Bild Stausee: Es gibt kein Wasser mehr fürs Zementwerk

Dotternhausen, 22.10.2018

Stausee: Es gibt kein Wasser mehr fürs Zementwerk

Die Trockenheit lässt den Pegel des Schömberger Gewässers sinken. Holcim bezieht jetzt Kühlwasser von der Hohenberggruppe.

von Nicole Leukhardt und Daniel Seeburger  

In den vergangenen Wochen ist der Schömberger Stausee aufgrund der Trockenheit immer mehr ausgetrocknet. Nun ist er nur noch ein etwas größerer Tümpel, der zudem von einer Algenplage heimgesucht wird. Der niedrige Pegelstand des Stausees stellt den Zementwerkbetreiber Holcim vor ein Problem: das Kühlwasser geht aus. „Dass der Stausee einmal so wenig Wasser hatte, daran kann sich keiner meiner Kollegen erinnern“ sagt Holcim-Pressesprecherin Sabine Schädle. Weil das Zementwerk für die Kühlung aber Wasser benötigt, muss es anderswo besorgt werden.

Zur Zeit werden im Schömberger Stausee Dinge sichtbar, die man sonst nie zu Gesicht bekommt: Im Vordergrund ist die Wasserentnahmestelle für das Dotternhausener Zementwerk.
Zur Zeit werden im Schömberger Stausee Dinge sichtbar, die man sonst nie zu Gesicht bekommt: Im Vordergrund ist die Wasserentnahmestelle für das Dotternhausener Zementwerk. Foto: Daniel Seeburger

Einen Teil beziehe Holcim aus dem Hochbehälter der Hohenberggruppe auf dem Palmbühlkapf. „Der andere Teil kommt von den Balinger Stadtwerken“ erklärt Schädle. Weil die Versorgung am Wochenende nicht anders zu organisieren war, seien am vergangenen Wochenende zwei Feuerwehrfahrzeuge aus Balingen und Hechingen eingesprungen, sagt die Pressesprecherin. Ein Umstand, der in Dotternhausen für Irritationen sorgte. Mehrere Leser hatten sich an den ZAK gewandt. „Seit Montag haben wir Traktoren im Einsatz, die uns Wasser liefern“ erklärt Schädle.

Der Feuerwehreinsatz werde natürlich nach Mann- und Fahrzeugstunde bezahlt. Der Schieber des Stausees zum Zementwerk ist zwar zu. „Aber der Pegel wird weiter sinken auch ohne unser Zutun“, erklärt Sabine Schädle. Denn der Stausee werde auch weiterhin die Schlichem speisen, damit die nicht austrocknet. Ein Sprecher des Regierungspräsidiums Tübingen bestätigt, dass Holcim seiner Behörde mitgeteilt hat, dass die Firma aufgrund des Niedrigwassers die Wasserentnahme seit dem 16. Oktober erheblich reduziert und seit dem 19. Oktober ganz eingestellt hat. Damit halte sich das Unternehmen an geltendes Recht, das in der wasserrechtlichen Erlaubnis, festgeschrieben ist.

Wer zu den Booten am Stauseekiosk kommen will, muss erst einmal ein Gefälle überwinden.
Wer zu den Booten am Stauseekiosk kommen will, muss erst einmal ein Gefälle überwinden.

„Schau mal, da unten, alles rot“. Ulrike Netzer, Pächterin des Stauseekiosks, zeigt zu ihren Booten. Das Wasser hat sich rotbraun verfärbt. „Da sind Leute gekommen und haben sich beschwert, weil sie gedacht haben, meine Boote verlieren Öl“, sagt sie. Dabei sind es Elektroboote. Die Burgunderblutalge verfärbt das Stauseewasser. Den Schiffsbetrieb hat Ulrike Netzer zwischenzeitlich eingestellt. Sie spricht von einer Sicherheitsmaßnahme wegen des niedrigen Wasserstandes. Wer zu den Booten will, muss eine kleine Klettertour machen, so tief ist zwischenzeitlich das Wasser gesunken. Problematisch seien auch die Schlammbänke, in denen die Boote stecken bleiben können.

Der Fischereiverein Schömberg-Balingen hat aktuell noch kein Problem mit dem Wasserstand. Der niedrige Pegelstand habe bisher noch keine schwerwiegenden Auswirkung auf die Populationen im See. „Es ist noch nicht dramatisch“, sagt der Vorsitzende Karl-Heinz Seybold, „aber es sollte bald einmal regnen“. Lediglich das Muschelaufkommen leide unter dem niedrigen Wasserstand. Doch hier gab es bereits „Rettungsaktionen“. Sowohl Mitarbeiter des Regierungspräsidiums als auch Vereinsmitglieder haben die Muscheln abgesammelt und in andere Gewässer gebracht, heißt es von Seiten des Regierungspräsidiums. Wenn der Pegel weiter sinkt, werde der Angelbetrieb ausgesetzt, erklärt Seybold.

 

Rund drei Meter unter dem normalen Pegelstand

Pegel Der aktuelle Pegel des Schömberger Stausees lag am Montag um 11 Uhr bei 637,35 Meter über Normalnull. Der Normalpegel liegt bei 640 bis 641 Metern. Bei Hochwasser geht der Wasserstand des Stausees auch mal über 644 Meter.

Wasserverlust Wie dramatisch der Wasserverlust des Stausees im Augenblick ist, zeigt der Vergleich mit den Werten von vor einer Woche. Am Montag, 15. Oktober, um 11 Uhr stand der Pegel bei 637,7 Meter über Normalnull. In einer Woche sank der Stauseepegel also um 35 Zentimeter.

Informationen Der aktuelle Pegelstand des Schömberger Stausees kann jederzeit unter der Telefonnummer 0 74 27 / 71 20 abgefragt werden. dan

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