Bang Your Head!!! Kurier

BYH\ akten ie rew =-26éft vor rt Balingen. Klar, die Nächte beim Bang Your Head sind kurz. Den- noch: Wer viel schafft, muss gut schlafen. Auf mehr als 50 Hotel- Šbernachtungen hat es die Bang- Your-Head-Crew bislang ge- bracht. Die Gastwirte und Hote- liers in der Region freutis si- cherlich. Schließlich hat sich die Angst vor den finsteren Gestal- ten der Metal-Szene in Balingen und Umgebung längst gelegt. Freundschaften sind entstanden, Geschäftspartner haben sich ge- funden. m:¯ 20 JAHRE BYH Samstag, 14. Juli 2018 Die besten eschichten des hefs RĪ-k,6i-k In mehr als zAei Jahrzehnten Bang )our Head ist viel passiert. &eranstalter Horst Franz lieã für uns einige besonders markante Erlebnisse und Erinnerungen Revue passieren ^ auch solche, die noch in die Hallen-Ära zurückreichen. Von o<s> M <anD Demon (Hirschau, 1997) Ich hatte Dave Hill überredet, seine Dämonenklamotten samt Maske, mit der er in der An- fangszeit DE s auftrat, aus dem Keller zu kramen und nach Hirschau mitzubringen. Zu- nächst wollte er das nicht, da Gi- tarrist Mal Spooner nach dem dritten Album auf eine sehr ku- rioseWeise verunglückt war. Die Band hatte Bedenken, ihr maka- beres Image weiterzuführen, da sie das Gefühl nicht los wurde, vielleicht eine Grenze über- schritten zu haben. Grusel . . . Aber mir zuliebe hatte er das Outfit dann doch mitgebracht. Mit meinen Kids hatte ich ein Friedhofszenario, zwei Kreuze und ein Grab samt Grabstein aus Pappmach˜ gebastelt. Das Zeug sah dem Cover zum Night-of-the Demon-Album, dem Debüt der Band, verblüffend ähnlich. An- schließend hatte ich auf derWie- se vor unserer Wohnung einen 12 x 5 Meter großen Vorhang mit unserem BYH!!!-Logo bemalt. Wir waren gewappnet! Die Band sollte schließlich in normalem Bühnenoutfit auf die Bühne gehen, etwa eine Stunde spielen, bevor einer der Gitar- risten auf den Laufsteg geht und ein Solo von etwa drei Minuten spielt. Der Vorhang sollte zuge- zogen werden, um den Aufbau des Sets mit Grab, Kreuzen und altmodischer Trockeneisnebel- maschine durchzuführen. Parallel hierzu wollte sich Dave binnen der drei Minuten in den Umkleideraum unter der Bühne begeben, umziehen, samt Dä- monenmaske in das Grab legen und mit Laub bedeckt werden, welches wir noch amTag vor der Show sammeln sollten. Alle Ak- tionen streng geheim, und als Šberraschung für die Fans aus- getüftelt. Ein guter Plan . . . Dann war es soweit. Die Band ging auf die Bühne, Dave trug Ba- deshorts und Badelatschen. Die Songauswahl war super, das Publikum begeistert. Der Gitar- rist bewegte sich auf den Lauf- steg vor, der Vorhang schloss sich. Wir schoben das Grab auf die Bühne, bauten die Kreuze auf, stellten die beiden Säcke mit Laub neben das Grab, füllten die Nebelmaschine mit Trockeneis. Zweieinhalb Minuten vorbei. Warten! Drei Minuten vorbei. Der Gitarrist steckt den Kopf durch den Vorhangspalt: kein Dave zu sehen. Drei Minuten und 15 Sekunden vorbei. Kein Dave. Der Keyboarder fing zu klim- pern an, weil sich der Gitarrist wiederholte. Der Gitarrist kam hinter den Vorhang, der Lauf- steg war leer. Drei Minuten und 30 Sekunden – immer noch kein Dave auf der Bühne. Die Nebel- maschine spuckte nur Ringe, wie manch gelangweilter Raucher im Film. Dave kam nicht. Fast vier Minuten waren vergangen. Ich rannte die Treppe hinunter, riss die Tür zur Umkleide auf und be- kam einen Lachflash. Dave und sein Manager Mike versuchten vergebens, den aus Latex beste- henden Dämonenanzug zuzu- bekommen, aber die Plauze passte nicht mehr rein. Und Da- ve sagte mit trockenem engli- schem Humor: „Der Anzug ist wohl über die Jahre ziemlich ge- schrumpft . . .