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Albstadt

Die Albstädterin Lotte Horn erzählt von Erlebnissen, die in keinem Reiseführer stehen

26.08.2019

Von Dagmar Stuhrmann

Die Albstädterin Lotte Horn erzählt von Erlebnissen, die in keinem Reiseführer stehen

© Dagmar Stuhrmann

Reisenotizen: Lotte Horn mit ihrem neuen Buch.

Lotte Horn aus Truchtelfingen hat ihre Notizen aus drei Jahrzehnten in einem 133 Seiten dicken Buch zusammengefasst.

Lotte Horn hat es schon immer in die Ferne gezogen: Bereits in der Zeit, als die heute 75-Jährige noch mitten im Berufsleben stand und als Physiotherapeutin arbeitete, reiste sie in ihrer Freizeit in aller Herren Länder.

Verborgene Winkel der Welt erkundet

Das Unbekannte lockte: Sie war mehrfach in Tibet, war in Kenia, Südafrika, erkundete die Halbinsel Kamtschatka und die Spiti-Region im indischen Himalaya. Auf ihren Touren hat sie nicht nur viele verborgene Winkel dieser Welt gesehen, sondern auch die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt.

Dass sie dabei feststellen konnte, dass man sich auch ohne gemeinsame Sprache verstehen kann, wertet sie als wichtige Erkenntnis.

Unwiederbringliche Eindrücke

Ihr neues Buch mit dem Titel „Reisenotizen – Von Tibet bis nach Gambia“ (Rediroma-Verlag, Remscheid) soll kein Reiseführer sein. „Ich schildere meine persönlichen Erlebnisse rund um den Globus“, erzählt Lotte Horn.

Schwerpunkte sind der Jemen und Tibet

Viel Raum nimmt dabei der Jemen ein. „Die Eindrücke von vor dem verheerenden, alles vernichtenden Krieg sind unwiederbringlich.“ Auch ihren Erinnerungen an Tibet räumt Lotte Horn viel Platz ein. Tibet werde deutlich mit chinesischer Lebensart durchsetzt, sagt sie.

In Europa war sie mit dem Campingbus unterwegs

„Innerhalb von Europa war ich immer in einem kleinen Campingbus unterwegs“, berichtet Lotte Horn. Das hatte den großen Vorteil, unabhängig zu sein und die Route ganz nach Laune, Wetter und Empfehlungen kurzfristig ändern zu können.

Rückblick auf Ferien in der Bretagne

Eine ihrer Reisen führte sie in die Bretagne. „An der französischen Atlantikküste war mir der Einkaufsbummel über den Markt ein tägliches Vergnügen“, schreibt Lotte Horn in ihren Notizen. „Die Fischhalle von La Trinité sur Mer war ein Traum für jeden Liebhaber von Meeresfrüchten, nur gab es da die Qual der Wahl!“ Die einheimischen Frauen halfen der Touristin aus Deutschland gern.

Einkaufstipps von Einheimischen

Mit mehreren Französinnen, die ihr Tipps für die Zubereitung von Fisch gaben und sogar mit ihr zusammen einkaufen gingen, entwickelte sich rasch „so etwas wie Freundschaft“, sagt Lotte Horn.

„Beim Waschen von Miesmuscheln im Küchenhaus eines Campingplatzes boten mir Holländerinnen ‚Pannekoeken‘ an, lecker duftend und genauso schmeckend. Im Gegenzug bekamen sie von mir die besten Muschelrezepte. In den Küchen- und Waschhäusern kam manch nettes Gespräch auf, völkerverbindend und vorurteilsfrei.“

Was vom Reisen bleibt

Es sind diese kleinen Erlebnisse am Rande, die Lotte Horn nie vergessen wird. Natürlich hat sie sich auf ihren Reisen auch die jeweiligen Touristenattraktionen angeschaut, doch sie stehen für sie nicht im Mittelpunkt ihrer Erinnerungen. „Ich habe in meinem Buch das beschrieben, was mir von all den Reisen geblieben ist“, sagt sie. Und das sei die Begegnung mit Menschen, die in den unterschiedlichsten Lebenswelten zurechtkommen (müssen) und dabei sehr oft eine bewundernswerte Stärke besitzen.

„Ich möchte selbst entdecken“

„Ich möchte selbst entdecken und nichts gezeigt bekommen“, beschreibt die gebürtige Heidenheimerin, die seit vielen Jahren in Albstadt lebt, den Reiz ihrer Reisen. Dabei bediente sie sich eines ganz besonderen „Türöffners“: „Ich hatte immer Seifenblasen in meinem Rucksack“, sagt sie lachend. „Die haben mir oft geholfen, mit eher scheuen, zurückhaltenden Menschen in Kontakt zu kommen.“

Seifenblasen als Türöffner

War es bei ihrem ersten, 2016 entstandenen Reisetagebuch „Tuva – zwischen den Welten“ noch der Wunsch, eine Lücke im Bereich Reiseliteratur zu füllen – es gab einfach keinen Reiseführer über Tuva –, der Lotte Horn veranlasste, selbst tätig zu werden, hat sie nun andere Gründe, ihre Reiseerinnerungen in Wort und Bild festzuhalten und Interessierten zugänglich zu machen.

Andere sollen am Erlebten teilhaben

„Seit zehn Jahren kann ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen“, sagt sie bedauernd. Die Erinnerungen an vergangene Reisen sind jedoch stets präsent. Lotte Horn hat sie aufgeschrieben, um andere an dem Erlebten teilhaben zu lassen. Die kalte Jahreszeit verbringt sie regelmäßig auf den Kanaren.

Ein halbes Jahr Arbeit an dem Buch

Die entspannte Atmosphäre dort und die ruhigen Stunden am Abend nutzte sie, ihr Buch zu schreiben. „Ich habe ein halbes Jahr lang daran gearbeitet, immer, wenn ich Zeit und Muse hatte“, sagt sie. Auch die Fotos stammen von Lotte Horn. Da die meisten noch nicht digital aufgenommen wurden, musste sie sie einscannen, um sie für das Buch nutzen zu können.

Kein chronologischer Aufbau

Die Mühe hat sich gelohnt. Das Buch folgt weder einer Chronologie noch hat es den Anspruch auf Vollständigkeit. „Es gibt wieder, was für mich wichtig ist.“ Auf all ihren Reisen hat sich Lotte Horn den Blick der Beobachterin bewahrt.

Stets mit einer Prise Humor

Sie beschreibt, stets mit einer Prise Humor, Alltägliches und Besonderes und gibt nebenbei auch Denkanstöße zu Themen wie Umweltschutz und Müllentsorgung. Zum Schmunzeln sind ihre Berichte über landestypische Essgewohnheiten, beispielsweise im Jemen, wo Tische unbekannt sind und wo es üblich ist, mit der Hand aus einer großen Pfanne zu essen.

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