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Zollernalbkreis

Arbeitsamtschefin Anke Traber: Ausbildungsstellen in der Region bleiben zu 80 Prozent erhalten

21.05.2020

Von Lea Irion

Arbeitsamtschefin Anke Traber: Ausbildungsstellen in der Region bleiben zu 80 Prozent erhalten

© Lea Irion

Anke Traber, Chefin der Balinger Agentur für Arbeit, nahm am 9. Bürgerdialog am Mittwochabend teil.

Gute Nachrichten für Jugendliche: Laut Anke Traber, Chefin der Balinger Agentur für Arbeit, bleiben etwa 80 Prozent der Ausbildungsstellen im Umkreis trotz Corona erhalten. Im 9. digitalen Bürgerdialog stellte sich Traber zusammen mit Dr. Otto Tschritter, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Zollernalbklinikum, und Landrat Günther-Martin Pauli den Fragen der Zuschauer.

Wer Fragen rund um das Thema Arbeit im Zollernalbkreis hatte oder Details zu Covid-19 in Erfahrung bringen wollte, konnte am Mittwochabend zum 9. Bürgerdialog mit Landrat Günther-Martin Pauli auf Facebook einschalten. Zu Gast waren dieses Mal Anke Traber, Geschäftsführerin der Balinger Agentur für Arbeit, und Dr. Otto Tschritter, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Zollernalbklinikum.

Traber präsentierte zunächst eine Übersicht über die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt in der Region, wozu auch der Landkreis Sigmaringen zählt, da die Balinger Agentur für Arbeit neben dem Zollernalbkreis auch für diesen Landkreis zuständig ist.

Sehr hohe Ausbildungsquote

So verzeichne die Behörde derzeit 3000 Betriebe im Bezirk, die Kurzarbeitergeld angemeldet haben. Von allen Betrieben hätten etwa 20 Prozent ihre Ausbildungsstellen zurückgezogen. Das liegt laut Traber aber nicht nur an der aktuellen Lage – viele Betriebe hätten auch schlichtweg keine geeigneten Bewerber für ihre Stellen gefunden.

Der Zollernalbkreis verzeichne derweil eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsquote, die laut Traber landesweit und selbst bundesweit zu einer der besten gehört. „Die hiesigen Betriebe haben erkannt, dass es sich hier im Landkreis gut leben lässt“, so Traber. Sie bezog sich damit auch auf den Umstand, dass es sich für Unternehmen mitunter sehr schwer gestalte, Fachkräfte „von außerhalb“ zu gewinnen. Wer also selber ausbildet, schaffe eine nachhaltige Grundlage für den Betrieb.

Beratung auch per Skype

Manche Betriebe können aber auch keine Kurzarbeit melden, wodurch Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit rutschen können. „In einem solchen Fall kann man sich auf der Website der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden“, erklärte Traber. Sie bittet außerdem darum, nicht vor Ort in die Balinger Stingstraße zu kommen – die Türen der Agentur für Arbeit sind derzeit nämlich noch aufgrund der Pandemie geschlossen.

Stattdessen setzen die Berater auf telefonische Gespräche oder Videotermine auf Skype. Damit die Anmeldung zur Arbeitslosigkeit erfolgen kann, müssen Betroffene ihre Identität zweifelsfrei bestätigen. Hierfür wird das Berufsinformationszentrum in der Stingstraße zur Verfügung gestellt. Dort müssen sich die Anwerber mit ihrem Ausweis durch ein Fenster einem Mitarbeiter der Agentur für Arbeit zeigen, der wiederum die Identität bestätigt.

Grundsicherung für Selbstständige

Die Stellenangebote der hiesigen Betriebe seien derweil stark zurückgegangen. Pro Monat seien der Behörde zuvor 400 bis 500 Stellenangebote gemeldet worden, wovon derzeit noch etwa 200 im Monat übrig geblieben sind. „Es spricht aber dafür, dass Betriebe immer noch nach Fachkräften suchen“, merkte Traber an.

Arbeitsamtschefin Anke Traber: Ausbildungsstellen in der Region bleiben zu 80 Prozent erhalten

© Landratsamt

Anke Traber, Chefin der Balinger Agentur für Arbeit, Dr. Otto Tschritter, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Zollernalbklinikum, und Landrat Günther-Martin Pauli (von links).

Schwierig gestalte sich die Betreuung von Jugendlichen, die eine Ausbildungsstelle suchen. „Unsere Berater arbeiten mit Hochdruck daran, teils auch über Messenger mit den jungen Menschen in Verbindung zu sein“, so die Arbeitsagenturschefin. Es gebe aber auch viele Alternativen, sollte es für Heranwachsende mal keine passende Stelle geben.

Wer bekommt wie viel?

Ähnlich kompliziert gestalte es sich für Solo-Selbstständige. Diese können nämlich kein Kurzarbeitergeld beantragen und müssen über Grundsicherungsleistungen gehen. „Im Grunde genommen ist es dasselbe wie Hartz IV, wurde Anfang März für Solo-Selbstständige aber vereinfacht“, berichtete Traber.

Bei Hartz IV müsse man nachweisen können, dass man bedürftig ist, sprich, kein Vermögen mehr hat. Bei Solo-Selbstständigen wird in den ersten sechs Monaten laut Traber auf eine solche Feststellung verzichtet, wenn quasi beeidigt wird, dass kein Vermögen mehr da ist.

Wer jedoch als Solo-Selbstständiger in einer ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaft mit einem Partner zusammenwohnt, wird von einer Bedarfsgemeinschaft gesprochen – ähnlich wie bei Hartz IV. Dann werde festgestellt, wie hoch das Einkommen des Partners ist und darauf aufbauend der Bedarf des Selbstständigen berechnet.

Zwei Impfstoffe in Erprobung

Abseits der vielen Fragen rund um das Thema Arbeit gab es auch Detailfragen zur Lungenkrankheit Covid-19. Ein Zuschauer erkundigte sich bei Notaufnahmen-Chefarzt Tschritter, wie es um einen Impfstoff bestellt ist. Laut Tschritter befinden sich derzeit zwei Impfstoffe in klinischer Erprobung – er warnte jedoch vor voreiliger Euphorie. „Es müssen erst Nebenwirkungen und die tatsächliche Wirkung festgestellt werden“, so Tschritter.

Zudem gestalte sich ein solcher Prozess sehr verwaltungslastig. Es müsse schließlich zweifelsfrei belegbar sein, dass ein solcher Impfstoff einen gesundheitlichen Mehrwert für Patienten darstellt. Bis es soweit ist, könnten noch einige Monate an Land gehen.

Nach etwa 45 Minuten waren alle Fragen der Zuschauer beantwortet, wodurch Landrat Pauli den Bürgerdialog früher als gewohnt beendete. „Viele sind wohl schon in Vorbereitung auf den Vatertag“, merkte er scherzend am Ende an.

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