12.12.2018

Leserbrief

Etwa schon aufgeräumt für die Gartenschau?

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
In Balingen zu wohnen, ist für Naturliebhaber und Hobby-Ornithologen schön.
Wobei, ich sollte wohl besser sagen, es war schön. In letzter Zeit ist es eher so, dass man täglich den Kopf über die Entscheidungen schütteln kann, die hier gegen die Natur und die Natürlichkeit getroffen werden.
War es schon schlimm genug, dass im Zuge von Bebauungsmaßnahmen der große verwilderte Garten nahe dem Stadtpark (Stadtgraben/Gerbertor) nebst gesunder Nadelbäume, rund sechs Stück an der Zahl, der Planierraupe und der Kettensäge zum Opfer fielen und damit zahllose Singvögel, Blindschleichen, Insekten und Nager ihrer Rückzugsmöglichkeiten beraubt wurden, geht es nun mit der Korrektur der Sträucher und Bäume entlang der Eyach munter weiter. Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass für die kommende Gartenschau alles schön „aufgeräumt“ aussehen soll.
Die bisher vorgestellten Ideen nebst Beachvolleyballplatz und Flaniermeile sehen für mich alles andere als naturnah aus, sondern eben dem menschlichen Auge angenehm, schön begradigt und bloß nicht zu urwüchsig.
Oder wie anders ist zu erklären, dass just die Weiden gefällt und abgesägt werden, in denen noch bis vor drei Tagen der Eisvogel beim Ansitzen beobachtet werden konnte? Balingen hat(te) für eine Stadt einen recht anspruchsvollen und interessanten Vogelbestand, der besagte Eisvogel ist neben der Wasseramsel, Distelfinken und Bachstelzen nur ein – wenn auch besonders schützenswertes –Beispiel dafür. Gibt es eigentlich keinen Naturschutzbeauftragten im Rathaus, der vor solchen Rückschnittaktionen eine Stellungnahme abgeben könnte, der überhaupt gefragt wird? Interessiert es niemanden, dass die Eyach nicht nur ein Fluss ist, der durch das Städtchen führt, sondern auch Lebensraum von Tieren, die irgendwie mit uns und unserem Zurechtstutzwahn zurande kommen müssen? Ich finde das einfach nur schade und traurig, wenn ich sehe, wie das Eyachufer derzeit aussieht. Und ich habe ganz und gar kein gutes Gefühl, wenn ich daran denke, was im Zuge der Landesgartenschau noch auf mich, andere Naturfreunde und die Natur zukommen mag.
Sandra Judersleben
Im Zwinger 1
Balingen

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