Bisingen

Der Grasfrosch ist zurück: Wie ein sanierter Teich im Bisinger Wald zum Ökosystem beiträgt

11.06.2024

Von Olga Haug

Der Grasfrosch ist zurück: Wie ein sanierter Teich im Bisinger Wald zum Ökosystem beiträgt

© Olga Haug

Der Grasfrosch kann sich im Bisinger Wald wieder verbreiten.

Eine Keimzelle für ein funktionierendes Ökosystem: So kann der Teich bezeichnet werden, der im Bisinger Gewann Ludenstall saniert wurde. Dank eines engagierten Teams können hier der Grasfrosch und seine Artgenossen wieder laichen.

Umgeben von saftigem Grün liegt in der Stille der Natur ein großer Teich abseits von viel bewanderten Pfaden. Rund 600 Meter vom Bisinger KZ-Friedhof entfernt befindet sich im Ludenstall-Gewann das Biotop, in dem dieses Jahr erstmals wieder ein Grasfrosch gelaicht hat.

Laichplätze für Erdkröte und Grasfrosch schaffen

Sein neu erschlossenes Habitat hat der gelbbraune Waldbewohner einem engagierten Team zu verdanken, das im vergangenen Jahr dem Tümpel seine ursprüngliche ökologische Funktion wiedergegeben hat: David Wiesenberger, Landschaftspfleger am Landratsamt Zollernalbkreis, koordiniert das vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) initiierte Projekt „220 Amphibiengewässer“. Mit dem Projekt sollen Laichplätze für ehemals häufige Amphibienarten wie beispielsweise Erdkröte und Grasfrosch geschaffen werden. Dafür werden ungeeignet gewordene Gewässer saniert, um die heimischen Amphibienbestände zu schützen und dem Artensterben vor der eigenen Haustür entgegenzuwirken, beschreibt der BUND den Kern des Projekts.

Der Grasfrosch ist zurück: Wie ein sanierter Teich im Bisinger Wald zum Ökosystem beiträgt

© Olga Haug

Der sanierte Teich im Bisinger Wald ist der perfekte Ort für Amphibien.

Um dies erreichen zu können, müssen erfahrene und vor allem engagierte Partner ins Boot geholt werden. In Bisingen sind das Margit und Michael Reber, die nicht nur einen Forst- und Gartenbetrieb in Wessingen haben, sondern vor allem auch Erfahrung: „Wir haben mit der Firma Reber bereits bei einem sehr ähnlichen Projekt im Thanheimer Gewann Küfersweiher sehr gut zusammengearbeitet“, sagt der ehemalige Revierförster Wilhelm Grundler, der den Bisinger Wald so gut kennt wie kein anderer.

Bei einer Teichsanierung muss mit System vorgegangen werden

Vor rund einem Jahr bot sich den Rebers hier ein Bild, das keinesfalls einen Tümpel unter dem zugewachsenen Gehölz vermuten ließ. Der erste Arbeitsschritt bestand also darin, zu schwerem Gerät zu greifen und die Fläche freizuschneiden – aber mit Bedacht. „Alles platt zu machen, ist keine große Kunst“, sagt Michael Reber. Bei einer Teichsanierung muss mit System vorgegangen werden. Einige Pflanzenarten haben durchaus ihre Berechtigung hier und müssen stehengelassen werden. So etwa die Sumpfdotterblume, Baldrian, die Tollkirsche oder kleine gebietsheimische Baumarten.

Der Grasfrosch ist zurück: Wie ein sanierter Teich im Bisinger Wald zum Ökosystem beiträgt

© Reber

Mit der Motorsäge machte sich Margit Reber daran, die Fläche am Teich freizuschneiden.

Was aber definitiv fallen musste, waren die standortfremden Pappeln. Doch wie kommen sie hierher, wenn sie doch standortfremd sind? „In den 50er-Jahren gab es eine Pappelwelle“, erklärt der ehemalige Revierförster Grundler. Es gab einen regelrechten Hype um diese Holzart, vor allem in der Möbelindustrie. Die Bäume wurden überall dort gepflanzt, wo es feucht war. „Doch um das Drumherum hat man sich keinen Kopf gemacht“, betont Grundler. Die Pappel passt weder ins heimische Klima, noch unterstützt sie die hiesige Flora und Fauna. Aber das größte Problem: Sie entzieht den Flächen Wasser, so auch dem Tümpel.

