Ein Kämpfer gegen das Vergessen

Haigerloch, 11.09.2018

Zum Tode von Helmut Gabeli

Helmut Gabeli, unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen der jüdischen Vergangenheit der Stadt Haigerloch, ist tot.

von Wilfried Selinka  

Nach längerer Krankheit ist er im Alter von 74 Jahren gestorben. Zurück bleibt die Erinnerung an einen hilfsbereiten Menschen und Freund, der mit stetigem Einsatz, großer Arbeitsleistung und Aufgeschlossenheit in literarischen Beiträgen und mit vielfältigen Begegnungen dazu beigetragen hat, dass die 500-jährige jüdische Geschichte Haigerlochs nicht in Vergessenheit gerät. Helmut Gabeli wurde am 18. Mai 1944 in Pillisscentivan nahe Budapest in Ungarn geboren. Als Heimatvertriebener kam er mit seiner Familie nach Illingen bei Mühlacker. In Bad Mergentheim besuchte er ein Internat und das Gymnasium. Das Abitur legte er 1964 in Ellwangen ab, wo er auch seine spätere Ehefrau Brigitte kennenlernte.

Foto: Wilfried Selinka
Foto: Wilfried Selinka Foto: Helmut Gabeli ist gestorben.

Während Gabeli in Tübingen Germanistik und Geschichte, später Kirchenrecht und Jura studierte, studierte seine Ehefrau in Reutlingen auf Lehramt.

Im Oktober 1967 fand die Hochzeit statt. Aus der glücklichen Ehe gingen zwei Söhne hervor. Als Brigitte Gabeli 1968 eine Anstellung als Lehrerin an der Grundschule Trillfingen erhielt, zog die Familie 1968 in die Lehrerwohnung im Obergeschoss des dortigen Schulhauses. Der Verstorbene ließ sich als Rechtsanwalt im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude in der Haigerlocher Unterstadt nieder.Seit im Jahr 1988, zunächst eine Bürgerinitiative ohne Vereinsstatus, und später ab dem Jahr 2000 der Gesprächskreis Ehemalige Synagoge Haigerloch als eingetragener Verein gegründet wurde, war Helmut Gabeli an vorderster Stelle mit seiner unermüdlichen Forschungs- und Erinnerungsarbeit mit dabei. Im Verein wirkte er von 2000 bis 2012 als zweiter Vorsitzender. Unter anderem formulierte Helmut Gabeli im Jahr 1993 den Text für den Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge und leitete rund 400 Führungen mit Schulklassen und Erwachsenen durch das ehemalige jüdische Wohnviertel Haag und die ehemalige Synagoge.

Für viele jüdische Gäste war der Verstorbene ein geschätzter Fachmann und Begleiter, vor allem wenn es um das Auffinden der früheren Häuser und Gräber jüdischer Familien ging.

Mit der Eröffnung der ehemaligen Synagoge in Haigerloch im Jahr 2003 und der Einrichtung der Dauerausstellung „Spurensicherung. Jüdisches Leben in Hohenzollern“ im Jahr 2004 wurde Gabelis Engagement in noch größerem Maße gefordert.

Für seine Verdienste wurde der verstorbene 2010 in Berlin mit dem angesehenen Obermayer Award und 2016 mit der Landesehrennadel Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Von 1980 bis 1984 gehörte der Verstorbene auch eine Wahlperiode dem Trillfinger Ortschaftsrat an und war in dieser Zeit Stellvertreter von Ortsvorsteher Karl Schmid. Als gesellschaftlich aufgeschlossener Mensch war Helmut Gabeli auch in mehreren Vereinen förderndes Mitglied.

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