Stolz auf das mächtige Wahrzeichen

Benzingen, 07.09.2018

Stolz auf das mächtige Wahrzeichen

Seit 95 Jahren thront er majestätisch über den Häusern von Benzingen: der Wasserturm. Am Wochenende können sich Neugierige im Inneren umschauen und nebenbei Musik hören und feiern.

 

Alle Jahre wieder beteiligt sich auch der Förderverein Benzinger Wasserturm am bundesweiten Tag des Denkmals. In Benzingen belässt man es aber nicht einfach nur, die Tür zum Turm aufzusperren, da wird auch gefeiert – und das sogar zwei Tage lang. Schon am Samstag, 8. September, treffen sich die Bürger vor ihrem Wahrzeichen. Die Ultimative-Schraddel-Initiative (kurz USCHI) hat sich zu einem Konzert unter freiem Himmel angesagt. Die Gruppe setzt sich aus vier Vollblutmusikern zusammen, die mit Gitarre und mehrstimmigem Gesang ab 20 Uhr auf der Bühne richtig Gas geben wollen.

Der Wasserturm prägt das Erscheinungsbild von Benzingen schon seit 95 Jahren. Das Wahrzeichen ist beim Tag des Denkmals Schauplatz für ein zweitägiges Fest.
Der Wasserturm prägt das Erscheinungsbild von Benzingen schon seit 95 Jahren. Das Wahrzeichen ist beim Tag des Denkmals Schauplatz für ein zweitägiges Fest. Foto: Privat

Am Sonntag, 9. September, besteht dann ab 11 Uhr die Gelegenheit, die 60 Stufen des Turms zu erklimmen und von oben über die Dächer der Winterlinger Teilgemeinde, die 2020 auf ihre 800-jährige Geschicke blicken kann, zu schauen. In schwindelnder Höhe findet auch eine Ausstellung des Kindergartens statt. Die kleinen Benzinger haben zusammen mit ihren Erzieherinnen schon vor einigen Wochen den Turm besucht. Danach griffen die Jungen und Mädchen zu Farbstift und Block. Zahlreiche Kunstwerke zu den Themen Wasserturm und Wasserversorgung sind entstanden. An gutem Essen mangelt an beiden Tagen nicht. Alleinunterhalter Josef Ermler bringt am Sonntag Schlager aus alten Zeiten und aktuelle Titel zu Gehör. Die Wassertürmler freuen sich zusammen mit ihrem Vorsitzenden Günter Hahn auf viele Gäste.

Seit 1998 Kulturdenkmal

Die Benzinger sind mächtig stolz auf ihr Wahrzeichen. Um es zu erhalten, haben 27 Bürger im Jahr 1997 einen Förderverein ins Leben gerufen und ihn zwei Jahre später in mühevoller Kleinarbeit saniert. 1998 wurde der Wasserturm offiziell als Kulturdenkmal anerkannt. Einige Bürger gaben sich in luftiger Höhe schon das Ja-Wort.

Obwohl Benzingen auf der verkarsteten Hochfläche der Alb liegt, gab es immer genügend Wasservorkommen, denn lehmige Schichten durchziehen den Kalkboden und bilden Quellhorizonte aus. Die Gemeinde, 800 Meter hoch gelegen, hatte früher sieben Brunnen. Es war streng geregelt, wer aus welchem Brunnen schöpfen durfte. In den 1920er-Jahren entschlossen sich die mittlerweile mehr als 500 Einwohner, für das größte und beste Wasservorkommen zu sorgen. Durch den Bau einer Leitung sollte das Wasser für alle Bürger zur Verfügung stehen.

Um den notwendigen Wasserdruck zu erzeugen, musste ein Turm gebaut werden. Vom etwa 500 Meter entfernten Pumpenhäuschen im Brühl, wo die Wasserfassung zusammenlief, wurde das Wasser nachts auf den Turm gepumpt. Der dortige Wasserbehälter hat ein Fassungsvermögen von 200 Kubikmetern. Der damalige errechnete Maximalverbrauch lag bei 65 Kubikmetern pro Tag. Im Jahr 1924 war der Benzinger Wasserturm schließlich fertig gebaut.

Doch der Wasserverbrauch stieg ständig an. Nachdem die Versorgungssicherheit mit der eigenen Wasserfassung nicht mehr gewährleistet war, wurde 1950 eine Wasserleitung ins Laucherttal nach Veringendorf gegraben. Nun wurde der Turm nachts von dort aus versorgt. Durch ständig wachsende Bevölkerungszahlen war 1956 die Kapazitätsgrenze des Wasserturms erreicht. Nun musste man unterhalb des Turms ein Ergänzungsbecken mit einem Fassungsvermögen von 280 Kubikmetern bauen. Mittels Nachtstrom wurde von Veringendorf aus erst das Reservebecken, dann der Wasserturm gefüllt. Fiel tagsüber der Wasservorrat im Turm unter 60 Kubikmeter, schalteten sich beim Reservebecken automatisch zwei Elektropumpen ein, die den Turm wieder auffüllten bis auf 140 Kubikmeter.

Verkauf oder Abriss?

Seit 1988 ist Benzingen in die Wasserversorgung von Winterlingen eingebunden. Der Wasserspeicher auf dem Fachberg in Winterlingen wird aus dem eigenen Wasserwerk im Schmeiental gespeist. Er liegt aufgrund der topographischen Verhältnisse 20 Meter höher als der Behälter des Turms. Durch den Bau dieser Wasserleitung wurde der Benzinger Wasserturm überflüssig.

Da sich die bauliche Substanz des Turms permanent verschlechterte, gab es Diskussionen um einen Verkauf oder gar Abriss. Doch dann gründete sich vor 21 Jahren schließlich der Förderverein Benzinger Wasserturm.

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