Albstadt

Albstädter Kulturfabrik wartet mit den bekanntesten Techno-DJs der ersten Stunde auf

04.10.2023

Von Milijana Magarewitsch

Albstädter Kulturfabrik wartet mit den bekanntesten Techno-DJs der ersten Stunde auf

© Milijana Magarewitsch

DJ-Legende WestBam legte in der Ebinger Kulturfabrik auf.

In der Kulturfabrik Albstadt, dem ehemaligen „Tropi“, gaben sich am Vorfeiertagsabend einige der bekanntesten Mischpult-Könner die Klinke in die Hand. WestBam, DJ Quicksilver, Da Hool und Tomcraft, um nur vier davon zu nennen

Einst als Protest gegen die kriegsgebeutelte Welt gestartet, traf die Loveparade den Nerv einer ganzen Generation. Mottos wie „The Future Is Ours“, „We Are One Family“ oder „One World One Future“ waren Mission und Aufruf zugleich. DJ-Größen des „Frieden-Raves“ sind heute Veteranen ihres Genres.

Die Haare grau, die Brillengläser dick, aber immer noch mit derselben Leidenschaft fürs Plattenauflegen. In der Kulturfabrik Albstadt, dem ehemaligen „Tropi“, gaben sich am Vorfeiertagsabend einige der bekanntesten Mischpult-Könner die Klinke in die Hand. WestBam, DJ Quicksilver, Da Hool und Tomcraft, um nur vier davon zu nennen: Namen, die Technoide über die Zollernalbstadt hinweg mobilisierten.

Rave-Nation tanzte ekstatisch

Ob Westfalia Bambaataa – so die eigentliche Bezeichnung WestBams – ein Nickerchen vor seinen Gigs einlegt? Schließlich zählt Maximilian Lenz bereits knapp 60 Kerzen auf der Geburtstagstorte. Seinem Gastauftritt war das Alter nicht anzumerken, ganz im Gegenteil. Die mit ihm erwachsen gewordene Rave-Nation tanzte ekstatisch zu den mitgebrachten Beats.

Was auffiel: Dass sich die musikalische Welt auch am Plattenteller weitergedreht hat. Einflüsse aus der originären Hip-Hop-Szene, dem Punk und dem Freestyle der „early 80ies“ gepaart mit melodischen „Neuzeitklängen“ ergaben einen Mix aus „in Erinnerungen schwelgen“ und „Zukunftsmusik“.

Techno-Hymnen in der KuFa

Da Hool ist so etwas wie das „Enfant terrible“ der Technoszene. Vor seinem Durchbruch als DJ hält er sich unter anderem mit einem Job in der Jugendarrestanstalt Bottrop über Wasser, wird mit Fußball-Hooligan-Ausschreitungen in Verbindung gebracht (was nicht der Grund seines Künstlernamens, sondern eher ein „Zufall“ ist) und wurde zeitweise auch der rechten Szene zugesprochen, wovon sich der DJ allerdings vehement distanziert. Mit „Meet her at the Loveparade“ prägt Da Hool eine der wichtigsten Techno-Hymnen seiner Zeit und bringt den Schalk im musikalischen Nacken auch in die „KuFa“.

DJ Quicksilver, alias Orhan Terzi, wuchs, wie fast alle DJ-Paten, im „Pott“ auf. Mit „Bellissima“ erreicht er Mitte der Neunzigerjahre seinen künstlerischen Schaffenshöhepunkt und produziert im Nachgang für internationale Größen.

Tomcraft gilt als Poet seines Genres

Tomcraft fällt sowohl vom Alter als auch vom Geburtsort her etwas aus der Reihe, knappe 50 Jahre alt und in Regensburg aufgewachsen, wird er anfangs dem Trance zugeordnet, um sich später durch melodiösen, fast „poppigen“ Ravesound zu etablieren. Tomcraft gilt als Poet seines Genres und wird oft beim stundenlangen Mitsingen der aufgelegten Stücke beobachtet – übrigens auch am vergangenen Montag.

Aber nicht nur DJ-Giganten, sondern auch ein paar optische Reminiszenzen der Neunzigerjahre galt es zu entdecken. Sonnenblumen im Haar, Plateau-Turnschuhe und weiße Handschuhe. Hätte sich noch jemand einen Staubsauger auf den Rücken geschnallt, dann hätten sich sowohl Loveparade als auch die von WestBam gegründete Veranstaltung „Mayday“ an Ort und Stelle manifestiert.

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