Ludwig II ca. 1884

München, 16.06.1886

Ludwig II von Bayern der Exzentriker

 

Die erste Kunde von den Seltsamkeiten in den Gewohnheiten des "König Sonderlings" kam mit dem Bericht, dass er die Nacht zum Tag verkehre und den Tag zur Nacht." König Ludwig hat seit Jahrzehnten alle Arbeit sich für die Nachtstunden aufbehalten; da las er die eingelangten Berichte, und zahllose Zeitungen. War die Arbeit getan, dann spielte er mit seinem Adjutanten Billard und es war noch die gute Zeit, als er einem seiner erklärten Lieblinge auf der Stelle die Entlassung gab, weil der Arme beim Billardspiel mit seinem König - eingeschlafen war. Gar oft ist der Sänger Vogel nach der Vorstellung von der königlichen Ordre überrascht worden, um eine bestimmte Stunde der Nacht auf einem der Schlösser der Königs zu erscheinen, und der Sänger hatte dann Not und Mühe, zur anberaumten Stunde auch pünktlich auf dem Platze zu sein.

Er sang dann eine vom König befohlene Arie und wurde darauf wieder nach seinem Heim zurückgeleitet.

Von allen seinen Verwandten, ist es nur eine Prinzessin, die sich der besonderen Liebenswürdigkeiten des Königs erfreuen konnte, und diese so schmeichelhaften Huldigungen kamen infolge der Gewohnheiten des Königs so unbequem als nur möglich. So manche Mitternacht hat Prinzessin Gisela, die Tochter des Kaisers von Österreich, aus bestem Schlafe sich reißen lassen müssen, um einen expressen Bote des Königs - zumeist einen Chevauxleger-Offizier - zu empfangen, der ihr vom Schachen oder vom Linderhof einen Blumenstrauß brachte. Königliche Ordre war: Sofort beim Eintreffen in München der Prinzessin persönlich zu überreichen.

Die nächtlichen Fahrten und die Ritte des Königs von einem seiner Märchenschlösser zum anderen sind bekannt - minder bekannt ist es, warum die Ritte seit ungefähr 6 Jahren unterblieben sind. Es war ein furchtbarer Sturz, den der König gelegentlich eines solchen Nachtritts in die Berge in einem Hohlweg nächst Berg getan hat und er trug damals eine schwere Verwundung an empfindlicher Stelle davon, die eine Operation notwendig gemacht hat. Von dieser Operation datiert auch die zunehmende ungewöhnliche Verfettung Ludwig´s, die in den letzten Monaten noch durch eine krankhafte Essgier gefördert wurde. König Ludwig hat sich oft allstündlich große Schüsseln mit Speisen servieren lassen. Und das geschah alles des Nachts. Seine ganze Umgebung musste sich dieser Lebensweise anbequemen und selbst die Messen in der Schlosskapelle wurden immer um Mitternacht gelesen.

Die Reitpeitsche herrschte sehr unbarmherzig in seiner Umgebung und einem seiner Diener schlug der König sogar ein Auge heraus, was die Kabinettskasse dann viel Geld gekostet hat. Zuletzt wurde es allerdings noch schlimmer; statt der Reitpeitsche nahm der König die Teekanne und goss dem Verbrecher gegen die Majestät den heißen Tee in den Nacken.

Nur einer blieb von diesen Ausbrüchen verschont, das war der Friseur Hoppe, den der König bekanntlich zuletzt mit der Bildung eines Ministeriums betraut hat. Er durfte ihm Gesellschaft leisten und zuweilen wurde irgend ein Bediensteter noch zugezogen.

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