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Streichen

Der Pfingstbutz geht um: Streichener Wanderer trotzten dem Regen

10.06.2019

Von Dennis Breisinger

Der Pfingstbutz geht um: Streichener Wanderer trotzten dem Regen

© Dennis Breisinger

Zahlreiche Wanderer machten sich am Pfingstmontag auf zu traditionellen Ortswanderung rund um Streichen.

Graue Wolken? Ein paar Tropfen? Das konnte die Streichener nicht davon abhalten, die Wanderstiefel zu schnüren und sich auf ihre traditionelle Pfingstwanderung zu machen. Ein ebenso historischer Weggefährte dabei: Der Pfingstbutz.

Trotz einer ungewissen Wetterlage war die Teilnahme auch bei der zwölften Auflage der Streichener Ortswanderung am Pfingstmontag wieder äußerst rege. „Das Wetter und die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, aber beim Wetter besteht die Hoffnung, dass es besser wird“, nahm der ehemalige Zillhausener Ortsvorsteher und Wanderführer Matthias Rädle die Sache mit Humor, bis auf einen kleinen Schauer sollte das Wetter im Verlauf des Pfingstmontagvormittags dann auch halten.

Wandern, lauschen, staunen

Rädle führte die große Wandergrupe mit Sach- und Fachverstand und garnierte die Strecke mit Anekdoten, Zitaten, Geschichten und Gedichten. Los ging es am Rathaus, das bis Ende des 19 Jahrhunderts als Armenhaus fungierte und bis dahin meistens überbelegt war. Weiter ging es zur Streichener Kirche, deren Vorläufer 1911 während eines Erdbebens zerstört wurde. Im Anschluss zeigte sich, warum das Bergdorf Streichen scherzhaft als „Tirol Balingens“ bezeichnet wird, denn durch den Ortskern ging es steil bergauf zum Friedhof, der erst 1834 angelegt wurde, zuvor wurden die Streichener entweder in Burgfelden oder Zillhausen beerdigt.

Schnecken, die Austern der Alb

Rädle verwies auch auf das Hinweisschild für den Schneckengarten ganz in der Nähe. „Schnecken waren früher die schwäbischen Austern, der Jahresertrag in Streichen belief sich auf zwei bis drei Zentner“, wusste Rädle. Auf Waldwegen ging es weiterhin bergauf zur von jedem Streichener bestens bekannten ungefähr 200 Jahre alten Fichte namens „Rottanne“. „Solche Bäume können bis zu 600 Jahre alt werden“, gab Rädle bekannt. Als nächstes wurde das 1939 entstandene rund 128 Hektar große Naturschutzgebiet Irrenberg/Hunsrücken angelaufen, auf dem sich viele Insekten, Schmetterlinge und diverse Vogelarten tummeln.

Das Tirol Balingens macht seinem Namen alle Ehre

Rädle erwähnte auch den oberhalb des Naturschutzgebiets liegenden Zitterhof, dessen Name auf das erdbebengefährdete Gebiet rund um den Zollerngraben zurückzuführen ist. Vorbei ging es am stark ansteigenden, beschwerlichen Crise Wegle der alternativ auch als Chrisie-Wegle bezeichnet wird, den die Marktfrauen einst gehen mussten, um ihre Waren in Albstadt und Onstmettingen feil zu bieten zum „Galgenweg“, der auf ein sehr frühes Hochgericht hinweist.

Der Pfingstbutz geht um: Streichener Wanderer trotzten dem Regen

© Dennis Breisinger

Der Wanderführer Matthias Rädle unterhielt unterwegs mit Anekdoten und Geschichten.

Kurz vor dem Ziel, dem Modellflugplatz Zillhausen, wurde Station am Wildbienenhotel der Modellfliegergruppe (MFG) Zillhausen gemacht, mit dessen Bau die MFG zeigen möchte, dass Modellflug und Naturschutz in Einklang stehen können. Am Modelflugplatz hatten die Mitglieder des Zillhausener Fördervereins und der Streichener Ortsgruppe einen Verpflegungsstand aufgebaut und die Mitglieder des 1955 gegründeten 117 Mitglieder umfassenden MFG Zillhausen unter ihrem Vorsitzenden Walter Vollmer warteten ebenfalls schon, um im Rahmen einer kleinen, von Vollmer moderierten Flugshow, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Deutscher Juniorenmeister zeigt sein fliegerisches Können

Den Anfang machte der Deutsche Juniorenmeister Manuel Meier mit seinem Segelflieger, ehe im weiteren Verlauf die Vereinsmitglieder mit ihren Motor- und Elektrofliegern sich ebenfalls präsentieren durften. Nach ausreichender Stärkung ging es in Eigenregie auf dem Rückweg zum Streichener Rathaus, vor dem es erneut Speis und Trank gab. Ebenfalls in Streichen unterwegs war auch an diesem Pfingstmontag wieder die Dorfjugend mit ihrem traditionellen Pfingstbutz, der jedes Jahr durch den Ort getragen wird.

Der Pfingstbutz geht um: Streichener Wanderer trotzten dem Regen

© Dennis Breisinger

Die Streichener Jugend geht mit dem Pfingstbutz von Haus zu Haus.

Bei jedem Halt ruft ein Jung-Streichener: „Pfingstbutz bin ich genannt, Eier und Schmalz sind mir wohlbekannt, Weißmehl schlage ich auch nicht aus, meine Kameraden und ich backen Dörsche draus“. Mit Körben ging die Dorfjugend von Haus zu Haus und bat um eine Spende.

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