Weil er zu engagiert ist: CDU erteilt Melle eine Abfuhr

Albstadt, 11.02.2019

Weil er zu engagiert ist: CDU erteilt Heiko Peter Melle eine Abfuhr

Der Vorstand der Albstädter Christdemokraten beruft sich auf das Bemühen um Neutralität und verwehrt dem umtriebigen Lautlinger einen Listenplatz.

Die Kommunalwahlen im Mai werfen ihre Schatten voraus. Die Parteien haben teilweise schon ihre Kandidaten für die Gemeinderatswahl nominiert oder sind in den letzten Zügen bei der Aufstellung. Am kommenden Freitag wird auch die Mitgliederversammlung der Albstädter CDU offiziell entscheiden, wen sie für die Sitze im Stadtparlament ins Rennen schicken will.

Fühlt sich vor den Kopf gestoßen: Die Albstädter CDU will Heiko Peter Melle nicht auf ihrer Kandidatenliste haben.
Fühlt sich vor den Kopf gestoßen: Die Albstädter CDU will Heiko Peter Melle nicht auf ihrer Kandidatenliste haben. Foto: Privat

Einer, der bereit gewesen wäre, seinen Hut in den Ring zu werfen, wird nicht auf der CDU-Bewerberliste stehen: Heiko Peter Melle, 50 Jahre alt, von Jugend an engagiert in seinem Heimatort Lautlingen, aktiv im Vereinsleben und ein Quell des Wissens, wenn es um die lokale Geschichte geht. Seit 2013 ist Melle Vorsitzender des Kreisblasmusikverbands.

Melle hatte drei Angebote

„Ich habe im Vorfeld von Grünen, FDP und CDU (in Person Roland Tralmer) das Angebot bekommen, auf deren Listen zu kandidieren“, schreibt Heiko Peter Melle in einer auch dem ZAK vorliegenden E-Mail an die „Engagierten Lautlinger Bürger“ (ELB).

Seit geraumer Zeit unterstützt Melle deren Kampf für eine Tunnellösung in Sachen Ortsumfahrung. Da er CDU-Mitglied sei, habe er es für loyal gehalten, den erstgenannten Fraktionen abzusagen. „Auch hier galt für mich, für die Überzeugung einzustehen.“

„Nachdem sich im Stadtverband einige Personen wohl mit mir persönlich als auch mit meiner Überzeugung zur Ortsumfahrung B 463 nicht anfreunden konnten“, heißt es in der E-Mail an seine Mitstreiter weiter, „erhielt ich nachstehende E-Mail vom Stadtverbandsvorsitzenden.“

Dann zitiert Melle den Albstädter CDU-Chef Roland Tralmer wie folgt: „Gestern Abend haben wir über Stunden im Ortsvorstand die Kommunalwahlliste diskutiert. Dies insbesondere hinsichtlich der Situation in Lautlingen. Es hat sich dabei eine klare Mehrheit dahingehend herauskristallisiert, dass auf dem offiziellen Vorschlag des Stadtverbandsvorstands weder Vertreter der Lautlinger 'Pro-Amtstrassen-Bewegung', noch im Gegensatz dazu solche der Bürgerinitiativen gegen die Amtstrasse stehen sollten. Warum? Im Wesentlichen ging es darum, dass die Mehrheit der Überzeugung war, dass durch eine solche Festlegung wir unseren Status als Ansprechpartner für beide Strömungen verlieren würden und für den unbedarften Betrachter der Eindruck entstehen könnte, wir würden uns von einer der Seiten vereinnahmen lassen. Das sollte dringlich vermieden werden.“

Wenn es am Nominierungsabend anderweitige Vorschläge, respektive Gegenkandidaten für einzelne Listenplätze aus den Reihen der Mitglieder geben sollte, so Tralmer, werde die Versammlung hierüber geheim abstimmen. „Diese Option steht allen Mitgliedern der CDU selbstverständlich offen.“

Angesichts dieser Begründung für die Ablehnung ist Heiko Peter Melle empört. Das Vorgehen sei „absolut undemokratisch“ und „unmöglich“, kritisiert er den CDU-Vorstand. Dass sich die Partei angesichts der aktuellen Umfragewerte „solche Spielchen“ erlaube, findet er „interessant“.

Die Gründe für die Absage hält Melle teilweise für vorgeschoben. „Eher ist es wohl so, dass man Ja-Sager und Parteisoldaten sucht, beides eher nicht mein Ding“. Er habe mehr auf seiner Agenda, sagt er, als die Ortsumfahrung, In Lautlingen gebe es viele andere Themen.

„Wir hatten mehr Interessenten als Listenplätze“, erläutert Roland Tralmer auf Nachfrage des ZAK die Entscheidung gegen Melle. „Im Hinblick auf die schwierige Situation in Lautlingen mit mehreren Initiativen und mit nur einem Kandidaten von einer BI auf dem Vorschlag des Vorstands hätte man das als Zeichen sehen können, dass wir potenziell einer der dortigen Richtungen zuneigen würden – das wollten wir nicht.“

Das wäre eine Bevorteilung einer Strömung. Der Vorschlag beinhalte nun zwei Lautlinger Kandidaten, die nicht exponiert seien.

Ein Gespräch, das die ELB am Montag mit der CDU-Fraktion gehabt hätten, hat die Bürgerinitiative abgesagt. Die FDP hält laut Melle ihr Angebot an ihn weiter aufrecht.

Allerdings sehe er seine Präferenzen nun anders und werde das Thema aktive Kommunalpolitik „auch aus privaten und gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen“. Seine CDU-Mitgliedschaft werde er kündigen.

Melle hält sich jedoch die Möglichkeit offen, auf der Lautlinger Liste „Zukunft für unser Dorf“ für den Ortschaftsrat anzutreten. Am 22. Februar ist die Nominierungsveranstaltung.

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