Axel Petermann: „In jedem steckt Gutes und Böses“
Claus Cornelius Fischer (links) und Axel Petermann haben gemeinsam ein neues Buch geschrieben. Der Titel: Die Elemente des Todes. Axel Petermann wird am 19. Oktober im Tailfinger Thalia-Theater auf Einladung des Zollernalbklinikums aus seiner Zeit als Profiler bei der Bremer Kripo berichten. Der Abend wird präsentiert vom ZOLLERN-ALB-KURIER.
Claus Cornelius Fischer (links) und Axel Petermann haben gemeinsam ein neues Buch geschrieben. Der Titel: Die Elemente des Todes. Axel Petermann wird am 19. Oktober im Tailfinger Thalia-Theater auf Einladung des Zollernalbklinikums aus seiner Zeit als Profiler bei der Bremer Kripo berichten. Der Abend wird präsentiert vom ZOLLERN-ALB-KURIER.
Claus Cornelius Fischer (links) und Axel Petermann haben gemeinsam ein neues Buch geschrieben. Der Titel: Die Elemente des Todes. Axel Petermann wird am 19. Oktober im Tailfinger Thalia-Theater auf Einladung des Zollernalbklinikums aus seiner Zeit als Profiler bei der Bremer Kripo berichten. Der Abend wird präsentiert vom ZOLLERN-ALB-KURIER.
Claus Cornelius Fischer (links) und Axel Petermann haben gemeinsam ein neues Buch geschrieben. Der Titel: Die Elemente des Todes. Axel Petermann wird am 19. Oktober im Tailfinger Thalia-Theater auf Einladung des Zollernalbklinikums aus seiner Zeit als Profiler bei der Bremer Kripo berichten. Der Abend wird präsentiert vom ZOLLERN-ALB-KURIER.

Albstadt, 06.10.2018

Axel Petermann: „In jedem steckt Gutes und Böses“

Am Freitag, 19. Oktober, wird das Thalia-Theater in Albstadt zum Tatort. Axel Petermann und Professor Dr. Silke Grabherr nehmen ihre Gäste ab 19 Uhr mit auf Spurensuche, blicken in die Seelen von Mördern und tauchen ein in die Psyche von Verbrechern.

Silke Grabherr ist Direktorin am Institut für Rechtsmedizin in Lausanne-Genf. Die gebürtige Österreicherin leitet die Arbeitsgemeinschaft für forensische Bildgebung und gehört weltweit zu einer der führenden Expertinnen für die postmortale Angiographie.

Axel Petermann ist Bestsellerautor und war bis zu seiner Pensionierung vor vier Jahren Tatortanalytiker und Kriminalkommissar bei der Bremer Polizei. Wir haben ihm im Vorfeld zu der Veranstaltung, die der ZOLLERN-ALB-KURIER präsentiert und das Zollernalbklinikum veranstaltet, einige Fragen gestellt.

Wie kamen Sie zu Ihrem doch ungewöhnlichen Beruf?

Axel Petermann: Nachdem ich die Schule absolviert hatte, wusste ich noch nicht so recht, was ich in meinem späteren Leben eigentlich tun sollte: Jura studieren oder Bankbeamter werden zum Beispiel. Eines war mir jedoch gewiss, der Dienst bei der Bundeswehr – und das wollte ich nicht. So ging ich zur Bereitschaftspolizei, um dort 18 Monate zu bleiben und so den Wehrdienst zu umgehen. Es war für mich schon eine schwierige Zeit, doch mich reizte dann der Lehrstoff an der Landespolizeischule mit den Rechtsfächern und der Kriminalistik. Besonders ein Dozent sagte mir als Leiter der Mordkommission sehr zu, da er sehr anschaulich über Fälle, die sich in Bremen ereigneten, berichten konnte.

Als dann eine junge Frau, die in den Mai getanzt hatte, an einem Bahndamm getötet wurde, das Verbrechen sich als der Justizskandal von Bremen erwies, traf ich die Entscheidung, doch bei der Polizei zu bleiben, dann jedoch in der Mordkommission zu arbeiten. Die Fragen, weshalb ist das Verbrechen geschehen, warum gerade dieses Opfer und was war das Motiv, haben mich in den nächsten 20 Jahren sehr beschäftigt.

Doch bei der Beantwortung der Frage des Motivs war ich mir häufig nicht so sicher: Hatte der Täter in seinem Geständnis die Gründe tatsächlich auch so genannt, wie diese gewesen waren? Und hatte ich die Spuren am Tatort und an der Leiche richtig gelesen?

Als dann die Methodik der Fallanalyse bzw. des Profilings aus den Staaten nach Europa und Deutschland schwappten, wusste ich, dass dies ein Bereich sein würde, der mir Antworten auf meine Fragen geben würde, was die Intention des Täters bei seinem Handeln war.

Welche Eigenschaften zeichnen einen Profiler aus?

Petermann: Er sollte stets kritisch sein und sich unvoreingenommen einem Tatort nähern, dabei die Gesamtheit der Spuren betrachten, um die Fragen beantworten zu können: Was ist hier und warum geschehen?

Zudem sollte er die Gabe besitzen, sich im Rahmen einer Tat-rekonstruktion den Abläufen zu nähern und dabei die Bedürfnisse des Täters und dessen Motive zu erkennen; vage Aussagen wie: „Ich könnte mir vorstellen“ oder „Es müsste doch so gewesen sein“, haben keine Berechtigung in einer Analyse. Wichtig ist weiterhin, dass er vorliegende Ermittlungsergebnisse kritisch überprüft, er gut vernetzt ist, um auf seine Fragen schnelle und kompetente Antworten zu erhalten.

