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Hechingen

Bildungslandschaft: Das neue Berufliche Schulzentrum Hechingen feiert fulminant seine Fusion

16.10.2019

von Melanie Steitz

Bildungslandschaft: Das neue Berufliche Schulzentrum Hechingen feiert fulminant seine Fusion

© Melanie Steitz

Friedensforscherin Merle Becker sprach über den Arbeitsmarkt der Millenials und Generation Z sowie die Aufgaben einer Schule.

Die Bildungseinrichtung hat sich für die Zukunft stark positioniert – und das liegt auch an den fleißigen Helfern, die den dafür Weg ebneten.

Wie auch bei der Wiedervereinigung vor 30 Jahren in Deutschland die Mauer fiel, so kippte 2019 nun auch symbolisch die „Mauer“ zwischen der Hechinger Kaufmännischen Schule in der Schloßackerstraße 82 und der Alice-Salomon- Schule, Am Schloßberg 7. Zum Glück verlief diese Aktion ohne einen Kalten Krieg, bemerkte die Referentin des Abends, Merle Becker, Moderatorin für soziale und nachhaltige Prozesse sowie Friedens- und Konfliktforscherin. Sie sah in der Fusion der beiden Einrichtungen zum neuen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) an den jeweils bestehenden Standorten in Hechingen eine große Chance für die Zukunft.

Festakt ist gut besucht

Rund 200 Gäste hatten sich für den fulminanten Festakt am Dienstagabend in der Stadthalle „Museum“ eingefunden. Die Jugendmusikschule Hechingen unterhielt mit Stücken wie „Which Is The Properest Day To Sing?“, „When The Saints Go Marching In“ oder „I Scream“. Die Moderatorin der Veranstaltung, Pamela Rosenhahn, führte informativ und unterhaltsam durch das Programm.

1700 Schüler

Zunächst begrüßte BSZ-Schulleiter Roland Plehn die Anwesenden. Er bedankte sich bei allen Mitstreitern, die den Weg für die Fusion der beiden Bildungseinrichtungen geebnet hatten. Die Zusammenarbeit mit ihnen mache Plehn Freude und Mut. Seit dem 11. September hat das neue Berufliche Schulzentrum seine Arbeit aufgenommen, um die rund 1700 Kinder und Jugendlichen im neuen Schuljahr hochwertig qualitativ zu unterrichten.

Lob vom Landrat

Erst etwa 13 Wochen ist es her, dass Landrat Günther-Martin Pauli an der Abschiedsfeier des einstigen Oberstudiendirektors der Alice-Salomon-Schule, Karl- Heinz Rauch, teilgenommen hatte. Nun war er wieder in Hechingen zu Gast, diesmal, um die Fusion mit den neuen BSZ-Führungskräften Plehn und Leonie Schneider-Loye, stellvertretende Schulleiterin, sowie den Gästen zu feiern. Der Landrat lobte die Wegbereiter der neuen Einrichtung. „Wir wären heute nicht hier, wenn nicht ein fleißiges Fusionsteam gearbeitet hätte“, sagte er.

Fusion sorgte auch für Bedenken

„Heute wollen wir nach vorne schauen“, so Pauli. Die neuen Strukturen sollen dazu dienen, dass das Berufliche Schulzentrum „zukunftsstark“ ist und die kommenden Herausforderungen anzupacken vermag. Daher sollten die Kräfte nicht am eigenen Schulstandort gemessen werden, sondern mit den anderen Institutionen im Wettbewerb über die Grenzen des Zollernalbkreises hinaus. Seit Beginn der Diskussion habe es Bedenken an der Fusion gegeben. Doch infolge der Gespräche erkannten die Akteure, dass die Vorteile überwiegen. Der Zollernalbkreis investiert insgesamt 35 Millionen Euro in seine Beruflichen Schulen. Mehr als 20 Millionen Euro investierte er laut Pauli in den neuen Hechinger Standort.

Neubau kostet rund 13 Millionen

Für 13 Millionen Euro entsteht außerdem noch ein Neubau auf dem Areal der einstigen Alice-Salomon-Schule. Hechingen ist damit einer der stärksten Schulstandorte im gesamten Zollernalbkreis, betonte Pauli. „Wir sind überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen gut gerüstet sind“, sagte er und meinte damit auch, dass dort qualifizierte Arbeitskräfte bestmöglich ausgebildet werden. „Wir wünschen der gesamten Schulmannschaft, dass sie best-möglichst zusammenwächst“, so Pauli schließlich.

Chance für einen Neustart

Dieter Renner, Abteilungsdirektor des Regierungspräsidiums Tübingen, sah die Fusion als „Chance für einen gemeinsamen Neustart“ an. Entscheidend bei der Fusion sei es nicht etwa gewesen, gut dotierte Stellen einzusparen, sondern auf Fragen wie „Wie müssen die Beruflichen Schulen aufgestellt sein, damit sie auf sicheren Beinen stehen? Wie groß sollte sie sein?“ eine Antwort zu finden. In all seiner 30-jährigen beruflichen Laufbahn hatte Renner noch nie einen solchen Festakt besucht und hob ihn lobend hervor. Schulleiter Plehn hatte schon zuvor betont, dass dieser Festakt ein Geschenk an alle Beteiligten sein soll. Er wünschte der neuen Einrichtung, dass die unterschiedlichen Mentalitäten zusammenwachsen und betonte, dass es oft mehrere Jahre dauere, bis diese zu einem gemeinsamen Selbstverständnis verschmolzen wären.

Friedensforscherin referiert

Zum Schluss, bevor der gesellige Teil des Abends begann, war noch die Friedensforscherin Merle Becker gefordert: Sie hielt den Festvortrag mit dem Titel „Wertschätzende Zusammenarbeit in Zeiten des Wandels. Eine erfolgreiche Schulfusion auf der Basis von Vertrauen, Verantwortung und Nachhaltigkeit“. Dabei ging es um den Arbeitsmarkt der Millenials und Generation Z sowie die Rolle der Schule. Diese müsse die jungen Menschen auf die „ungewisse Zukunft auf dem Arbeitsmarkt“ vorbereiten. Zwei Drittel der „ominösen Zukunftsjobs“, die es heute noch nicht gibt, werden dann existieren.

Auch Empathie ist gefragt

Die Schule müsse den Absolventen neben Werten und der wichtigsten Grundlage, der Bildung, auch Kompetenzen wie Selbstführung, Selbstverantwortung, kritisches Denken und Empathie mitgeben. Der Wandel für das Individuum durch die Fusion sah Merle Becker als Chance an und „einen guten Moment“, um Windmühlen zu bauen. Damit knüpfte die Referentin Becker an ein chinesisches Sprichwort an: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen.“

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