Die Meßstetter feiern sich und ihre noch junge Stadt

Meßstetten, 18.08.2018

Die Meßstetter feiern sich und ihre noch junge Stadt

Vor 40 Jahren wurde die Heuberg-Metropole zur Stadt erhoben. Gefeiert wird am kommenden Wochenende auf dem Erwin-Gomeringer-Platz.

 

Mit Wirkung vom 1. Juli 1978 wurde Meßstetten auf Beschluss der Landesregierung die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Die Übergabe der Urkunde erfolgte an einem eigens dafür organisierten Stadtfest am 26. August 1978 und wurde vom damaligen Innenminister Lothar Späth vorgenommen.

Zehn Jahre ist es her, dass Meßstettens Rathaus generalsaniert wurde und eine neue, prägende Außenfassade erhielt. Der ebenfalls neu gestaltete Markplatz wurde nach dem langjährigen, im Jahr 2006 verstorbenen Bürgermeister Erwin Gomeringer benannt.
Zehn Jahre ist es her, dass Meßstettens Rathaus generalsaniert wurde und eine neue, prägende Außenfassade erhielt. Der ebenfalls neu gestaltete Markplatz wurde nach dem langjährigen, im Jahr 2006 verstorbenen Bürgermeister Erwin Gomeringer benannt. Foto: Stadt Meßstetten

Am Wochenende vom 25. und 26. August - also exakt 40 Jahre später - wird dieses für Meßstetten wegweisend Ereignis mit einem zweitägigen Fest auf dem Erwin-Gomeringer-Platz gefeiert. Für den stimmungsvollen Festauftakt sorgt am Samstagabend um 18.30 Uhr der Musikverein Meßstetten. Die Festansprachen halten Landrat Günther-Martin Pauli und Bürgermeister Frank Schroft. Ab 20.30 Uhr gehört die Bühne der Partyband „Hautnah“. Der Eintritt ist für alle Gäste frei.

Das Programm am Sonntag startet um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst und steht danach ganz im Zeichen der Vereine, Kindergärten, Schulen und Organisationen aus der Gesamtstadt. Diese haben sich mächtig ins Zeug gelegt und präsentieren ein vielfältiges und kurzweiliges Programm.

Kunst und Unterhaltung

Im Rathaus stellen 28 Meßstetter Künstler ihre Werke aus. Die Eröffnung erfolgt am Sonntag um 14.30 Uhr im Rathaus. Im benachbarten Fachwerkhaus in der Zeurengasse 10 zeigt der Heimat- und Geschichtsvereine Präsentation zu „Alt-Meßstetten“ sowie eine Ausstellung mit Werken von Gustav Vollmer. Das Museum für Volkskunst wird am Sonntag seine Pforten 11 bis 17 Uhr öffnen und zeigt Werke von Walter Strich-Chapell, Wilhelm F. Wendel und Traugott Eppler. Um das Wohl der Gäste kümmern sich mehrere Vereine.

Die Gemeinde Meßstetten ist bereits in den Jahrzehnten vor der Stadterhebung stetig gewachsen, insbesondere durch den Zuzug von mehr als 1000 Heimatvertriebenen und die Ansiedlung der Bundeswehr im Jahr 1963. Schlussendlich war es dann die Gemeindereform und die damit einhergehende Eingliederung der bis dahin selbstständigen Gemeinden Heinstetten und Hossingen (1. September 1971), Unterdigisheim (1. Juli 1972), Hartheim und Tieringen (1. Januar 1974) sowie Oberdigisheim (1. Januar 1975), die einen Anstieg der Einwohnerzahl auf über 10.000 und somit die Stadterhebung ermöglichte.

Ein historischer Moment: Am 26. August 1978 übergab der damalige Innenminister und spätere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth die Urkunde zur Stadterhebung an Meßstettens Bürgermeister Erwin Gomeringer.
Ein historischer Moment: Am 26. August 1978 übergab der damalige Innenminister und spätere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth die Urkunde zur Stadterhebung an Meßstettens Bürgermeister Erwin Gomeringer. Foto: ZAK-Archiv

Ab 1978 durften sich der Kernort Meßstetten und die sechs Ortschaften Hartheim, Heinstetten, Hossingen, Oberdigisheim, Tieringen und Unterdigisheim also offiziell Stadt nennen. In den Folgejahren durchlief die neue Stadt eine äußerst positive Entwicklung. Nach und nach entstand auch bei den Bürgern der teil badisch-katholisch, teils württembergisch-evangelisch geprägten Teilgemeinden ein stetig wachsendes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Fahrplan bis 2030 steht

Dass die Meßstetter mit ihrer Stadt hochzufrieden sind, zeigte im vergangenen Jahr die im Rahmen der Agenda Meßstetten 2030 durchgeführte Bürgerbefragung: 91 Prozent hatten angegeben, mit der Lebensqualität „zufrieden“ oder gar „sehr zufrieden“ zu sein.

Als wichtige Gründe nennt Bürgermeister Frank Schroft die schöne und vielfältige Landschaft und die sehr gute Infrastruktur. Aufgrund der Lage direkt am Albtrauf gibt es zahlreiche Aussichtspunkte mit Ausblicken auf das Albvorland und bei geeigneter Witterung sogar eine Fernsicht bis zu den Alpen.

Auf den Premiumwanderwegen und weiteren markierten Wander- und Radwegen finden Naturliebhaber ein kleines Paradies vor. Durch gespurte Langlaufloipen und verschiedene Abfahrtspisten kommen auch Wintersportler auf ihre Kosten. Das Wildgehege, der Stausee mit Kneippanlage oder der Barfußpfad laden Besucher zum Verweilen ein.

