06.09.2018

Leserbrief

Eine überfällige Initiative

 

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Zu: „Heftige Debatte um Organspenden-Pflicht“ vom 4. September.
Man muss immer wieder daran erinnern, dass Tausende Menschen in Deutschland seit Jahren auf ein Spenderorgan, eine Leber, eine Lunge, Herz oder Nieren warten. Für viele war das Warten zu lang. Sie mussten sterben, weil keine Spenderorgane zur Verfügung standen. Die Initiative von Gesundheitsminister Jens Spahn ist daher zu begrüßen und ist überfällig.
Es geht bei der vorgeschlagenen Widerspruchslösung im Wesentlichen darum, dass lebensrettende Organe eines Verstorbenen für eine Transplantation entnommen werden können, sofern der Verstorbene zu Lebzeiten dieser Entnahme nicht ausdrücklich widersprochen hat. Warum sollte das, was von Italien über Frankreich, den Niederlanden und Österreich sowie etlichen weiteren europäischen Ländern längst gängige Praxis ist, bei uns nicht möglich sein? In diesen Staaten stehen ganz eindeutig mehr Spenderorgane zur Verfügung und von einem Spenderorgan abhängige Menschen können überleben.
Ich denke, dass das auch in Deutschland einer humanen Gesellschaft gut zu Gesicht stehen würde. Wer das nicht will, und das muss absolut respektiert werden, kann mit einem Häckchen auf einem Formular einfach widersprechen und es wird nach seinem Tod kein Organ entnommen.
Man kann nur hoffen, dass im sicherlich folgenden Streit zwischen und auch innerhalb der Parteien dieser Vorschlag nicht erneut zu Tode diskutiert werden wird.
Befremdlich ist für mich, dass die Kirchen dieser Idee angeblich kritisch gegenüberstehen. Nächstenliebe zeigt sich nach meinem Verständnis vor allem in der Hilfe für Menschen in höchster Not.
Karl-Otto Gauggel
Brühlweg 7
Harthausen

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
counter