“ Und dann liefen auch ihm die Lachtränen übers Gesicht. Zusammen mit einem unserer Roadies half ich mit, Da- ves neue Hülle zu schließen. Dann wackelte er die Treppe hoch, legte sich ins Grab, wir schütteten die Laubsäcke über ihm aus und aus den Boxen tönte das Intro vom Song „Night Of The Demon“ – Rise, rise, riseG Der Vorhang ging auf. Das Pub- likum tobte. Nur die Nebelma- schine spuckte immer noch Rin- ge. Strike! Blind Guardian (Hirschau, 1996) Es war das erste Bang-Your- Head-Festival, und Blind uardian spielten als Headliner. Mit etwas mehr als 00 Leu- tenwar es einmehr als passabler An- fang. Die Showwar vorbei, die Fans waren bereits auf dem Nachhause- weg, während un- sere Crew die Halle reinigte, und einer meiner Kumpels – HJ „Ossi“ Osswald, seines Zeichens damaliger stell- vertretenderMesseleiter in Balingen (heute Bürger- meister inNeuhausen ob EckM – die Kassen abrechnete, das Geld sortierte und die Gagen al- ler Bands auszahlte. Aller Bands? Nein, natürlich nicht. Ich saß zu- sammen mit Blind Guardian in der Umkleide und feierte aus- giebig, als Ossi mich anrief und mir sagte, dass die Jungs doch bitte ihre Kohle abholen sollten, damit er endlich heimfahren könne. Ich packte Hansi amArm, und wir liefen von der Umkleide zum Abrechnungsraum, der sich im ersten Stock befand. Ihr kennt sicher diese in die Jahre gekommenen Festhallen mit den Emporen und den halb- runden Ecktreppen. Und genau eine solche Treppe, bei der die Stufenkanten mittlerweile schön rund abgelaufen waren, stiegen wir zusammen hoch, um die Bandgage abzuholen. Wir betra- ten den Raum, in dem Ossi auf uns mit den Worten wartete: „Hmm, was soll ich sagen? Das ist jetzt alles etwas doof. Alle Bands sind ausbezahlt, und jetzt habe ich nur noch kleine Schei- ne, also 5er, 10er und 20 Mark- Scheine . . .“ Darauf Hansi: „Egal, das ist auch Asche.“ Ossi wieder: „Tja, aber ich habe auch keine Banderolen mehr.“ Hansi: „Hast inen Gummi?“ Ossi: „Nö.“ Hansi: „Plastiktüte?“ Ossi: „Alles weg, verschränke mal deine Arme.“ Hansi verschränkte seine Arme vor der Brust. Ossi begann, die Geldbündel über Kreuz auf Han- sis Armen zu stapeln: 5er, 10er und 20er. Ossi: „950, 1000, 950, 2000, 950, 3000 . . .“ Und so wei- ter. Die Türme aus kleinen Scheinen wurden immer höher. Als Ossi fertig war, fixierte Han- si die oberste Reihe versuchs- weise mit seinem Kinn. Ich öff- nete die Tür, Hansi lief um die Ecke – und wie kann es anders sein? Hansi rutschte auf der obersten Stufe aufgrund der abgefitschelten Stufenkante aus, riss die Arme in die Höhe, um sich am Geländer festzu- halten. Die Scheine schossen in die Hö- he, woraufhin sich ein Geldregen vom oberen Teil der Treppe übers Ge- länder in die Halle er- streckte, während Hansi auf dem Allerwertesten – popp, popp, popp – die Treppenstufen run- terrutschte und sich, lauthals „Scheißeee!“ schreiend, die Lachtränen aus den Augen wischte. Dann steckte Hansi das T-Shirt vorne in die Hose, und als wir uns wieder eingekriegt hatten, halfen wir ihm, die Schei- ne zusammenzuklauben, die er sich dann mit den Worten „geile Party!“ vorne ins T-Shirt stopfte. Noch im Jahr danach konn- te man den ein oder an- deren Schein in den Rit- zen dieser Treppe finden . . . Dee Snider (Balingen, 2001) Ich sah Dee Snider im Jahr 2000 das erste Mal in Wacken als Er- satz für eine ausgefallene Band nachmittags um sechs Uhr. Zu- gegeben: Ich war nie der riesen- große :isted- ister-Fan. Das Album „Under The Blade“ fand ich cool, „You canWt Stop Rock And Roll“ fand ich okay, „Stay Hungry“ ging etwas an mir vor- bei, aber ich mochte die Songs „WeWre Not Gonna Take It“ und „The Price“. Doch was ich da- mals auf der Bühne zu sehen be- kam, hat mich umgehauen. Ich musste diese Rampensau als Headliner für 2001 nach Balin- gen holen. Dee lieferte bei uns ei- nen Mega-Auftritt auf der Balin- ger Bühne ab, beschimpfte den Himmel und drohte dem Re- gengott. Beim letzten Song „SMF“ öffnete der Himmel seine Pforten, es goss in Strömen und Dee stand auf dem Laufsteg mit- ten drin. Kein einziger Fan ver- ließ das Gelände. Nach gefühlten zehn oder zwölf Flaschen Pilswar die Show zu Ende und ich ziemlich an- geschickert. Ich hatte eines meiner Konzert-Highlights erlebt undmachtemich auf den Weg zu Dees Um- kleidekabine, um mich höflich zu bedanken. Ich öffnete die Tür. Drin stand der blon- de Hüne oberkör- perfrei und trocknete sich ab. Ich ging auf ihn zu, nahm ihn in den Arm, drückte ihn und sagte schlicht „Thank you very much!“. Dee sah mich mit großen Augen an. Mir schien, als hätten es unsere Kollegen aus den USA nicht ganz so gerne, wenn Männer Männer drücken. Etwas verun- sichert ließ ich ihn los, sagte „Sorry“ und verließ die Kabine. Die Fans standen immer nochvor der Bühne und sangen „WeWre Not Gonna Take It“. Ich ging zu- rück zu Ines, damals „nur“ meine Freundin, köpfte einweiteres Pils und sagte: „Ich habe mich eben bei Dee Snider bedankt.“ Worauf Ines entgegnete: „Das ist doch okay.“ Und ich sagte: „Ja, aber ich habe ihn in den Arm genommen, und ich glaube, er hat das nicht gemocht.“ Ein Pils später kam Danny, Dees Assistent, dazu und meinte forsch: „Komm mit, Dee will mit dir reden!“ Ich folgte wortlos in die Kabine. Dee drehte sich zu mir um und schrie (ja, er schrieM mich an: „NOCH NIEMALS IN MEINER GESAMTEN KARRIERE HAT SICH EIN VERANSTALTER AUF DIESEWEISE BEI MIR BE- DANKT.“ Leiser fuhr er fort: „Ich bin dabei, Twisted Sister wieder zu reformieren. Ich weiß nicht, ob das noch ein oder zwei Jahre dauert. Wenn es aber soweit ist, und du es willst, würde ich dir die erste Show in Deutschland geben.