Wie das Zollhaus zu seinem Namen kam

Schömberg, 22.08.2018

Wie das Zollhaus zu seinem Namen kam

Schömberg und die Schweizer Straße im Laufe der Jahrhunderte (Teil 1).

 

Schon im Mittelalter führte ein Handelsweg von Cannstatt nach Schaffhausen. Er war jahrhundertelang die wichtigste Fernverbindung von Württemberg nach Süden. Anfangs wohl ein unbefestigter Weg, auf dem Boten und Reiter mit Botschaften der Herrschenden und Höhergestellten unterwegs waren. Vor allem die Habsburger waren aufgrund der Ausdehnung ihres Reiches auf eine gut funktionierende und schnelle Nachrichtenübermittlung angewiesen. Um dieses zu erreichen, beauftragten sie im Jahr 1490 die Familie Taxis, die schon vorher in Italien tätig war, mit dieser Aufgabe. Die Taxis organisierten die Nachrichtenverbindung in einer Art Staffettensystem. Von A nach B und zurück. Jetzt neu sortiert, ging die Beförderung weiter zu einem Straßenknotenpunkt. Diese wurden erweitert oder teilweise neu angelegt.

Über diese Brücke bei der Unteren Mühle führte die erste Trasse der Schweizerstraße. 1980 wurde die Schlichem aus Hochwasserschutzgründen verlegt. Die Gebäude und leider auch die alte Brücke wurden abgerissen.
Über diese Brücke bei der Unteren Mühle führte die erste Trasse der Schweizerstraße. 1980 wurde die Schlichem aus Hochwasserschutzgründen verlegt. Die Gebäude und leider auch die alte Brücke wurden abgerissen. Foto: Archiv Schuß

Für unsere Gegend war Cannstatt ein solcher Knotenpunkt. Zu den bisher üblichen Botschaften der Herrschenden kamen jetzt auch private Botschaften von Kaufleuten dazu. Diese Beförderung wurde ausgeweitet auf Warentransporte und auch auf Personenbeförderung.

Um 1490 fuhr eine Landkutsche von Cannstatt nach Schaffhausen. Vorher waren solche schon von Cannstatt zu den Knotenpunkten nach Frankfurt beziehungsweise Augsburg unterwegs. Jetzt waren natürlich befestigte Straßen gefragt. Diese zu bauen, war Aufgabe der einzelnen Staaten. Diese waren nicht abgeneigt, das zu übernehmen, da durch den Warenverkehr Zolleinnahmen zu erwarten waren. Es entstanden Fernstraßen, wie sie die Römer 1500 Jahre vorher schon gebaut hatten.

Oft wurde um die Streckenführung gerungen. So auch beim Bau der Schweizerstraße. Ab Cannstatt führte die Straße auf württembergischen Gebiet über Waldenbuch, Tübingen und Balingen nach Schömberg. Hier begannen die Vorderösterreichischen Lande, also Habsburger Gebiet. Anstelle der Straßenführung der heutigen B 27 über Rottweil nach Schaffhausen, auch eine Art Schweizerstraße, wurde die Strecke über Wellendingen und Spaichingen nach Tuttlingen geführt. Rottweil war damals freie Reichsstadt und mit dieser wollten weder die Württemberger noch die Habsburger die Zollgebühren teilen. Bei Tuttlingen wurde wieder württembergisches Territorium erreicht. Habsburg plante, die Straße über Stockach weiter zu bauen, das wäre wieder Habsburgisches Land gewesen. Es gab aber Konflikte, denn Württemberg wollte auch die Fürstenberger an den Zolleinnahmen beteiligen. So wurde die Straße ab Tuttlingen steil bergauf bis zur Eck bei Emmingen ins Fürstenbergische geführt und erreichte über Engenv und Hilzingen die schweizerische Stadt Schaffhausen.

Die Untere Mühle

An eine der Zollstellen, an denen für den Warentransport auf der Schweizerstraße bezahlt werden musste, erinnert in Schömberg das Zollhaus. Wie war nun der Verlauf dieser Straße in beziehungsweise um Schömberg? In einer alten Schömberger Chronik, die im Jahr 1884 geschrieben wurde, ist zu lesen: Die „Alte Schweizerstraße“ führte unmittelbar vor der Palmbühlkirche vorbei und geradeaus steil hinab zur Unteren Mühle und dann im Tal hinter der Mauer unterhalb der Kirche und außerhalb der Friedhofsmauer vorbei (Mauer vom alten Friedhofteil). Nach der Friedhofmauer eine Linkskurve Richtung Neuhaus und Wellendingen. Durchs Dörfle (Dorfgasse/Altschömberg) ging eine Abzweigung nach Rottweil. Ein Hinweis für jüngere oder ortsunkundige Leser: Die „Untere Mühle“ war etwa 100 m unterhalb des Staudamm vom Schlichem-stausee (Fortsetzung folgt).

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