Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Albstadt

Albstädter Literaturtage: Nicola Förg lässt im Ebinger Bildungszentrum die Wölfe heulen

25.11.2019

Von Katja Weiger-Schick

Albstädter Literaturtage: Nicola Förg lässt im Ebinger Bildungszentrum die Wölfe heulen

© Katja Weiger

„Wolfi“ inklusive: Krimi-Autorin Nicola Förg las im Ebinger Bildungszentrum. Danach signierte sie ihre Bücher.

Den Wolf im Gepäck: Die Lesung mit Nicola Förg hat im Bildungszentrum den krönenden Abschluss von drei Wochen Literaturtagen gebildet. Die Bestsellerautorin lebt mit Hunden, Katzen und Hasen im Allgäu.

„Das Leben ist kein Ponyhof“, sagt man so schön. Für Nicola Förg, die 56-jährige Bestsellerautorin, aber schon: Sie lebt auf einem – und zwar in Prem, ganz in der Nähe von Schloss Neuschwanstein. Bekannt geworden ist sie einem großen Publikum aber vor allem durch ihre beiden Krimi-Reihen.

Auszeit auf der Alm

Eine ihrer Buch-Kommissarinnen, die legendäre Irmi Mangold, feiert in diesem Jahr Doppel-Jubiläum. Sie wird 60 Jahre alt und ermittelt obendrein in ihrem zehnten Fall: „Wütende Wölfe“. Aber eher wider Willen. Denn Irmi hat sich eigentlich eine berufliche Auszeit genommen, die sie auf einer Alm verbringen möchte. Dass es dort neben Kühen und Käse aber vor allem Verletzte und Leichen wie am Fließband gibt und sogar die Wölfe heulen, ist, nun ja, irgendwie, dumm gelaufen. Oder eben Berufsrisiko einer Kommissarin.

Plüschwolf „Wolfi“ ist mit dabei

Mit Nicola Förg nach Ebingen gereist ist ein possierlicher Karlsruher Plüschwolf, der logischerweise „Wolfi“ heißt. Wie auch sonst? Während die Autorin liest, behält Wolfi das Publikum fest im Knopfauge. Nicola Förg trägt nicht nur aus ihrem Buch vor, sie überbrückt mit erklärenden Sätzen, ordnet Zusammenhänge ein oder nimmt sich gar ironisch selbst aufs Korn. Kein Wunder: Sie lebt vollkommen uneitel in einer WG mit einem halben Zoo aus Hunden, Katzen und Hasen.

Irmi ist nicht Nicola

Sie muss ihr Holz selbst hacken oder Heu für die Tiere einbringen. Irgendwie, so beschleicht einen bei der Lesung das Gefühl, könnte viel von der resolut-tatkräftigen Irmi, die auf einem Bauernhof lebt und Engelbert-Strauß-Hosen schätzt, in der Bestsellerautorin selbst stecken. Oder? „Iwo“, schüttelt Nicola Förg entschieden den Kopf und entgegnet in feinstem Allgäuer Dialekt: „Des ned grad. Die Irmi, die isch aber scho‘ a Gute.“ Mit ihr befreundet wäre sie sicher, lacht sie vergnügt, „wenn sie halt leibhaftig wäre. Irmi ist aber nicht Nicola.“

Gründliche Recherche ist der Autorin wichtig

Bei aller Lust der passionierten Fans auf skurrile Situationen, die nötige Krimi-Spannung oder beißenden Irmi-Sarkasmus: Die Bücher der Allgäuerin haben durchaus eine Botschaft. Nicola Förg – „ich bin die mit dem Umwelt- und Naturschutz!“ – knöpft sich den so genannten „Overtourismus“ im Alpenraum vor oder schaut genau hin, wenn es um artgerechte Haltung von Milchkühen geht.

Im Umwelt- und Naturschutz aktiv

Sie sammelt Argumente in der so emotional geführten Wolf-Debatte oder kämpft gegen den Welpenhandel. Eines, das bemängelt sie aber offen, habe in Deutschland in jüngster Zeit sehr gelitten: „Und das ist die Diskussionskultur.“ Die Premerin ist gelernte Journalistin und liest sich vor dem Schreiben – „das beinhaltet übrigens sehr viel Disziplin“ – erst systematisch in einen Sachverhalt ein. Sie zerpflückt Quellen und sucht nach Fachbüchern. „Eine gründliche Recherche ist alles“, sagt sie, „man kann doch nicht einfach irgendwelchen Quatsch behaupten.“ Zudem habe sie versierte Profis wie Strafverteidiger oder Biologen an der Hand, die sie bei speziellen Fachfragen konsultiere.

Skigebiets-Tipp nicht ohne Hintergedanken

Weil sie auch Reisereportagen schreibt, wird sie von Büchereileiterin Tanja Wachter prompt nach einem tollen Skigebiets-Tipp gefragt. „Skandinavien“, antwortet Nicola Förg wie aus der Pistole geschossen, „da gibt’s ganz wunderschöne Ecken.“ Dass sie ihren Albstädter Gästen Schweden und Norwegen ans Herz legt und nicht etwa das Allgäu, geschieht wohl nicht ganz ohne Hintergedanken, könnte man spekulieren. Die Autorin wohnt in Prem schließlich direkt an einem Wanderweg. Und da muss sie mitunter die ekligen Hinterlassenschaften von Touristenschwärmen beseitigen.

Diesen Artikel teilen: