Schon fast vergessen: Im Januar gab es Hochwasser wie hier bei Donaueschingen. Später folgte eine lange trockene Periode in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger/dpa
Schon fast vergessen: Im Januar gab es Hochwasser wie hier bei Donaueschingen. Später folgte eine lange trockene Periode in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger/dpa
Schon fast vergessen: Im Januar gab es Hochwasser wie hier bei Donaueschingen. Später folgte eine lange trockene Periode in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger/dpa
Schon fast vergessen: Im Januar gab es Hochwasser wie hier bei Donaueschingen. Später folgte eine lange trockene Periode in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger/dpa

Tübingen/Stuttgart , Freitag, 7. Dezember 2018

Nach der Flut kommt die Dürre

Ein Jahr mit außergewöhnlichem Wetter neigt sich dem Ende zu. Nach Hochwassern im Januar wurde Regen zusehends zur Mangelware in Baden-Württemberg.

von LSW

Der „Turbo-Sommer“ begann eigentlich schon im Mai nach einem überdurchschnittlich warmen April. Selbst im Oktober wurden noch meteorologische Sommertage mit 25 Grad und mehr erreicht. Die Sonnenscheinstunden lagen Monat für Monat deutlich über den langjährigen Vergleichswerten.

„Wir haben ein Jahr der Extreme hinter uns“, sagt Vorstandsmitglied Albert Bösch vom Internationalen Bodensee-Fischereiverband. Hitze und Trockenheit ebenso wie Hochwasser hätten er und seine Kollegen in diesem Jahr am Bodensee erlebt. Und nicht nur dort: Ganz Baden-Württemberg hat 2018 außergewöhnliches Wetter zu spüren bekommen.

„Hitzejahr ist ein Begriff, den wir nicht verwenden, aber es ist ein sehr warmes Jahr“, sagt Meteorologe Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) rund einen Monat vor Jahresende. Extrem häufig schien zum Beispiel die Sonne: „Die Stationen haben im Durchschnitt 126 Prozent der normalen Sonnenscheindauer gemessen. Das ist eine ziemlich starke Abweichung.“

81,9 Tage mit Temperaturen über 25 Grad registrierten die Südwest-Stationen laut DWD im Schnitt, mehr als im Jahr des Jahrhundertsommers 2003. „Da waren es nur 81,5.“ Der Meteorologe klingt beim Blick auf die Tabellen selbst etwas erstaunt. Denn auch Frühling und Herbst waren deutlich wärmer als üblich.

Die höchste Temperatur wurde Ende Juli in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) gemessen: 38,3 Grad. Ingelfingen im Hohenlohekreis hat die außergewöhnliche Wärme wie kein anderer Ort zu spüren bekommen. Dort war es im Sommer mit 20,1 Grad durchschnittlich um 4,1 Grad wärmer als sonst. In Stuttgart übertrafen die Werte das Mittel um 3,5 Grad.

Auf der Suche nach Abkühlung kamen in Stuttgart, Konstanz, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim und anderswo deutlich mehr Besucher als 2017 in die Freibäder. In einigen Bädern ging die Saison sogar eine Woche in die Verlängerung.

Profitiert haben auch die Weinbauern. „Es war ein Spitzenjahr mit Spitzenernte. Ein Spitzenjahrgang“, fasst es Ariane Amstutz, Sprecherin des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg, zusammen.

Das gilt längst nicht für alle Landwirte. Viele hätten unter der Trockenheit gelitten: „Vom Glück in extreme Sorge, das lag relativ nah beieinander.“ Denn wenn es Regen gab, sei der nur sehr lokal gefallen. „Ich erinnere mich an einen Fall in Nordwürttemberg, da hat es zweimal Hochwasser in einem Ort gegeben, und bei einem Landwirt, der zwei Kilometer entfernt war, hat es wochenlang nicht geregnet.“

Laut Amstutz gab es Gewinner- und Verliererkulturen: „Für die Kartoffeln war es zu trocken, die Knollen sind kleiner geblieben als sonst.“ Die Getreideernte sei glimpflich ausgegangen, dramatisch sei die Lage hingegen bei Gras und Mais. „Wir haben Betriebe, die überhaupt kein Futter ernten konnten für ihre Rinder.“ Dem Obst hat die viele Sonne gut getan. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei Baden-Württemberg noch glimpflich davon gekommen, „weil diese extreme Dürre vor allem den Norden und Osten getroffen hat“, erklärt Meteorologe Pfaffenzeller. Dennoch: Der Rhein etwa führte über Monaten Niedrigwasser. Erst seit ein paar Tagen entspannt sich die Lage.

„Im Juni hatten wir noch einen relativ hohen Wasserstand, dann ging es runter“, sagt Leiter der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, Manfred Bremicker. Der Wasserstand am Pegel Maxau (Karlsruhe) fiel am 26. November auf 3,11 Meter – „dies ist der niedrigste Wasserstand seit 1972“. Seit Februar fehlten dann Niederschläge, erzählt Bremicker. „Nach zwei Hochwassern kurz nacheinander im Januar begann schon die trockene Witterung.“ Linda Vogt, dpa

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