12.09.2018

Leserbrief

Die Gesellschaft nicht spalten

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Innenminister Seehofers Äußerungen über die Migration.
Sehr geehrter Herr Seehofer, an dieser Stelle erlaube ich mir, mich an Sie zu wenden, da es schlicht und ergreifend unerträglich ist, welche Verlautbarungen Sie von sich geben. Manchmal denke ich, dass das Ressort Innenministerium von Ihnen nur als Teilzeitjob gesehen wird. Ihre Ambitionen sehen Sie zweifelsfrei als Parteivorsitzender der CSU, wenngleich Ihre Erfolge in Bayern ohne Frage auch mit mehreren Fragezeichen zu versehen sind.
Nun treten Sie mit einer äußerst verwerflichen Parole an, dass nämlich die Migration die Mutter aller Probleme sei. Dies mag an Stammtischen ankommen, für eine Politik, die sich ernsthaft auf demokratischem und rechtsstaatlichem Terrain bewegen soll und muss, sind derart niedrige Ausführungen aus dem Munde eines Innenministers des Bundes nicht geeignet und unvertretbar. Derartige Feststellungen, und dies scheint zweifelsfrei Ihr Bestreben zu sein, zielen letztendlich nur in die Richtung, Stimmen am rechten Rand Ihrer bayrischen Wähler zu erlangen.
Woran fehlt es uns in Deutschland? Deutschland ist, und dies müssen auch Sie sich im bayrischen Wahlkampf vor Augen führen, ein Einwanderungsland und wir, darüber besteht kein Zweifel, benötigen Zuwanderung – der demografische Wandel spricht hier ein klare Sprache. So ist es unverzichtbar für Deutschland, dass wir in Deutschland ein Einwanderungsgesetz erhalten, welches der Zukunft dieses Landes, eingebettet in der Europäischen Union, gerecht wird. Ihr Beitrag und Ihre Aufgabe wäre es auch, Ängste in der Bevölkerung zu minimieren und nicht die Gesellschaft zu spalten versuchen und ein rechten Gedankengut zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Frau Merkel sagte den oft zitierten Satz „Wir schaffen das.“ Wenn dann ein Herr Gauland von sich gibt, dass wir das nicht schaffen wollen, dann sehr geehrter Herr Seehofer, könnte man zu der Überzeugung gelangen, dass auch Sie es nicht schaffen wollen.
Aufgabe wäre zweifellos, sich in Deutschland den Herausforderungen zu stellen. Wir brauchen eine offene und nicht rückwärtsgerichtete Gesellschaft, ein modernes Deutschland, ein Deutschland, welches in punkto Bildung und technischer Entwicklung als Wirtschaftsstandort gesichert wird, integriert in einer nachhaltigen Umwelt- und Energiepolitik. Wir brauchen ein in die EU eingebettetes Deutschland, welches seiner internationalen Aufgabe gerecht wird – es bedarf hier einer international ausgerichteten Sicherheits- und Außenpolitik. Völlig unakzeptabel ist es, wenn Sie, Herr Seehofer, dem auf der Straße treibenden und Hasstiraden grölenden Mob auch noch zur Seite stehen.
Karl-Heinz Dommes
Lehrstraße 28, Hausen am Tann

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