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Geislingen

Beispiel aktiven Widerstands: Am Antikriegstag wird an Geislinger Weiberschlacht erinnert

22.08.2019

Von Rosalinde Conzelmann

Beispiel aktiven Widerstands: Am Antikriegstag wird an Geislinger Weiberschlacht erinnert

© Rosalinde Conzelmann

In der alten Kinderschule erinnert eine Tafel an den Widerstand der Geislinger Mütter (von links): Bernd Romer, Elke Wach Hubert Gulde und Pater Augusty.

Im Jahr 1941 haben sich rund 200 Frauen aus Geislingen gegen das Naziregime aufgelehnt. Die mutigen Mütter verhinderten mit ihrem passiven Widerstand die Übernahme des katholischen Kindergartens durch „braune Tanten“. Beim Antikriegstag des Zollernalbkreises wird an die sogenannte Geislinger Weiberschlacht erinnert.

Am 1. September vor 80 Jahren hat der Zweite Weltkrieg begonnen – ein historisches Datum, an das der Deutsche Gewerkschaftsbund seit 1957 mit einem Antikriegstag erinnert. Landauf, landab finden seither Veranstaltungen statt, um für Frieden, Demokratie und Freiheit zu werben.

2018 war Premiere in Bisingen

Die Verdi-Senioren Zollernalb im Zollernalbkreis haben im vergangenen Jahr zum ersten Mal den Antikriegstag ausgerufen und in Bisingen an das Unternehmen „Wüste“ erinnert. 80 Menschen besuchten die Gedenkveranstaltung, bei der der Gedenktag mit der lokalen Geschichte verknüpft wurde.

Ein Konzept, das beibehalten wird, wie Salvatore Bertolino, Vorsitzender des Verdi-Ortsvereines Zollernalb, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Geislinger Bürgerhaus Harmonie mitteilte.

An seiner Seite saßen Elke Wach, DGB-Regionssekretärin, der GEW-Kreisvorsitzende Bernd Romer sowie aus Geislingen Ortspfarrer Pater Augusty und der städtische Mitarbeiter Hubert Gulde.

Geschichten vom Widerstand

Nach der erfolgreichen Premiere in Bisingen haben sich die Gewerkschaftsvertreter mit Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn auf die Suche nach einer Geschichte gemacht, die vom aktiven Widerstand erzählt und sind so auf die Geislinger Weiberschlacht gestoßen.

„Es sind Menschen wie du und ich, die sich in Geislinger der braunen Macht widersetzt haben“, meinte Salvatore Bertolino, für den das Verhalten der couragierten Frauen ein Leuchtturmprojekt darstellt.

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Es sind Menschen wie du und ich, die sich mutig den Nazis widersetzt haben. Verdi-Chef Salvatore Bertolino

Ich wünsche den Geislingern, dass sie weiterhin so mutig bleiben. Ortspfarrer Pater Augusty

Umso mehr habe es die Organisatoren gefreut, dass die Stadt Geislingen und die katholische Kirchengemeinde sofort bereit gewesen sind, die Gedenkveranstaltung in der Stadt auszurichten. „Unser Anliegen stieß auf offene Ohren“, freute sich Bertolino.

Für Elke Wach vom Deutschen Gewerkschaftsbund ist die Geschichte neu und interessant. Aus diesem Grund habe sie auch gleich zugesagt, bei der Vorbereitung mitzuhelfen. Es sei wichtig, dass auch nachfolgende Generationen vom unbeugsamen Verhalten der Geislingerinnen erfahren, die sich in große Gefahr begaben.

„Und nächstes Jahr werden wir dann nach einer anderen Geschichte im Zollernalbkreis suchen“, kündigte sie an.

Weiter für den Frieden einsetzen

„Ich bin froh, dass wir in Europa seit über 70 Jahren in Frieden leben dürfen“, stellte Pater Augusty Kollamkunnel fest. Bei den älteren Menschen spüre er immer wieder, dass sie noch unter der Kriegszeit leiden würden.

„Diese Generation stirbt aus, deshalb ist es wichtig, dass wir die jungen Menschen über diese große Beispiel des Widerstands informieren“, betonte der Seelsorger, der kraft Amtes für den katholischen Kindergarten zuständig ist.

„Für müssen uns weiter für den Frieden einsetzen“, lautete sein Appell. Als er im Jahr 2011 nach Geislingen gekommen sei, habe die Gemeinde den 60. Jahrestag der Weiberschlacht begangen und er habe so von der Widerstandsgeschichte erfahren.

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Die Stadt Geislingen fühlt sich geehrt, den Antikriegstag auszurichten. Referent Hubert Gulde

Wir müssen uns dem Rechtspopulismus und den Neonazis entgegenstellen. GEW-Kreisvorsitzender Bernd Romer

„Mein Wunsch ist es, dass die Geislinger weiterhin so mutig bleiben“, bekannte er und versprach, dass beim Friedensgottesdienst am 1. September das Friedensgebet im Mittelpunkt stehen wird.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus – diesen Appell richtete Bernd Romer, Kreischef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, an die Anwesenden. Die Gesellschaft müsse sich dem Rechtspopulismus und den Neonazis entgegenstellen: „Und dazu braucht es Mut.“ Man müsse sich den Anfängen jetzt erwehren und an die Geschichte erinnern.

Die Stadt Geislingen sei geehrt, dass sie den Antikriegstag für den Zollernalbkreis ausrichten dürfe, meinte Hubert Gulde, der am 1. September die Geschichte der Weiberschlacht erzählen wird.

Ein ganz besonderer Wunsch an den Landrat

Die Frauen hatten 1941 vor dem Rathaus gegen die von den Nazis angeordnete Ablösung der Vinzentinerinnen, die den Kindergarten betreuten, protestiert. Sie wurden von der Gestapo und einem Landjägerkorps brutal niedergeknüppelt.

„Die Geislinger fühlen sich berufen, das Zeugnis der mutigen Frauen von 1941 in Erinnerung zu rufen“, so Gulde, der von einem großen Beispiel aktiven Widerstands sprach. Auch er fühle sich geehrt, dass er an dem Gedenktag mitwirken darf.

Landrat Günther-Martin Pauli weilt am 1. September nicht in seiner Heimatstadt. Salvatore Bertolino formulierte im Vorfeld eine Bitte an den Geislinger: „In drei Jahren gibt es ein großes Jubiläum der Weiberschlacht; es wäre doch schön, wenn eine Skulptur dauerhaft daran erinnern würde.“

In der alten Kinderschule, in der einst auch die Post war, hängt eine Tafel, auf der die Ereignisse zusammengefasst sind. Das Gebäude, das heute in Privatbesitz ist, liegt zentral an der Ortsdurchfahrt. Der Kindergarten hat seit 60 Jahren seine Heimat direkt neben der Sankt-Ulrich-Kirche.

So wird der Ehrentag begangen

Um 9.15 Uhr findet in der katholischen Kirche ein Friedensgottesdienst statt, den Pater Augusty und Diakon Reiner Dehner zelebrieren.

Die Gedenkveranstaltung im Foyer der Schlossparkhalle beginnt um 10.30 Uhr. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Oliver Schmid wird Bernd Romer eine Gedenkrede halten, um dann das Wort an Hubert Gulde zu übergeben.

Die Feierstunde wird musikalisch von dem Binsdorfer Pianisten Giuseppe Pisciotta und der Balinger Sopranistin Juandalynn Abernathy umrahmt. Für Bewirtung ist gesorgt. Der Erlös fließt in die Geislinger Jugendarbeit.

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