“ Mir kamen fast die Trä- nen. Damit hatte ich nicht ge- rechnet. Eineinhalb Jahre später rief Dee mich an, der Rest ist Ge- schichte. Und die Fans singen noch heute begeistert: „WeWre Not Gonna Take It“. Lizzy Borden (Balingen, 1999) Das Bang Your Head fand zum ersten Mal in Balingen statt. Eine der Bands nannte sich Lizzy Bor- den. Lizzy Borden war eine Da- me aus Amerika, die der Legen- de nach ihre Eltern mit einer Axt erschlagen hatte. Der Sänger der Band hatte sich ebenfalls den Ei- gennamen Lizzy Borden gege- ben. In die gesamte Show waren Horrorelemente integriert. Lizzy zerriss Federkissen, „schneite“ das Publikum mit Federn ein, er- schien als Vampir, als Gevatter Tod und ganz am Schluss als Skelett mit Latexmaske in einer Abtsrobe und brachte eine ei- gens aus den Staaten eingeflo- gene Axt mit auf die Bühne. An einer bestimmten Stelle zog er die Latexmaske etwas nach oben, leckte an der scharfen Seite der Axt, das Kunstblut floss in Strö- men aus seinemMund an der Axt entlang und seine Robe hinunter. Das Publikum drehte fast durch: Die Band war eines der High- lights des Tages. Nach der Show feierte Lizzy seinenErfolg die ganzeNachtmit uns. Leider vergaß er dabei, dass er früh morgens zurück nach LA fliegen musste. So kam es, dass er und seine Jungs gerade noch Zeit hatten, sämtliche Kostüme und das E4uipment ins Handge- päck zu werfen, um es noch rechtzeitig an den Flughafen zu schaffen. Ganz nebenbei be- merkt hatte Lizzy nicht einmal mehr Zeit gehabt, sich abzu- schminkenunddasKunstblut aus dem Gesicht zu waschen. Etwa 20 Stunden später bekamen wir von Lizzy eine Mail, die uns die Lachtränen in die Augen trieb. Voller Dramaturgie schilderte er uns, dass er beim Einchecken am Stuttgarter Flughafen von sechs mit MPs bewaffneten Unifor- mierten umringt in den Neben- raum begleitet wurde, wo einer der Beamten die blutüberström- te Axt aus dem Handgepäck zog und auf den Tisch legte. Noch immer hatte er Kunstblut im Ge- sicht. Er erklärte, dass er in Ba- lingen bei eine Rockkonzert ge- spielt hatte und die Axt ein Showutensil wäre. Alle Passa- giere hatten eingecheckt, nur Lizzy saß noch imVerhörraum. Mittlerweile war die „Tropf- pfütze“ auf etwa fünf Zentimeter Durchmesser angeschwollen, bis sie ihm nach etwa 25 Minuten „Verhör“ dann zu verstehen ge- geben hätten, dass man ein sol- ches Spaltgerät nicht unbedingt im Handgepäck transportieren sollte, da dies unweigerlich zu Komplikationen führen würde. Danach musste er Autogramme geben und wurde mit etwas Missmut im Flieger von den rest- lichen Reisenden empfangen. Und die Axt tropft wohl immer noch im Verhörraum des Stutt- garter Flughafens vor sich hin . . . Ich bekam einen Lachflash. Die Plauze passte nicht mehr in den Latexanzug. Alle Passagiere hatten eingecheckt, nur Lizzy saß noch im Verhörraum. R $R VON FESTIVALCHEF HORST FRANZ So gerührt hat man die Headbanger in Balingen selten gesehen. Im Jahr 2005 tritt Horst – damals noch – Odermatt mit seiner Ines auf die Bühne. Der Hei- ratsantrag vor 20 000 Zuschauern bleibt unvergessen. Foto: Roland Beck * H DES BYH 000 He5toliter Bier wurden auf dem Bang-Your-Head-Festival in den ver- gangenen 20 Jahren ausgeschenkt. Macht umgerechnet in Litern: 600 000. Eine ziemlich stattliche Summe des kühlen Gerstensafts. GehĘrt aber natürlich zum Festival dazu. Çbrigens: 'ie ihr euer Bier beim Campen am besten kühlt, lest ihr auf den Ratgeberseiten weiter hinten. Die offizielle BYH-Heirats?r5?nde . . . hat unser Fotograf Roland Beck seinerzeit natürlich für die Ewigkeit festge- halten. Sie wurde unterzeichnet von den „Zeugen“ Ines Franz, Dee Snider, Horst Odermatt und Sebastian Bach. 7AĪ

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