Mit attraktiven und günstigen Wohnbauplätzen im Hauptort und allen Stadtteilen sowie einem großzügigen kommunalen Wohnbauförderprogramm bemüht sich die Stadt, junge Familien bei der Erfüllung ihres Traums vom Eigenheim zu unterstützen. Ein weiteres Förderprogramm unterstützt speziell die Innenentwicklung und die Beseitigung von Leerständen in den Ortskernen.

Für die Kleinsten stehen insgesamt zehn Kindertagesstätten zur Verfügung. Für die Zeit nach dem Kindergarten können in den Schulzentren Schulabschlüsse bis zum Abitur erlangt werden. Mit Pflegeheim, Sozialstation mit angeschlossener Nachbarschaftshilfe, Bürgerbegegnungsstätte und Service-Wohnanlage besteht auch für ältere Mitbürger ein vielfältiges Betreuungsangebot. Der äußerst rührige Verein zur Förderung der Altenhilfe Meßstetten engagiert sich in vorbildlicher Weise.

Äußerst positiv entwickelt haben sich die Einkaufsmöglichkeiten. Über die Fachgeschäfte in der Ortskernlage hinaus hat sich in Richtung Unterdigisheim ein attraktives Einkaufszentrum gebildet. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind mittelständische Unternehmen der Textilbranche und der Sitzmöbelherstellung sowie der Dienstleistungssektor und das Handwerk.

Das Rückgrat des Gemeindelebens bilden die zahlreichen Vereine mit einem breitgefächerten Angebot. Um Wohn- und Lebensqualität auf hohem Level zu halten, hat der Gemeinderat das Stadtentwicklungskonzept „Agenda Meßstetten 2030“ verabschiedet, das als Kompass und Fahrplan dient.

 

Es geht voran

Gestern Eine Gemeinde wird zur Stadt erhoben, wenn die Landesregierung der Kommune das Stadtrecht zubilligt. Das ist in der Regel an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, in Baden-Württemberg sind dies mindestens 10 000 Einwohner und eine überörtliche Bedeutung. Ist eine Gemeinde zur Stadt erhoben worden, bleibt sie es auch.

Heute Die demografische Entwicklung, der Abzug der Bundeswehr und die LEA-Jahre haben für Wellen in der Einwohnerentwicklung gesorgt. Im Büro von Bürgermeister Frank Schroft hängt seit Beginn des Jahres 2018 eine Liste, in der Monat für Monat der aktuelle und steigende Stand geführt wird. Am 31. Juli 2018 waren 10 432 Meßstetter registriert.

Übrigens: Nicht mal eine Minute

Meßstetten feiert 40 Jahre Stadtrecht. Es läuft vieles rund auf dem Großen Heuberg. Märkte und Discounter reihen sich entlang der Hauptstraße wie Perlen an eine Schnur. Günstiges Bauland mit Alpenpanorama weckt das Interesse potenzieller Häuslebauer von Rottweil bis Albstadt. Glückliches Meßstetten wäre da nicht die leer stehend Zollernalbkaserne und die große Ungewissheit, ob sich für das Gelände eine Nutzung findet, die Hand und Fuß und Bestand hat.

Die Landesregierung jedenfalls hat den Meßstettern Hilfe zugesichert und bislang kein einziges Versprechen eingelöst. Das Geschachere um die Polizeischule hat großen politischen Flurschaden hinterlassen.

Die Trendwende in der Verteidigungspolitik lässt zumindest die Hoffnung keimen, dass der Bunker Martin, von dem aus die Bundeswehr jahrzehntelang den Luftraum über Süddeutschland überwacht hatte, wieder gebraucht werden könnte. Doch wie heißt es so schön: Nichts Genaues weiß man nicht, die Informationslage ist dünn.

Gerne hätten die lokalen Politiker aus dem Zollernalbkreis daher den Besuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Truppe in Stetten a.k.M. für ein Gespräch genutzt. Sie gingen davon aus, dass der Bundestagsabgeordnete diesen Weg ganz selbstverständlich ebnet. Thomas Bareiß hatte ja schließlich öffentlich angekündigt, dass die Ministerin auf seine Einladung hin auf den Großen Heuberg komme.

Fehlanzeige: Für den Austausch mit lokalen Politikern lasse das straffe Programm am Montagvormittag keine Zeit, beschied Bareiß die Nachfrage von Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft. Auch Landrat Günther-Martin Pauli hätte gern für eine paar Minuten mit der Ministerin über die Situation auf einem Truppenübungsplatz gesprochen, an dessen einem Ende Millionen von Euro in den Bau neuer Soldatenunterkünfte und Wohnungen fließen, während am anderen Zipfel eine ganze Kaserne leer steht. Die Meßstetter wollen Teilhabe, nicht nur am Übungslärm.

Dass am Rande eines Truppenbesuches keine Zeit für einen kurzen Austausch bleibt, mag verstehen, wer will. Nun hat der Wahlkreisabgeordnete dem Bürgermeister als Trostpflaster für den Herbst einen Berlin-Besuch in Aussicht gestellt. Mit Gesprächen im Ministerium.

Bareiß ist inzwischen auf der Erfolgsleiter zum parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium aufgestiegen. Hat der 43-jährige CDU-Politiker noch das Ohr am Volk?

Die 40-Jahr-Feier in seinem ehemaligen Heimatort bietet ihm eine gute Gelegenheit für eine klärende Antwort. Gudrun Stoll

Post an die Autorin.

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