26.02.2019

Leserbrief

So viele Missverständnisse kann es gar nicht geben

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: „Die Balinger Kulisse stand zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion“ und „Die Gallier im Zollernalbkreis formulieren den Widerstand“, vom 21. Februar.

Wer hält in unverantwortlicher Weise seine schützende Hand über den rechtlich undurchsichtigen, von Holcim vereinnahmten Plettenberg? Die Müllverbrennungsanlage im Zementwerk als größter Luftverschmutzer im Kreis darf wohl ihre Giftstoffe schlecht gereinigt und kaum kontrolliert in die Umwelt blasen. Bei vorherrschendem Westwind senken sich die Giftstoffe bis über Balingen und weiter darüber hinaus.
Die Gesundheit der Bevölkerung, der Erhalt von Trinkwasserquellen und die Rettung der bestehenden Artenvielfalt müssten doch oberste Priorität haben. Wo bleibt der Aufschrei der wirklichen und noch nicht fremdgesteuerten Umwelt- und Naturschützer? Die mutige dreiköpfige FDP-Fraktion im Regionalverband brachte am 5. Juni 2018 bei der Abstimmung einen Antrag zur maximalen Erweiterung um 8,6 ha und zum Naturschutz des restlichen Plettenbergs ein. Es zählten nur die wohl bestellten und damals schon überholten und damit falschen Gutachten.
Die damals schon bekannten neuen Erkenntnisse zur Heidelerche und weiteren Brutvorkommen seltenster Vögel wurden ignoriert, ebenso das Problem der Abbruchkanten. Es stellt sich die Frage, ob die Abstimmung aufgrund falscher Gutachten überhaupt rechtswirksam ist.
Bei der Abstimmung im Regionalverband stimmten der Landrat mit der CDU sowie die SPD geschlossen für die Erweiterung plus zusätzlich möglicher zukünftiger Abbaufläche (Rohstoffsicherungsgebiet) – ohne Naturschutz für den Rest. Die vier anwesenden Grünen und drei Freie Wähler stimmten mit der FDP gegen die doppelte Erweiterung (10:34).
Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die CDU und SPD im Juni 2018 einen Freifahrschein zum Abbau quasi des restlichen Berges in 10 bis 20 Jahren erteilt haben und dies ohne Gegenleistung. Zwar wollte der Balinger OB in einer gewissen Doppelmoral offen sein für den Umwelt- und Naturschutz, aber CDU und SPD stimmten doch geschlossen gegen den Antrag von FDP und Grünen. Heute spricht man von Missverständnissen. Aber so viele Missverständnisse kann es gar nicht geben.
Die Frage nach Transparenz, Kontrolle und Verantwortlichkeit bleibt weiterhin unbeantwortet. Wenn man schon nichts oder wenig gegen die Luftverschmutzung durch die Müllverbrennung tun will, dann sollte doch wenigstens die Plettenbergsilhouette „ohne Abbruch der Kante“ auch als Schutz für die anliegenden Gemeinden bewahrt werden.
Dr. Ingrid Helber
Westerwaldstraße 17,
Frommern

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Plettenbergabbau.

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