Ratshausen und Hausen lassen Gutachten überprüfen

Ratshausen/Hausen, 21.01.2019

Ratshausen und Hausen lassen Holcim-Gutachten überprüfen

Die Schlichemtalgemeinden wurden wegen der geplanten Steinbrucherweiterung von Holcim selbst aktiv. Dabei fanden sich einige Mängel.

Die Gemeinderäte aus Ratshausen und Hausen am Tann sehen die Gutachten skeptisch, die von der Firma Holcim zur Erteilung einer immissionsrechtlichen Änderungsgenehmigung für die Süderweiterung des Steinbruchs auf dem Plettenberg vorgelegt worden sind.

Der Plettenberg ist für Ratshausen und Hausen nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern auch Trinkwasserlieferant.
Der Plettenberg ist für Ratshausen und Hausen nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern auch Trinkwasserlieferant. Foto: Daniel Seeburger

Deshalb ließen die beiden Gremien die Bewertungen unter die Lupe nehmen - von eigenen Gutachtern. Und die wissen durchaus Interessantes zu berichten.

So attestiert das Büro HPC aus Rottenburg dem von Holcim vorgelegten Gutachten zur Hydrogeologie Defizite. 

Das Fazit des Gegengutachtens hat Bürgermeister Heiko Lebherz in einer Stellungnahme, die vom Gemeinderat in der Sitzung am Donnerstag beraten wird, zusammengefasst: „Der gutachterliche Nachweis enthält deutliche Defizite“.

Er verweist auf das HPC-Gutachten und fügt an, „dass der Ausschluss von Risiken für die Eigenwasserversorgung in einem nicht hinreichenden Maß geprüft wurde“.

Er werde den Gemeinderäten empfehlen, dass Holcim Sonderrücklagen auf einem Gemeindekonto anlegt, die angezapft werden können, falls die Quellschüttungen der Gemeinde beeinträchtigt werden, so Lebherz.

Ähnliches habe die Firma Rohrbach schon bei der letzten Brucherweiterung vor rund 40 Jahren gemacht. Diese Rücklagen belaufen sich aktuell auf 42 000 Euro. „Das ist viel zu wenig“, erklärte der Bürgermeister.

Skepsis bei Sprengungen

Zu einem für das Zementunternehmen positiven Ergebnis kommt der Experte, der das Erweiterungsgutachten von Holcim zu den Sprengungen untersucht hat: „Grundsätzlich sind die Ausführungen im Gutachten plausibel ausgeführt, so dass prinzipiell aus Seiten des Immissionsschutzes (Erschütterungen, Steinflug) einer Erweiterung des Steinbruchs nichts im Wege steht.“

Trotz dieser Bewertung bleibt Lebherz skeptisch. Seiner Ansicht nach sollte die Entwicklung der Immobilienwerte mehr berücksichtigt werden. Bei Verkauf von Wohnraum würden sich die Sprengungen negativ auf die Preise auswirken.

„Da lässt man uns alleine“, bemängelt der Bürgermeister. Sein Vorschlag: Holcim sollte im Gemeinwesen Ratshausens investieren.

Ein weiteres Gutachten beschäftigt sich mit der Standsicherheit der Hangkante in Richtung Ratshausen. Hier geht der Experte der Gemeinden davon aus, dass vom Holcim-Gutachten alle wissenschaftlichen Belange abgedeckt werden.

Aber auch hier hinterfragt Heiko Lebherz die Ergebnisse. Seiner Ansicht nach kann die Aushöhlung des Plettenbergs die Standsicherheit negativ beeinflussen, obwohl beide Gutachter nicht dieser Meinung sind.

Er verweist auf den Hangrutsch von 1851, aber auch auf die Erdbewegung, die erst vor wenigen Jahren einen Weg unpassierbar gemacht hat. Die Hangschuttmassen an den Bergflanken seien permanenten Verlagerungsprozessen unterworfen, heißt es in der Stellungnahme.

Und weiter: „Eine Veränderung der hydrogeologischen Situation am Plettenberg durch den Abtrag von Deckschichten und Verlegung von Wasserströmen kann zu einer weiteren Destabilisierung der Standsicherheit der geologischen Situation führen.“

Fehlende Informationen

Das klimatische Gutachten, das so genannte Stickstoffdepositionsgutachten, betreffe ausschließlich die Gemeinde Hausen, so Lebherz. Hier sieht der Experte der Gemeinden an mehreren Stellen formale Mängel und fehlende Informationen.

Bürgermeister Heiko Lebherz will die Stellungnahme der Gemeinde in der Gemeinderatssitzung, die am Donnerstag, 24. Januar, um 19 Uhr im Rathaus stattfindet, vorstellen. Ab nächster Woche sollen dann, wenn der Gemeinderat nichts anderes beschließt, die Gutachten heruntergeladen werden können.

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