04.09.2018

Leserbrief

Wurde das Gefahrenpotenzial bei der Genehmigung der Windräder richtig eingeschätzt?

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Artikel „Neue Erdbebenzonen lassen Häuslebauer zittern“ vom 1. September.
Nur mit Schrecken erinnere ich mich an das Erdbeben vom 3. September 1978 mit seinen verheerenden Folgen hier in Albstadt.
Vielleicht, weil sich dieses Ereignis nun zum 40. Mal jährt, hat das deutsche Geoforschungszentrum auf der Grundlage aktueller Daten eine neue Karte zu den Erdbebenrisiken in Deutschland herausgebracht. Neben der Niederrheinischen Bucht bei Aachen wird besonders auf die Schwäbische Alb als dem am stärksten Erdbeben gefährdeten Gebiet hingewiesen.
Dass der Hohenzollerngraben und die tektonische Scherzone in der Region um Albstadt dabei als das aktivste Erdbebengebiet Mitteleuropas gelten, ist nicht neu und kein Geheimnis.
Neu ist aber, dass die Berechnungen der Gefahrenstufen für unsere Region ein verändertest Bild ergeben. Kurz zusammengefasst: Die Gefahr eines starken Erdbebens hier bei uns ist viel größer als bisher angenommen und dies wird Auswirkungen auf den Bau jeglicher Gebäude und Anlagen haben.
Dass vor diesem Hintergrund die Gemeinden Winterlingen und Burladingen Flächen für den Bau von Windrädern zur Verfügung stellen und Betreibergesellschaften planen, hier fast die höchsten Anlagen, die in Deutschland gebaut werden, aufzustellen, ist kaum zu glauben. Wie ausgeprägt muss die Gier nach Geld sein, wenn Verantwortungsträger die erkennbaren Gefahren durch Erdbeben, die Zerstörung des Landschaftsbildes, die Vernichtung schützenswerter Natur, bei nachweislicher Unwirtschaftlichkeit in Kauf nehmen?
Man mag sich kaum ausmalen, was passiert, wenn die auf karstigem Untergrund mit riesigen Fundamenten im Wald stehenden Windräder, die fast 240 Meter hoch sind und deren Getriebe bis zu 900 Liter Öl fassen, einem Erdbeben wie wir es 1978 hatten, ausgesetzt werden. Da muss man das Balinger Landratsamt schon fragen wie weit es dieses Gefahrenpotenzial bei der Genehmigung von vier Windrädern im Wald bei Bitz richtig eingeschätzt hat!
Wie verantwortungslos die Zustimmung zu solchen Projekten in unserer Region ist, mag der geneigte Leser selbst entscheiden!
Jochen Lottermoser
Bergstraße 54, Bitz

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