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Albstadt

Die Arbeit des einstigen Jungfrauen-Vereins Tailfingen strahlt bis in die heutige Zeit aus

02.06.2019

von Vera Bender

Die Arbeit des einstigen Jungfrauen-Vereins Tailfingen strahlt bis in die heutige Zeit aus

© Privat

Altes Bild aus analogen Zeiten: Es zeigt den evangelischen Jungfrauenverein im 1997.

Annemarie Alber hat noch viele alte Dokumente in ihrem Besitz: das Kassenbuch, die Satzungen von „Jungfrauen-Verein“ und „Mädchenkreis“ als eingetragene Vereine, Zeitungsberichte, Tagebuch und vieles mehr. Die 89-jährige Diakonin aus Tailfingen war selbst einst im Mädchenkreis aktiv und hat den „Frauenkreis Stadtmitte“ als Nachfolgegruppe bis vor zwei Jahren geleitet. Dann hat er sich aufgelöst.

Viel wichtiger als die historischen Dokumente sind aber die Erinnerungen an eine sehr schöne und auch bewegende Zeit. Gegründet wurde der „Jungfrauen-Verein“ bereits im Jahr 1858. In der sogenannten „Mädlestunde“ wollte man die Mädchen in der Zeit nach der Konfirmation zu einer Gemeinschaft zusammenbringen und im Glauben stärken, erläutert Annemarie Alber. Die Jungen kamen in der „Männerstunde“ zusammen, aus denen sich später der CVJM, der „Christliche Verein junger Männer“ oder heute der „Christliche Verein junger Menschen“, entwickelte.

Die Arbeit des einstigen Jungfrauen-Vereins Tailfingen strahlt bis in die heutige Zeit aus

© Privat

Annemarie Alber, ehemalige Diakonin der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen leitete bis zum Schluss den Frauenkreis, der aus dem Jungfrauen-Verein hervorging.

Doch zurück zu den Mädchen. Diese Ledigen fanden sich zunächst in Privathäusern und später in einem Raum der Fröbelschule zusammen, wie aus einem Bericht von Maria Weegen hervorgeht. Im Jahr 1919 hatte Barbara Merz die Leitung inne. Und da die jungen Frauen in der Regel als Fabrikarbeiterinnen selbst Geld verdienten, sollten Spenden einen finanziellen Grundstock zum Bau eines eigenen Hauses bilden. Doch es sollte anders kommen. Denn im Dritten Reich wurde der „Jungfrauen-Verein“ verboten. Das Geld der jungen Frauen floss deshalb an die Evangelische Kirchengemeinde Tailfingen, welche im Jahr 1938 das Gemeindehaus in der Moltkestraße erbaute.

Die Satzung stammt aus dem Jahre 1937

Die Finanzspritze bewirkte, dass der „Jungfrauen-Verein“ nun ein Heimatrecht im Gemeindehaus besaß. Ein Saal im Erdgeschoss wurde gar dem „Mädchenkreis“ gewidmet. So nannte sich der „Jungfrauen-Verein“ nämlich später. Die Satzung des Mädchenkreises stammt aus dem Jahr 1937. Regelmäßig waren Vertreter des Mädchenwerks Stuttgart, heute Jugendwerk, zu Besuch im Mädchenkreis in Tailfingen, berichtet Annemarie Alber. Hier wurde übrigens mittels Tagebuch genau dokumentiert, wie die wöchentlichen Gemeinschaftsstunden abliefen.

Die Arbeit des einstigen Jungfrauen-Vereins Tailfingen strahlt bis in die heutige Zeit aus

© Privat

Historische Dokumente über die besondere Frauen-Gemeinschaft.

„Es gab immer einen Impuls, eine Andacht oder eine Bibelarbeit. Das hat dazu gehört. Genauso wie das Gebet und das Singen“, erinnert sich Annemarie Alber. Sie selbst hat von Maria Maute im Jahr 1961 die Leitung des Frauenkreises, der wiederum ein Nachfolger des Mädchenkreises war, da die Mädchen eben nun älter waren, übernommen. Die Diakonin mit Ausbildung für Jugendarbeit und Religionsunterricht erinnert sich gerne an die schönen Ausflüge, bei denen in der Regel auch die jeweiligen Pfarrer mit dabei waren. „Pfarrer Adolf Keller hat gut gesungen und wir haben viel gesungen. Das war eine Freude für alle“, schwelgt Annemarie Alber in Erinnerungen und fügt hinzu: „Das war mein Leben. Im Tailfinger Gemeindehaus war meine Heimat.“

Eingeschränkter Ruhestand

Lange Zeit versammelten sich 40 Frauen abends und später, als sie nicht mehr berufstätig waren, nachmittags. Es wurden nach und nach weitere Frauenkreise in Tailfingen gegründet. Aber der „Frauenkreis Stadtmitte“ war definitiv der älteste, da er ja aus dem „Jungfrauen-Verein“ hervorging.

Doch im Jahr 2017 beschlossen die verbliebenen sechs Teilnehmerinnen, altershalber aufzuhören. Dennoch lädt Annemarie Alber an jedem ersten Montag im Monat in ihr Privathaus zur Zusammenkunft ein. Als sie 1991 in Ruhestand ging, hatten die Damen ihr nämlich mit auf den Weg gegeben, dass sie ihr durchaus den Ruhestand gönnen – solange sie weiter den Frauenkreis leite.

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