08.09.2018

Leserbrief

Die Mutter aller Probleme

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Zur Aussage Seehofers, die Migration sei die Mutter aller Probleme.
Nicht Migration, sondern die EU und damit auch Deutschland ist die Mutter aller Probleme.
Westafrika: Einst waren sie geschützte Entwicklungsländer und exportierten z. B. ganzjährig ungespritzte, nicht überdüngte, schmackhafte Tomaten in die EU. Die Länder konnten zudem ihre Agrarprodukte auch in Afrika verkaufen und beschäftigten Tausende von Menschen in den Plantagen. Als 2003 die EU die Öffnung des bisher geschützten Marktes erzwang, beeilten sich südeuropäische Länder (Portugal, Spanien und Italien), mit EU-subventionierten Tomaten den neuen afrikanischen Markt zu überschwemmen mit Preisen, die die einheimische Produktion mühelos unterbieten konnte. Zuvor fielen diese Länder mit Tomatenexporten nicht sonderlich auf. Die junge männliche Bevölkerung, inzwischen arbeitslos geworden, floh vor der aufkommenden Armut im eigenen Land und arbeitet heute überwiegend in südeuropäischen Ländern in Tomatenplantagen (EU-subventioniert) unter schlimmsten Bedingungen. Einige schafften es auch bis nach Deutschland und Balingen.
Nigeria: Geflügel ist der wichtigste Fleischlieferant in Afrika. Bis zum erzwungenen Öffnen des Marktes durch die EU beschäftigte jedes Dorf Dutzende von Mitarbeitern. Nicht nur Fleisch sondern auch Eier waren das Produkt zur Selbstversorgung mit freilaufenden Hühnern, die erst nach neun Monaten schlachtreif waren. Heute sind dort die Fleischpreise am Boden und eine afrikanische Farm rentiert sich nicht mehr. Aber allüberall wird verpacktes Geflügel aus EU-subventionierter Produktion angeboten: Nach sechs Wochen Käfighaltung sind sie auf Schlachtgewicht gemästet, aber die Knochen tragen die hochgezüchtete, schwere Flügelmuskulatur des Vogels nicht mehr und sie schieben sich im eigenen Kot am Boden vorwärts, bis Gefieder und Haut zerstört sind und das wertvolle Fleisch blutet. Um Entzündungen vorzubeugen werden sie mit Antibiotika so stark zugefüttert, dass der Endverbraucher Mensch – hierzulande wie dort – allein durch den Verzehr von Masthähnchen antibiotisch kritisch belastet wird. Die arbeitslosen Geflügelzüchter fliehen vor der Verarmung ins Land, wo nun die Hähnchen gemästet werden, nach Deutschland, nach Balingen.
Zwei Beispiele nur, die die Mutter aller Probleme klar herausstellt. Aus dieser erzwungenen Arbeitslosigkeit entsteht Korruption (mit Geld aus EU-Kreisen), Unrecht, Gewalt und Krieg, so dass die noch verblieben Bevölkerung auch flieht und ihr Heil dort sucht, woher all ihr Unglück kommt: in die EU, nach Deutschland, nach Balingen. Flüchtlinge berichten von solchen Entwicklungen. Inzwischen kommen sie nur noch vereinzelt hier in Balingen an.
Gerhard W. Mayer
Zeisigweg 13, Weilstetten

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