André Doster und Dietmar Foth im Interview: Fehlender Wettkampf macht HBW 2 große Sorgen

Von Larissa Bühler und Joachim Hausmann

André Doster und Dietmar Foth sind froh, dass der HBW Balingen-Weilstetten 2 aktuell trainieren kann – auch wenn der Spielbetrieb in der 3. Liga bis Anfang Januar ausgesetzt ist. Eine Entscheidung, die zwar nicht auf Begeisterung, wohl aber auf Verständnis stieß.

André Doster und Dietmar Foth im Interview: Fehlender Wettkampf macht HBW 2 große Sorgen

André Doster (links) und Dietmar Foth hoffen, dass der Spielbetrieb in der 3. Liga im Januar wieder aufgenommen werden kann.

Auch der Handball-Drittligist HBW Balingen-Weilstetten 2 erlebt schwierige Zeiten. Vom Land Baden-Württemberg werden die „Jung-Gallier“ als Profisportler eingestuft, dürfen den Trainingsbetrieb aufrechterhalten. Der Deutsche Handballbund hat jedoch den Spielbetrieb ausgesetzt.

Für die Verantwortlichen um Trainer André Doster und den 1. Vorstand Dietmar Foth bedeutet das einmal mehr neue Herausforderungen. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden große Anstrengungen unternommen, um den Spiel- und Trainingsbetrieb zu gewährleisten. „Und der Aufwand wird jetzt nicht weniger“, blickt Kommandogeber Doster voraus.

Der Deutsche Handballbund hat den Spielbetrieb in der 3. Liga Süd bis Ende des Jahres ausgesetzt, die Fortsetzung der Saison ist erst für das Wochenende 9./10. Januar 2021 geplant. Wie beurteilen Sie die Entscheidung?

Dietmar Foth: Wir bedauern, dass die Saison unterbrochen wird. Wir hätten gerne weitergespielt. Die Spielpraxis ist für unsere jungen Spieler enorm wichtig. Mit unserem Hygienekonzept sind sowohl Spiele als auch Training nach meiner Einschätzung ohne Gesundheitsgefährdung möglich. Wir benötigen Spiele, um wirtschaftlich überleben zu können, um unsere Sponsoren zu halten, um den Handball-Leistungssport am Leben zu halten.

André Doster: Nach großen Anstrengungen über die ganzen Sommermonate, den Trainings- und Spielbetrieb gemäß den Hygienekonzepten zu organisieren und diese umzusetzen, ist es äußerst schade, dass für meine Mannschaft nach dem fünften Spieltag die Runde unterbrochen werden muss. Dennoch haben meine Spieler und ich großes Verständnis dafür, dass dies in der aktuellen Situation notwendig ist. Wir hoffen, dass wie vorgesehen im neuen Jahr die Runde fortgeführt werden kann.

Während in Baden-Württemberg die Drittligisten zum Profisport zählen, sieht es in anderen Bundesländern anders aus . . .

Foth: Deshalb habe ich Verständnis für die Entscheidung des Deutschen Handballbundes. Aktuell ist es in Rheinland-Pfalz, Hamburg und Bayern untersagt, dass die Drittliga-Mannschaften trainieren und im eigenen Bundesland spielen. Das macht den länderübergreifenden Wettbewerb leider nicht möglich. Überlegt wird auch, eine Testung der Spieler einzuführen, um die Corona-Gefahr noch weiter zu reduzieren. Dies benötigt Zeit, vor allem muss auch die Finanzierung einer solchen Maßnahme geklärt werden.

Bis dahin kann beim HBW 2 zumindest trainiert werden.

Foth: Ich bin sehr dankbar, dass es sowohl das Land Baden-Württemberg wie auch die Stadt Balingen mit realistischem Blick auf die Notwendigkeiten des Spitzensports gestatten, dass unsere Drittliga-Mannschaft weiter trainiert. Das Trainieren in der SparkassenArena ist erlaubt. Bei unserem Perspektivteam gibt es eine Reihe von Spielern, die gleichsam im Ausbildungsverhältnis zum Profisportler stehen. Alle unsere Spieler haben Verträge, die auch den Verein verpflichten, ihnen Training und persönliche sportliche Entwicklungschancen zu bieten. Für eine Reihe von Spielern sind die von uns gezahlten Entgelte wichtige Beiträge zum Lebensunterhalt. Wir wollen die Spieler nicht wieder – wie im Frühjahr geschehen – in Kurzarbeit schicken müssen.

Welche Bedeutung hat die erneute spielfreie Zeit für die Spieler?

Doster: Für meine junge Mannschaft ist die Spielpraxis für ihre Entwicklung absolut wichtig. Selbst wenn im Januar 2021 die Runde vorgeführt werden soll, kann diese nicht in vollem Umfang ausgespielt werden. Es werden demnach sehr viele Spiele für meine Spieler wegfallen. Im Leistungs- und Spitzensport, in dem sich der HBW 2 in der 3. Liga befindet, sind die Wettkampferlebnisse von großer Bedeutung. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht zu große Auswirkungen auf die Entwicklung der Spieler nimmt. Schließlich wollen wir unsere A-Jugendlichen an das Niveau der 3. Liga heranführen und auch weiterhin Spieler für die Bundesliga-Mannschaft ausbilden. Die Pandemie hat leider ihre eigene Regeln und dennoch wollen und müssen wir so schnell wie möglich wieder Handball spielen.

