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Winterlingen

Abschiedskonzert des Männervokalensembles Zollernalb in Winterlingen geht unter die Haut

30.12.2019

Von Susanne Grimm

Abschiedskonzert des Männervokalensembles Zollernalb in Winterlingen geht unter die Haut

© Susanne Grimm

Das Männervokalensemble Zollernalb gab in der evangelischen Kirche in Winterlingen sein Abschiedskonzert.

Mit einem berührenden und zugleich berauschenden Konzert hat sich das Männervokalensemble Zollernalb unter der Leitung von Volker Bals in Winterlingen von der öffentlichen Bühne verabschiedet.

In der vollbesetzten evangelischen Kirche erlebten die Besucher buchstäblich den „Abgesang“ eines hochkarätigen Männerchors, der über die Grenzen der Kreise Zollernalb und Sigmaringen bekannt und beliebt war. „Nach über 25 Jahren das öffentliche Singen einzustellen, ist für uns ein besonderes Ereignis“, sagte der Sprecher des Chors, Herbert Birmele. Es sei ihnen allen nicht leichtgefallen, diese Entscheidung zu treffen, doch Nachwuchsmangel und Altersstruktur würden ihnen keine andere Wahl lassen. Sein besonderer Dank galt dem Hausherrn der Kirche, Pfarrer Ernst Nestele, der den Männern seit über 15 Jahren das Gotteshaus für die Chorproben zur Verfügung gestellt hat.

Alle sakralen Stilrichtungen

Die Sänger, darunter auch einige Chorleiter, kommen aus der Region Sigmaringen, Winterlingen und dem Heuberg und werden seit 2014 von Volker Bals aus Sigmaringen geleitet. Für das Abschiedskonzert hatten der Dirigent und seine Sänger die ganze Bandbreite des chorischen Singens aufgefächert und dabei ihr Können in allen sakralen Stilrichtungen offenbart. Neben klassischen Liedern wie „Freut euch, ihr lieben Christen“ von Leonhart Schröter beeindruckten die Sänger vor allem auch durch Kirchenlieder der russisch-orthodoxen Liturgie, bei denen die Basslagen der tiefen Männerstimmen voll zu Geltung kamen.

Reise ins Heilige Land

Bei „The little road to Bethlehem“ nahm der Chor das Publikum auf Englisch mit ins Heilige Land. Die mehrstimmigen, sich teilweise überlappenden Gesänge und Stimmlagen machten das Gehörte zu einem Genuss erster Sahne, die das Bild sich sanft überlagernder Wellen, die weich am Strand auflaufen, heraufbeschworen. Tief beeindruckend war auch ein Lied aus dem Kölner Gesangbuch von 1625, „Als ich bei meinen Schafen wacht“, mit dem unter die Haut gehenden Solopart von Dieter Drostek, das der Chor volltönend aufgriff.

Ulrike Bals spielt Geige

Als besonderes Schmankerl servierte der Chorleiter ein kleines französisches Weihnachtslied, das nicht im Programm aufgeführt war. Vielmehr stellte der Dirigent seine Schwester Ulrike Bals vor, die, zufällig in der Gegend weilend, sich bereit erklärt hatte, mit ihrem Geigenspiel dem Konzert ein Sahnehäubchen aufzusetzen. Zwischen den Darbietungen gab Pfarrer Nestele mit geistlichen Beiträgen dem Konzert einen zusätzlichen sakralen Charakter. Seine priesterlichen Worte und das gemeinsames Gebet fügten sich nahtlos ein in ein Konzert, dass sowohl der Wehmut des Abschieds als auch der Freude auf einen Neuanfang Raum bot.

Es fehlt an Nachwuchs

„Es ist jammerschade, dass sie aufhören“, meinte Veronika Sieber, die mit ihren Freundinnen Edith Dümeland und Elfriede Müller das Konzert besucht hat. „Wir haben in all den Jahren jedes Konzert des Männervokalensembles Zollernalb besucht und keines ausgelassen.“ Aber es sei halt wie überall, „es findet sich kein Nachwuchs, während der Bestand altert“. So gehe ein großes Stück Kulturgut einfach verloren. Ihr allerletztes Konzert gibt das Männervokalensemble Zollernalb am Samstag, 11. Januar, um 17 Uhr im Kloster Gorheim in Sigmaringen.

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