Roland Müller. Foto: Volkmar Könneke
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Freiburg, Donnerstag, 17. Mai 2018

Wider das Bauchgefühl

von ROLAND MÜLLER

Gefesselt, reihum missbraucht, auf Video gebannt: Der jahrelange Missbrauch an dem kleinen Luca in Staufen ist einer der schlimmsten Fälle, die die Republik gesehen hat. Einige Details des Prozesses waren zu schrecklich, um sie zu berichten – die Skrupellosigkeit und kriminelle Energie, die die Täter aufbrachten, indem sie ein Kind zur Ware im Darknet machten, rauben einem den Atem.

Daran gemessen wirken die acht Jahre Haft für den 50-jährigen Soldaten Knut S. nahezu milde. Das Höchstmaß für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern liegt bei 15 Jahren. Was muss passieren, dass dieses Maß ausgeschöpft wird?

Doch isoliert für diesen Angeklagten betrachtet, ist der Richterspruch juristisch nachvollziehbar: Der 50-Jährige ist Ersttäter, er war bisher „nur“ wegen Besitzes von Kinderpornos vorbelastet. Er gilt als therapierbar, und er war „nur“ zweimal am Martyrium des Kindes beteiligt. Wenn die Haupttäter in dem Fall, die Mutter und ihr Lebensgefährte, abgeurteilt werden, dürfte der Strafrahmen eher ausgeschöpft werden.

Ein Straf-Rabatt nur, weil es immer noch schlimmer geht, mag ein schales Gefühl hinterlassen. Doch die nüchterne Arithmetik des Rechts muss am Ende auch das Unfassbare in Fakten und Zahlen abwägen. Im Prozess blickten die Richter in Abgründe, als etwa Videos des Missbrauchs abgespielt wurden. Ihr Job ist es, dennoch mit kühlem Kopf zu urteilen. Für Bauchgefühl ist da kein Platz.

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