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Stetten a.k.M.

Auf dem Stettener Militärgelände: Stolperstein erinnert an Schicksal eines KZ-Häftlings

29.10.2019

Von Gudrun Stoll

Auf dem Stettener Militärgelände: Stolperstein erinnert an Schicksal eines KZ-Häftlings

© Symbolbild: Esther Stosch

Auf dem Truppenübungsplatz Heuberg wird der erste Stolperstein in einer militärischen Liegenschaft in Deutschland gesetzt.

Die Stolpersteine gelten als größtes dezentrales Mahnmal der Welt. Am Samstag, 2. November, wird eine dieser Messingtafeln auf dem Bundeswehrgelände in Stetten a.k.M. gesetzt.

Dieser Stein wird künftig die Erinnerung wach halten an Salomon (genannt Simon) Leibowitsch und dessen grausames Schicksal. Salomon Leibowitsch sei der einzige Häftling, für den eine direkte Ermordung auf dem Heuberg nachgewiesen werden konnte, heißt es im Einladungsschreiben der Truppenübungsplatzkommandantur. In Aufzeichnungen von Häftlingen gebe es Berichte über weitere Tote, doch konnten diese bis zum heutigen Zeitpunkt nicht aufgeklärt werden.

Der Lebenslauf

Simon Leibowitsch kam am 22. April 1885 in Ananioff in der Ukraine auf die Welt. Er war jüdischen Glaubens und von Beruf Gerber. Salomon Leibowitsch geriet während des 1. Weltkrieges – er war Angehöriger der zaristischen, russischen Armee – im Januar 1915 bei Werschbeloff in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg blieb er als Staatenloser in Deutschland und kam im Jahre 1923 nach Eberbach, wo er sich 1925 verheiratete. In Eberbach arbeitete er in verschiedenen Berufen, u.a. auch bei der Reichsbahn und war zuletzt bei der Stadt Eberbach tätig.

Mitglied der KPD

Was weiter bekannt ist: Im Jahre 1929 trat er der KPD (kommunistische Partei Deutschlands) in der Ortsgruppe Eberbach bei. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er am 10. März 1933 zusammen mit SPD- und weiteren KPD-Mitgliedern verhaftet und in das Mosbacher Gerichtsgefängnis bzw. nach Buchen verbracht. Seine Frau konnte ihn dort noch besuchen.

Im KZ Heuberg zu Tode geschunden

Am 8. September 1933 wurde er dann in das Konzentrationslager Heuberg in Stetten a.k.M. verbracht. Nach Augenzeugenberichten wurde Simon Leibowitsch nach der Ankunft im KZ am Vormittag bereits schwer misshandelt, was sich am Nachmittag fortsetzte. SA-Leute verpassten ihm Tritte und schlugen ihn mit Gummiknüppeln.

Im Bericht zu den historischen Ereignissen heißt es weiter: Durch den Kommandanten wurde dann die Heuberger-Spezialfolter, das „Waschen am Wassertrog“ angeordnet. Die SA-Leute entblößten den Oberkörper von Leibowitsch und begannen ihn in den Trog zu tauchen und mit einer groben Wurzelbürste zu bearbeiten, bis er ohnmächtig wurde. Einer der Folterknechte soll gesagt haben: „Juden muss man schrubben, damit sie nicht mehr stinken.“

Leibotwitsch kam ins Krankenrevier, welches damals im jetzigen Gebäude 21 der Truppenunterkunft Heuberg eingerichtet war. Dort wurde er am 9. September 1933 von zwei SA-Männern an den Füssen aus dem Bett gerissen und die Treppe herunter nach unten geschleift. Dabei schlug sein Kopf ständig auf die Treppenstufen, was er nicht überlebte.

Künstler setzt Stolperstein

Am Samstag, 2. November, wird in kleinem geladenen Kreis der erste Stolperstein in einer militärischen Liegenschaft in Deutschland gesetzt - vor dem Gebäude 21. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahre 1992 begann. Demnig wird den Stein für Simon Leibowitsch persönlich setzen.

Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Europaweite Aktion

Diese quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und werden von einem angegossenen Betonwürfel getragen. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster oder den Belag des jeweiligen Gehweges eingelassen.

Auch Winterlingen setzt Zeichen

Derzeit gibt es rund 70.000 Steine; nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit. Auch die Gemeinde Winterlingen plant, im kommenden Jahr mit einem Stolperstein an das Schicksal der jüdischen Arztgattin Selma Burkart zu erinnern, deren Spur sich im Jahr 1942 in Polen verliert. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Marke ist patentrechtlich geschützt.

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