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Geislingen

„Das holen wir alles nach“: Stille in Erlaheimer Kulturscheune, Geschäftigkeit hinter Kulissen

14.05.2020

Von Rosalinde Conzelmann

„Das holen wir alles nach“: Stille in Erlaheimer Kulturscheune, Geschäftigkeit hinter Kulissen

© Privat

Da ahnte noch keiner, was Corona mit sich bringen wird: Tanja Then (links) und Andrea Reichler mit der Kabarettistin Rena Schwarz (hinten) im Januar beim Besuch der Internationalen Kulturbörse Freiburg.

Der Schnitt kam nach dem Fasnetskaffee: Seither sind die Stühle in der Erlaheimer Kulturscheune unbesetzt, die Bühne leer und die Macher des Kulturvereines H 15 plötzlich „arbeitslos“. Nach dem ersten Schockmoment ging es aber hinter den Kulissen weiter und alle freuen sich auf den Neubeginn der Erlaheimer Kultur in den einst bäuerlichen Mauern.

Dass sie sich beim Fasnetskaffee zum letzten Mal alle zusammen sehen würden, hätte Vereinschefin Uschi Haller im Februar nie und nimmer geglaubt. Wenige Wochen später wurde sie eines Besseren belehrt, als das Corona-Virus das öffentliche Leben lahmlegte und die Politik zum Handeln zwang.

Leibssle wurde als erster gestrichen

Die erste Veranstaltung, die der Pandemie zum Opfer fiel, war das schwäbische Kabarett mit Leibssle am 21. März. Eine Woche später wurde auch die Hauptversammlung abgesagt.

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Wir sind ein Verein und haben jetzt zwar keine Einnahmen, aber auch keinen finanziellen Verlust. Uschi Haller, Vereinschefin

Wir werden alles nachholen. H15-Vorsitzende Uschi Haller

Der Mundartabend mit Eckhard Grauer alias Leibssle wird am 29. Januar 2021 nachgeholt. Das freut Haller, denn nachdem die Rathäuser und Vorverkaufsstellen geschlossen waren, melden sich nun verstärkt Kartenbesitzer. „Die Karten behalten ihre Gültigkeit“, sagt die H15-Chefin. Wer sie zurückgeben möchte, sollte sich aber die Stelle wenden, wo er sie erworben hat, hat sie diese Bitte.

Es herrschte erst Funkstille

Nach der Schließung des Kulturbetriebes herrschte erst einmal Funkstille in den Reihen des Kulturvereins. „Wir sind heruntergefahren“, beschreibt Haller das Gefühl. Dann aber setzte schnell wieder geschäftiges Treiben im Hintergrund ein und die Mitglieder tauschten sich über eine Whats-App-Gruppe aus, was zu tun ist.

Viel Arbeit fürs Programmteam

Für die abgesagten Veranstaltungen mussten Kontakt mit den Künstlern aufgenommen und neue Termine gesucht werden. Diese Arbeit übernahm das Programmteam, dem Angelika Welte, Andrea Reichler, Tina Walter, Tanja Then, Bettina Walter, Melanie Bosch und Birgit Stehle angehören.

„Das holen wir alles nach“: Stille in Erlaheimer Kulturscheune, Geschäftigkeit hinter Kulissen

© roco

Das Erlaheimer Fasnetskaffee im Februar war die letzte Veranstaltung vor der Schließung der Kulturscheune. Corona war da noch ganz weit weg.

„Und wir haben natürlich schon vorgefühlt für neue Veranstaltungen“, sagt Uschi Haller, die bedauert, dass die Informationen von der Politik nur spärlich fließen. „Wir wissen von offizieller Seite nur, dass die Großveranstaltungen bis 31. August abgesagt sind“, meint sie.

Die Informationen, die sie bekommen würden, kämen von der Stadt. „Unser Bürgermeister und unser Ortsvorsteher leiten alle wichtige Infos sofort an uns weiter“, spricht sie beiden ein Lob aus.

Kein finanzieller Verlust

Generell trifft es die Erlaheimer Kulturscheune nicht so hart wie andere Kulturschaffende. „Wir sind ein Verein und haben jetzt zwar keine Einnahmen, aber auch keinen finanziellen Verlust“, klärt Haller auf. Dies sei alles verkraft- und verschmerzbar. Da die Scheune in städtischer Hand ist, fallen auch keine Pacht und weitere Unkosten an. Deshalb ist die Grundstimmung auch gut, betont Haller.

Team ist super flexibel

Sie und ihr Team hoffen, dass sie die Genusstour am 1. August durchführen können. Besonders aber liegt allen das Konzert mit dem Geislinger Virus-Sextett und Christa Bosch am Herzen, das auf den 12. September verschoben wurde. „Das wäre wirklich jammerschade, wenn wir es erneut absagen beziehungsweise verschieben müssten“, erklärt Uschi Haller.

110 Menschen haben Platz

Die Veranstaltungen im Oktober, November und Dezember sind gesetzt. Und nachdem heute von der Regierung angekündigt weitere Lockerungen ab Juni/Juli angekündigt werden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass es einen Kultur-Herbst geben wird – natürlich mit Einschränkungen. Wenn alle Plätze blegt sind, passen 110 Menschen in die Kulturscheune.

Die Kulturmacher rechnen mit allem und bekräftigen, dass sie super flexibel sind und reagieren werden.

Der Schreiner war da

Nach den ersten ruhigen Wochen kehrte im März kurzfristig Lebens ins Haus ein. Kassier Kurt Welte, der als Hauswart auch nach dem Rechten schaut, hat den Schreiner ins Gebäude gelassen, der eine neue Garderobe im Eingangsbereich installiert hat. Vom Ergebnis schickte er ein Foto in die Whats-App-Gruppe. Hallers Urteil: „Es ist echt toll geworden.“

Mitglieder putzen und räumen auf

Vor wenigen Tagen rückten dann die vereinseigenen Putztrupps mit je zwei Personen an, die sich die Küche und die Künstlerräume vorgenommen haben. Außerdem wurden Regale ausgeräumt, die Pflanzen gegossen und die abgelaufenen Getränke aussortiert.

Natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln, betont Haller, die sich freut, dass nun wieder alles picobello ist. Im laufenden Betrieb habe man dafür oft nicht die Zeit.

Neue Motivation fürs Team

Normalerweise treffen sich die Mitglieder einmal im Monat zu einer Sitzung. Auch die Geburtstage werden zusammen gefeiert. Das ist nun alles Corona zum Opfer gefallen. Umso mehr freuen sich alle das erste Wiedersehen. „Das holen wir alles nach“, sagt Haller lachend.

Sie ist überzeugt davon, dass die erzwungene Pause für das Team neue Motivation bringt: „Das puscht uns.“ Der Blick habe sich verändert: „Wir sind dankbar für das, was wir mit der Kulturscheune haben.“

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