08.09.2018

Dieser Kuchen bringt Herbst

von Holger Much  

Drei von vier Jahreszeiten mag ich. Den Frühling mit seinem zarten Erwachsen, den Sommer mit seiner Kraft und Fülle und den langen, lauen Nächten, die einem erlauben, auch nach Feierabend noch draußen zu sitzen, und den Herbst.

Letzterer macht mich allerdings schon etwas melancholisch. Denn bei aller Pracht von bunt gefärbtem Laub, bei der Schönheit goldenen Lichts, das sich in den Morgennebeln bricht, so bedeutet die dritte Jahreszeit doch auch einfach ein langsames Sterben hin zum Winter.

Über solcherlei düstere Gedanken trösten natürlich manche wunderbaren Dinge hinweg wie das eben erwähnte bunte Laub, durch das man raschelnd durch den duftenden Herbstwald laufen kann. Oder die Jahr für Jahr große Faszination von glänzenden runden Kastanien.

Als ich jüngst zur Arbeit fuhr, fiel mir sofort ein großes Schild auf, das vor meiner Nachbarsbäckerei aufmerksamkeitsheischend auf dem Fußweg stand. In großen Lettern war dort zu lesen: „Frischer Rahmzwiebelkuchen“. Und während mir einerseits das Wasser im Munde zusammen lief, vor allem bei der Vorstellung, ein Glas frischen Suser dazu zu trinken, war mit gleichzeitig schmerzlich bewusst: Jetzt ist der Herbst gekommen. Denn der kommt nicht etwa, wenn es im Kalender steht, sondern dann. wenn es Zwiebelkuchen gibt.

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