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Rosenfeld

Das Plumpsklo soll endlich weg: Brittheimer Allerheiligenkirche wird aufgemöbelt

25.06.2019

Von Rosalinde Conzelmann

Das Plumpsklo soll endlich weg: Brittheimer Allerheiligenkirche wird aufgemöbelt

© Rosalinde Conzelmann

Diese Faltwand trennt das Kirchenschiff vom Gemeindehaus. Sie lässt sich nur noch schwer öffnen und schließen.

Nachdem der Kirchenbezirk nach mehrjährigen Verhandlungen sein Okay gegegeben hat, rückt die Umgestaltung und Modernisierung der Brittheimer Allerheiligenkirche in greifbare Nähe. Die Protestanten mit Pfarrer Sven Wegner-Denk wünschen sich, dass ihre Kirche im Dorf bleibt.

Im Jahr 2025 kann die Allerheiligenkirche ihren 500. Geburtstag feiern. Das schönste Geschenk für die Kirchengemeinde wäre, wenn die Baustelle bis dahin abgeschlossen ist.

Gemeindesaal wird angebaut

Das Gotteshaus wurde 1525 eingeweiht; 1861 erfolgte ein neugotischer Umbau und Mitte der 1960er-Jahre eine Modernisierung – dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend. Es wurde der Gemeindesaal angebaut, der durch eine Faltwand vom Kirchenschiff getrennt ist. So können bei größeren Veranstaltungen 50 weitere Plätze geschaffen werden, so dass insgesamt 170 zur Verfügung stehen.

Plumpsklo wie zu Omas Zeiten

Seither ist nicht mehr viel passiert und das sieht man insbesondere dem Gemeindehaus an. „Seit 25 Jahren gab es immer wieder Anläufe“, berichtet der Seelsorger. Vor allem aber haben viele frühere Besucher und Nutzer, wie die Jungschar, der Kirchenchor oder die Jugendlichen ihre Treffpunkte nach Bickelsberg verlagert. Das bedauert er.

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Das WC ist das größte Problem. Pfarrer Sven Wegner-Denk

Es geht hier nicht um goldene Wasserhähne. Pfarrer Sven Wegner-Denk

Der Grund dafür sind die sanitären Anlagen. „Das WC ist das größte Problem“, sagt Pfarrer Wegner-Denk. Es gibt nur eine Toilette und diese ist nicht an die Kanalisation angeschlossen. Es ist kaum vorstellbar, dass die Gläubigen auch heute noch ein Plumpsklo mit Klappe, Hebel und Wasserkrug benutzen müssen. Eine Gebrauchsanweisung hängt an der Tür.

Der Umbau zu einer Behindertentoilette und der Anschluss des Abwassers an die Kanalisation (das Waschbecken ist angeschlossen) sind nur ein Puzzlestein in der Sanierung. Auch das Dach muss ausgebessert werden, weil es reinregnet.

Die Stromkosten sind hoch

Das Gemeindehaus wird mit Elektroöfen beheizt, dafür berappt die Kirchengemeinde jährlich 3000 Euro. Die Kirchenbänke haben eine Unterbauheizung. Diese veraltete Technik soll komplett erneuert und eine neue Heizung eingebaut werden.

Weiter stehen auf der Sanierungsliste die Schaffung eines barrierefreien Zugangs – möglich wäre dies über einen Durchbruch der Friedhofsmauer – , die Erneuerung der Faltwand, die sich nur noch schwer öffnen und schließen lässt, die Erneuerung der Elektrik, Maler- und Putzarbeiten, der Austausch von Fenstern, der Einbau einer Teeküche und der Abbau der Großteil der Kirchenbänke, die durch Stühle ersetzt werden sollen.

Eine Nutzungerweiterung

Dabei geht es im Wesentlichen um eine Nutzungserweiterung, betont der Pfarrer. Alles sei notwendig und zum Teil auch längst überfällig: „Es geht hier nicht um goldene Wasserhähne.“ Er und die 260 Gemeindeglieder wünschen sich einen multifunktionalen Ort der Begegnung, einen Platz für die kirchliche Arbeit und einen Raum für die Gottesdienste in einem.

Vor allem aber wollen sie, dass ihr Kirchlein, dass ihnen am Herz liegt, auch künftig der Dorfmittelpunkt bleibt. Und dafür muss es nutzbar sein.

Da das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz steht, darf an den Außenwänden und der Kubatur nichts verändert werden. Die Modernisierung betrifft nur die Innenräume und die Außenanlage. Hier hat die Kirchengemeinde Spielraum.

450.000 Euro Gesamtkosten

Die landeskirchliche Bauberatung hat schon mal gerechnet und für die Sanierung 450.000 Euro veranschlagt. Davon muss die Kirchengemeinde 250.000 Euro selbst aufbringen. 140.000 Euro sind schon angespart, 110.000 Euro sollen über Spenden reinkommen. Es erging bereits ein Aufruf an örtliche und regionale Geschäftsleute. Die Sparkassenstiftung hat erst kürzlich 4000 Euro gespendet.

Fotostrecke
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Ein Teil der Bänke soll abgebaut werden.

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Über dem Altarraum tront die Orgel.

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Der Organist sieht über einen Spiegel ins Kircheninnere.

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Auf diese Treppe würden die Gläubigen gerne verzichten.

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Die Allerheiligenkirche wird versteckt von einem Baum.

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Der prächtige Baum ist ein Naturdenkmal

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Das Areal wird von der ehemaligen Friedhofsmauer umrahmt.

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Der Weg, den die Stadt jetzt gebaut hat, wird der Kirche zugeordnet.

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In den 1960ern wurde das Gemeindehaus angebaut.

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Die Mauer ist mit Efeu bewachsen.

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Das Plumpsklo.

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Pfarrer Sven Wegner-Denk im engen Flur.

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Es gibt noch eine Hürde, die die eigenständige Kirchengemeinde, die seit 1546 mit der Nachbargemeinde Bickelsberg einem Pfarramt zugeordnet ist, überwinden muss: Die Bausumme sollte eine halbe Million Euro nicht nicht übersteigen. Dann ginge das ganze (Genehmigungs)-Prozedere von vorne los.

Stand heute geht der Pfarrer aber davon aus, dass der oder die Architekt (in), der (die) noch diesen Sommer beauftragt wird, die Bausumme bestätigen wird. Er hofft sogar, dass vielleicht der eine oder andere Wunsch noch erfüllt werden kann. Bis Jahresende könnten dann die ersten Entwürfe vorliegen.

Für die Gläubigen, die sich mit viel Engagement und Herzblut einbringen, gibt es zum Jahresende noch einen großen Einschnitt: Am 1. Dezember 2019 startet die Verbundkirchengemeinde mit Bickelsberg. Außerdem stehen Kirchengemeinderatswahlen an.

Läuft alles wunschgemäß, kann das neue Gremium, für das noch Bewerber gesucht werden, diese erste große Aufgabe angehen. Wegner-Denk rechnet damit, dass frühestens im Sommer 2020 Baustart ist. Dann wäre es sogar wahrscheinlich, dass die Brittheimer ihr Kirchenjubiläum im neuen Ambiente feiern werden.

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