Das heißt nicht, dass er gegen den Strom schwimmt, doch kritische Fragen im Sinne eines Advocatus Diaboli sind gefordert: Wie würde sich ein Sachverhalt oder eine Verdächtigung darstellen, wenn man diesen unter einem völlig anderen Vorzeichen betrachten würde?

Wie verarbeiten Sie die Erkenntnisse, die Sie bei Ihrer Arbeit erhalten? Sie blicken ja öfter in menschliche Abgründe.

Petermann: Auch nach Jahrzehnten sind mir tatsächlich noch einige der von mir bearbeiteten Verbrechen sehr präsent – mit vielen Details und konkreten Bildern. Glücklicherweise gilt das nicht für alle Fälle, da ich sonst gar nicht unbefangen durch Bremen gehen könnte, ohne sofort Erinnerungen an dieses oder jenes Verbrechen zu haben.

Es sind im Wesentlichen die Taten, die ich auch in meinen Büchern und Vorträgen beschrieben habe; vielleicht meine Art des Umgangs mit dem Bösen.

Trotzdem ist es mir sehr wichtig, solche Taten neutral zu sehen; moralisch nicht zu werten und nicht das Böse aus dem Abgrund, in den ich dabei blicke, auf mich zurückstrahlen zu lassen. Ich sage mir immer, dass das Böse in der Tat liegt und nicht jeder, der getötet hat, per se ein böser Mensch sein muss.

Doch warum wird der eine zum Verbrecher, während der andere nur manchmal böse Gedanken hegt? Ist es die teuflische Versuchung des Sündenfalls. Sind es die Gene, Anomalien oder Traumatisierungen bestimmter Hirnareale, oder ist es allein die Kraft der Situation? Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch sowohl Anteile des Bösen als auch des Guten in sich trägt und stets diesem Wechselspiel ausgesetzt ist.

So kann der Mensch auf der einen Seite Gutes; auf der anderen Seite Schreckliches tun.

Was war ihr kuriosester oder spektakulärster Fall?

Petermann: Es sind mehrere Taten, die mir im Gedächtnis geblieben sind: der Serienmörder, der drei Frauen quälte und tötete, um seine Fantasien auszuleben. Der Fall von den beiden erschossenen Frauen, die beide mit derselben Waffe in einer Nacht erschossen wurden.

Über den wohl spektakulärsten habe ich gerade mit Claus Cornelius Fischer das Buch „Die Elemente des Todes“ geschrieben; es erscheint am 1. Oktober 2018. Ende der 1990-er Jahre war ich als Leiter der Abteilung Operative Fallanalyse bei der Bremer Mordkommission in diesen ungewöhnlichen, spannenden und monströsen Fall involviert: Zwei junge Männer, Familienväter, aus gutem Hause und sehr intelligent, töteten aus unterschiedlichen Motiven innerhalb weniger Jahre mehrere Menschen.

Als ihr letzter Mord entdeckt wurde, beschuldigten sich die beiden ehemaligen Freunde gegenseitig und behaupteten, sie hätten lediglich dem Freund geholfen, die Leichen zu verbergen und eines der Opfer in einem selbst gebauten Krematorium rückstandslos zu verbrennen; so als habe es diesen Menschen nie gegeben.

Gibt es den perfekten Mord? Wie hoch schätzen Sie den Anteil an Morden, die nie entdeckt werden?

Petermann: Sicherlich gibt es den perfekten Mord, doch das setzt voraus, dass sich bei dem Todesfall nie der Verdacht ergab, dass der Verstorbene einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Entdeckte, jedoch noch nicht aufgeklärte Tötungsdelikte, fallen für mich nicht in die Kategorie „Perfekter Mord“. Hier ist es aus unterschiedlichen Gründen noch nicht zur Aufklärung gekommen, jedoch immer noch möglich. Dies beweisen die Ermittlungserfolge der letzten Wochen und Monate bei lange zurückliegenden Taten, wie beispielsweise Peggy Knoblauch und Johanna Bohnacker.

Es gibt eine Aussage eines bedeutenden deutschen Rechtsmediziners, die besagt, dass sollten auf jeden Grab eines Ermordeten eine Kerze brennen, so wäre der Friedhof taghell erleuchtet.

Dieser Vergleich ist sicherlich nur bildhaft zu sehen, doch andererseits birgt er viel Wahrheit: Es gibt immer wieder unnatürliche Todesfälle, die als solche nicht erkannt werden können. Hier kann nur eine konsequente rechtsmedizinische Untersuchung des Verstorbenen Sicherheit schaffen.

Was erwartet den Zuschauer an diesem Abend?

Petermann: Ein sicherlich spannender Abend mit nachhaltigen Einblicken in die rechtsmedizinische und kriminalistische Arbeit. Und natürlich eine Antwort auf die Frage, was die Spuren am Tatort und an der Leiche über den Ablauf des Geschehens und die Motive des Täters verraten.

Zudem werde ich eine kurze Leseprobe aus „Die Elemente des Todes“ geben.

Die Referenten stehen für Gespräche und Autogramme im Anschluss der Veranstaltung zur Verfügung.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
counter