Gewässer wuchs nach und nach zu

Hinzu kam eine jahrzehntelange Vernachlässigung: Nachdem das Waldgebiet in den 40er-Jahren neu verpachtet wurde, wuchs der Tümpel, der in den 70er-Jahren von Jägern angelegt wurde, nach und nach zu. Das Ergebnis: das Gewässer verschlammte und verlandete zunehmend – wurde also sukzessive wieder zu Land. Amphibien hatten hier keine Chance mehr.

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Kaulquappen entdeckt: Margit Reber, Landschaftspfleger David Wiesenberger und Michael Reber freuen sich, dass sich am und im sanierten Teich wieder Amphibien ansiedeln.

© Olga Haug

Margit und Michael Reber stecken viel Herzblut in das Projekt: Sie haben in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt einen Tümpel im Bisinger Gewann Ludenstall saniert.

© Olga Haug

Im Herbst 2022 legten die Rebers hier erstmals Hand an. Die Sanierung des Teichs ist nun abgeschlossen, was bleibt, ist die Landschaftspflege. Auch hierfür sind die Rebers zuständig. „Wir haben den ökologischen Kreislauf angestoßen, den Rest macht die Natur“, sagt Margit Reber, die fasziniert ist von dem, was sie und ihr Mann in Zusammenarbeit mit Wiesenberger und Grundler geschaffen haben: eine Keimzelle für ein funktionierendes Ökosystem.

Kleingewässer für Gelbbauchunke

Denn nicht allein der Grasfrosch kann hier wieder Fuß fassen und seine Population sichern, auch jegliche Insektenarten oder Ringelnattern profitieren von der Sanierung. Ein oft gesehener Gast am Rande des Tümpels ist ebenso der Reiher. Mit strahlenden Augen erzählt Margit Reber von ihrer Arbeit hier. Ihr Herz geht ihr vor allem auch deshalb auf, weil die Rebers neben dem eigentlichen Teich mit minimalen Grabungen noch drei Kleingewässer geschaffen haben, die für eine Art von großer Bedeutung ist: für die Gelbbauchunke.

Gelbbauchunke stark gefährdet

Die Gelbbauchunke ist in Deutschland stark gefährdet – hauptsächlich durch den Verlust geeigneter Laichgewässer. Die Gelbbauchunke ist auf Kleingewässer angewiesen, die auch mal austrocknen können, denn die Unke laicht mehrmals im Jahr. Gesichtet wurde sie im Ludenstall noch nicht. Die Verantwortlichen sind jedoch guter Dinge, dass sie es ihrem Artgenossen, dem Grasfrosch, gleichtun wird.

Projekt „220 Amphibiengewässer“

Insgesamt 220 Gewässer in ganz Baden-Württemberg sollen im Rahmen des zweijährigen Projektes wieder amphibienfreundlich gestaltet werden, möglichst fünf in jedem der 35 Land- und neun Stadtkreise, schreibt der BUND.

Im Zollernalbkreis sollen insgesamt 25 Gewässer saniert werden. Drei davon, darunter der Teich in Bisingen, sind bereits abgeschlossen. Die restlichen folgen in den kommenden Jahren.

Wie der BUND schreibt, werden für die Finanzierung bestehende Förderprogramme des Landes, wie beispielsweise die Landschaftspflegerichtlinie, genutzt. So sollen die Weichen für eine langfristige Pflege und den dauerhaften Schutz der Amphibien im Land gestellt werden. Neben dem Ziel, 220 neue Gewässer zu schaffen, besteht ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts darin, einen landesweiten und langfristigen Aktionsplan Amphibienschutz (ApA) anzustoßen. Dazu gehört auch eine bessere lokale, regionale sowie landesweite Vernetzung der Amphibienschützer im Ehren- und Hauptamt.

Weitere Infos zum Projekt gibt es auf der Website von BUND Baden-Württemberg.

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