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Hechingen

Der große zeitgenössische Künstler Heribert C. Ottersbach zeigt seine Werke in Hechingen

09.09.2019

von Diana Maute

Der große zeitgenössische Künstler Heribert C. Ottersbach zeigt seine Werke in Hechingen

© Antonia Eggeling, Beck & E

Am Sonntag wird „Alles nur Tapete“ von Heribert C. Ottersbach im Weißen Häusle und in der Villa Eugenia eröffnet.

Der Kunstverein Hechingen lädt zur Schau des Jahres. Ausgestellt wird sowohl im Weißen Häusle als auch in der Villa Eugenia.

Es ist mittlerweile ein fest etabliertes kulturelles Glanzlicht im Fürstengarten: Einmal im Jahr würdigt der Kunstverein Hechingen einen zeitgenössischen Künstler mit einer Doppelausstellung in den Räumen der Villa Eugenia und im Weißen Häusle. In diesem Jahr ist dem Verein ein ganz besonderer Coup gelungen: Mit Heribert C. Ottersbach wird ein Maler vertreten sein, der in der Folgegeneration von Gerhard Richter, Georg Baselitz und Jörg Immendorf zu den bekanntesten deutschen Künstlern zählt.

„Alles nur Tapete“

So lautet der Titel der Schau mit Werken von Heribert C. Ottersbach, die – so ist zu erwarten – zahlreiche Kunstliebhaber aus nah und fern in die Zollernstadt locken wird. Ein wahrlich besonderes Ereignis, das der Hechinger Kunstverein eigentlich schon im Jahr 2016 realisieren wollte. Ein Brand im Weißen Häusle machte die Pläne damals allerdings zunichte. Nun, drei Jahre später, kann das Verpasste endlich nachgeholt werden.

Furore in der Kunstwelt

Wer ist der Mann, der in der Kunstwelt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten für Furore gesorgt hat und noch immer sorgt? Heribert C. Ottersbach erblickte 1960 in Köln das Licht der Welt und machte in seiner Geburtsstadt auch die ersten Schritte in seine künstlerische Zukunft. An der Fachhochschule und der Universität Köln studierte er Kunst, Philosophie und Germanistik und richtete sich noch zu Studienzeiten sein erstes Atelier in der Kölner Stollwerck-Fabrik ein.

Der große zeitgenössische Künstler Heribert C. Ottersbach zeigt seine Werke in Hechingen

© Katalog

Eher düster ist die Stimmung bei den neuen Werken von Heribert C. Ottersbach („Låktatjåkka“, Acyl auf Leinand, 2019).

Seine in Werkzusammenhängen angelegte Malerei befasst sich seit Mitte der 1990er-Jahre eingehend mit der Moderne. Dabei setzt sich Ottersbach – wie nur wenige zeitgenössische Künstler – konsequent mit dem Universum der technischen Bilder auseinander und ergründet mit den Mitteln der Malerei das Verhältnis seiner Generation zur ihrer Zeit.

Reflexion ist ihm wichtig

Malerei selbst ist für ihn immer auch Reflexion über Malerei und ihre Positionierung im gegenwärtigen Kunstbetrieb. So entstanden in den letzten Jahren Geländebilder, Gebäudeansichten, Stillleben, Fakes und anderes scheinbar Banales. Recherchen bezüglich verschiedener Bildtypologien und Genres, aber auch Aspekte von persönlicher Identität standen im Vordergrund.

In Gesellschaft mit New York und Paris

„Einer Schraube gleich drehe ich mich in die Dinge des Interesses. Ich vermute ein Ende des Gewindes. Ich weiß nichts darüber“, schrieb er kürzlich. Seine Bilder und Zeichnungen sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten, unter anderem in der Sammlung Frieder Burda, dem Museum of Modern Art in New York, dem Museum Ludwig in Köln und dem Centre Pompidou in Paris.

Fotorealistische Verfremdungen

In seinen Arbeiten, fotorealistisch verfremdeten Bildwelten, fragt Heribert C. Ottersbach immer wieder nach dem Verhältnis von realem Objekt und subjektiver Wahrnehmung und – damit zusammenhängend – nach der Aufgabe von Kunst und Künstler im Kontext der Gesellschaft. Charakteristisch für seine Werke ist eine außergewöhnliche Dichte, die den Betrachter in ihrer Vielschichtigkeit auf besondere Weise anzieht.

In Schweden und in Leipzig zu Hause

Ottersbach, dessen Nachfolge auf den Leipziger Lehrstuhl Neo Rauchs 2009 für Schlagzeilen sorgte, ist unter anderem Träger des Kunstpreises der Stadt Darmstadt. Er lebt und arbeitet im schwedischen Sörmland und in Leipzig.

Zwölf Jahre ist es her, dass Heribert C. Ottersbach zum letzten Mal mit seinen Arbeiten in der Region vertreten war – damals mit einer von Götz Adriani kuratierten Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen.

Auch banale Architektur

In Hechingen werden Bilder der letzten Jahre zu sehen sein, die ohne ersichtlichen Bezug zueinander auskommen: Stillleben, gemalte Signaturen, banale Architektur. Die Schau vermittelt Ottersbachs Haltung zu einem durchökonomisierten Kunstbetrieb, der sich scheinbar selbst mittlerweile für die Kunst hält. 2016 war dies bereits Thema seiner Ausstellungen „Das erste Mal“ und „Umständehalber abzugeben.“ In den „Geländebildern“ der jüngeren Zeit setzt sich dies fort. In Hechingen werden Arbeiten aus allen genannten Zusammenhängen gezeigt.

Zweimal Eröffnung

Zwei Vernissagen Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 15. September, um 14 Uhr mit einer Vernissage in der Villa Eugenia und um 15 Uhr im Weißen Häusle. Der Kunsthistoriker Clemens Ottnad wird mit Heribert C. Ottersbach in die Ausstellung einführen. Im Anschluss an die Eröffnung besteht die Möglichkeit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. Samstag/Sonntag Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Katalog

Zur Ausstellung in Hechingen erscheint in Kooperation mit der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling die Publikation „Heribert C. Ottersbach – Identität und Gelände“ mit einem Text des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich.

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