Foth: Eine längere Trainingsunterbrechung würde auch erhebliche gesundheitliche Gefahren heraufbeschwören beziehungsweise einen sehr langsamen Wiedereinstieg gebieten.

Was ist jetzt anders als nach der ersten Zwangspause?

Doster: Wir haben nach dem letzten Lockdown über Wochen hinweg die Spieler behutsam an den Ball und an die Wettkampfsituation herangeführt. Wir haben unheimlich viel in die Verletzungsprävention und den athletischen Bereich investiert. Die Spieler hatten mit dem neuen Start in die Runde und der Tatsache, dass Trainingsspiele im August möglich waren, wieder ein Ziel vor Augen. Das ist nun nicht der Fall. Wir müssen weiter trainieren, um den Anforderungen im Leistungssport gerecht zu werden. Aber am Schluss wollen meine Jungs Handball spielen. Sie sind Handballer und brauchen einen Wettkampf, damit sie auch wissen, warum Sie trainieren – das möchte aber jeder Sportler.

Dennoch sind die Abläufe natürlich völlig anders. Wie gestalten Sie derzeit die Einheiten?

Doster: Im November bin ich normalerweise dabei, das Team weiter zu formen, die Spieler auszubilden, auf Situationen zu reagieren – im November ist man als Trainer normalerweise sehr gefordert, was den Spielbetrieb angeht. Das ist alles nicht der Fall. Wir versuchen, das Beste rauszuholen, das Beste zu sehen. Wir versuchen, im gleichen Umfang zu trainieren, wie wenn der Spielbetrieb läuft. Es ist von der Intensität sicherlich höher als im Normalfall, wenn noch eine Wochenendbelastung dazu kommt. Wir trainieren zweimal Athletik und wollen da einen klaren Reiz setzen, auch als Ausgleich zum fehlenden Wettkampf. Dokumentation, Speicherungen – da machen wir einen kleinen Wettkampf draus. So werden die Spieler am Wochenende individuell, aber nach Plan, einen Intervalllauf machen. Da geht es darum, einen Trainingsreiz zu setzen, aber auch den Wettkampf vom Wochenende zu spiegeln. Und zweimal die Woche trainieren wir dann auch voll Handball. Wir müssen dranbleiben, den Rhythmus halten, belastbar bleiben – um auch im Januar dann spielbereit zu sein.

Nach fünf Spielen rangiert der HBW 2 mit 6:4 Punkten auf Platz fünf. Ihr Urteil?

Foth: Mit dem sportlichen Auftreten bin ich bislang sehr zufrieden. Der Start war sehr schwierig. Kurz vor Saisonstart haben wir unseren Torwart Mario Ruminsky „verloren“ – ich freue mich sehr, dass er den Sprung zu HBW 1 geschafft hat. Tobias Heinzelmann war auch bei HBW 1, dazu kamen einige Verletzungen. Ab dem zweiten Spiel hatten wir einen sehr kleinen Kader, fast eine Jugendmannschaft, verstärkt – und das war wichtig – mit den erfahrenen Akteuren Micha Thiemann, Christoph Foth und Jan Bitzer. Was das Team dann unter diesen Rahmenbedingungen bei den Unentschieden gegen Leutershausen und Pforzheim/Eutingen sowie den zwei Siegen in Günzburg und Großsachsen geleistet hat, hat mich beeindruckt und begeistert.

Doster: Wir hatten sehr unterschiedliche, gemischte Leistungen. Was die Einstellung angeht, bin ich zufrieden – vor allem wenn man sieht, wie viele Ausfälle wir gerade im Hinblick auf die Spiele gegen Pforzheim und Leutershausen hatten. Ich habe jetzt schon gespürt, wie Spieler auftauen, sich in den Vordergrund spielen, wie eine neue Generation in der Mannschaft zusammenwächst – und deshalb ist es jetzt sehr schade, dass wir ausgebremst wurden. Von der Punkteausbeute muss man mit Blick auf die personelle Situation auch zufrieden sein. Sicherlich kann man in der Summe über einen Punkt diskutieren, dann hätten wir das Perfekte herausgeholt.

Schon im ersten Spiel verletzte sich Julian Thomann. Der Kapitän zog sich einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu, auch der Meniskus wurde beschädigt. Mit etwas Abstand: Was hat das mit der Mannschaft gemacht?

Doster: Es hat uns schon hart getroffen. Jeder der Juli kennt, weiß was für ein absolut professioneller Sportsmann er ist, was er alles für den Handball investiert und welche tragende Rolle er beim HBW 2 hat. Es hat die ohnehin schon angespannte Personalsituation noch einmal sehr verschärft. Aber es hat sicherlich auch dazu geführt, dass der eine oder andere junge Spieler noch früher Verantwortung übernehmen musste. Und dass sich die Mannschaft natürlich – rein außerhalb des Spielfelds – die Aufgaben eines Kapitäns geteilt hat. Ohne große Ansagen hat da jeder seinen Teil übernommen. Das hat ein paar Spieler auch neben dem Feld deutlich mehr in die Verantwortung gebracht.