit den Schutzmaßnahmen.

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