12.09.2018

Leserbrief

Man muss die eigenen Gewohnheiten überdenken

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Sehr geehrter Herr Hettel, zu Ihrem Beitrag über Beeinträchtigungen für uns am Boden durch den Flugverkehr über uns möchte ich noch ein paar Informationen und Aspekte beisteuern.
Wenn Sie das Geschehen mit der Website flightradar24 verfolgen, können Sie dort die Luftstraßen hinterlegen. Die Flugzeuge halten sich an diese durchnummerierten „Wege“, wenn sie im waagerechten Streckenflug sind.
Dank der verpflichtenden Navigation mit GPS hat man ab Mitte der 1990er Jahre den Verkehr entzerrt und in der Regel Einbahnstraßen eingeführt. Luftstraßen werden zentral und international durch die Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) festgelegt. Sind Maschinen im Anflug, werden die Luftstraßen verlassen, sie werden von der Flugsicherung individuell zu den Flughäfen dirigiert. Die niedrigen Flieger über uns werden nach Zürich und Stuttgart dirigiert. Wenn Sie bei flightradar24 die Filterfunktion benutzen und einmal nur die Flugbewegungen zu den Kanaren und Balearen (acht Flughäfen) betrachten, werden Sie – zum Beispiel am letzten Montag um 16.30 Uhr – über Europa circa 150 Flugzeuge sehen, die zu den Ferienzielen fliegen oder von dort zurückkehren (in dieser Zahl ist der spanische Inlandsflugverkehr allerdings enthalten).
Nachts ergibt sich ein ähnliches Bild bei den Flughäfen mit Nachtfracht: Köln-Bonn, Leipzig, Lüttich, Maastricht und andere. Es wird schlicht zu viel geflogen und durch die Luft transportiert – und die Zeitung ist voll von Prognosen mit Steigerungsmeldungen.
Hier müsste man ansetzten und seine Erwartungshaltung an Lieferzeiten und Urlaubsgewohnheiten überdenken. Es ist also ein langer und komplexer Weg, etwas in Richtung Reduzierung des Luftverkehrs zu tun. Es gibt aber etwas, das viel naheliegender und segensreicher wäre: Tun wir uns zusammen und versuchen diejenigen Verkehrsteilnehmer – Autos und Motorräder – zu überzeugen, ihre egoistischen Beschleunigungsmanöver hinter den Kurven und zwischen den Ampeln zu unterlassen. Das Aufheulen der Maschinen hallt selbst am hellerlichten Tag durch Stadt und Land – besonders an Wochenenden.
Man könnte den Fahrern bewusst machen, dass ihr Verhalten Folgen für Hunderte Anwohner rechts und links der Straße hat und auf Änderung hoffen (unwahrscheinlich) oder diese durch eine Umrüstung an Hard- und/oder Software durchsetzen (möglich). Hier sind findige Techniker gefragt und ein lautes Aufheulen – nicht der Motoren sondern der leidenden Mehrheit.
Oliver Otte
Daimlerstraße 6
Balingen

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