Zurück in die Zukunft

18.08.2018

Zurück in die Zukunft

Die Zukunft ist problematisch, vor allem wenn sie schon vergangen ist.

Davon können alle Propheten oder Hellseher ein Lied singen, wenn sie mit ihren Vorhersagen mal wieder arg daneben gelegen sind.

 

Die Zukunft ist so schwer vorherzusagen, weil sie eben noch nicht geschehen ist. Sozial- und Verhaltenswissenschaftler wagen sich trotzdem immer wieder auf den schmalen Weg der Zukunftsforschung. Dabei kommt manchmal Interessantes heraus,oft aber Skurriles. Ein besonders krasses Beispiel dafür, wie man daneben liegen kann, hat unsere Zeitung am 7. September 1968, also vor ziemlich genau 50 Jahren, dokumentiert. Auf der Seite „Junge Leute“ berichtete man über britische und amerikanische Verhaltensforscher, die einen Blick auf die Jugend des Jahres 2000 geworfen haben. Sie kommen zum Ergebnis: „Um 2000 wird nicht mehr geküsst. Jungen und Mädchen werden sich zum Zeichen weiteren Einverständnisses nur noch mit den Handflächen berühren.“ Aus Hygienegründen.

Aber es gibt noch mehr Absonderlichkeiten, mit denen die 68er fürs Jahr 2000 rechneten. „Das moderne junge Mädchen von 2000 wird seinen Kahlkopf mit bunten Mützen drapieren und Kopfhaare als Omas Mode betrachten.“ Ist ja klar, fehlen doch die Eltern, die Frisurtipps geben könnten, denn: „Kinder werden mit durchschnittlich 15 Jahren das Elternhaus verlassen und in Schul- oder Studentenheimen wohnen.“

Die Frauen sind im Jahr 2000 eine aussterbende Spezies. „Nur jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge werden heiraten, der männliche Geburtenüberschuss lässt, (. . .), ab etwa 1990 Mädchen selten werden“, heißt es im Artikel. Mit welchen biologischen Besonderheiten dieser männliche Geburtenüberschuss allerdings begründet werden soll, darüber schweigt sich der Verfasser leider aus.

Es gibt also im Jahr 2000, von 1968 aus gesehen, immer weniger Mädchen. Aber die sollen dann früher volljährig sein, als die Jungen, „weil das auch der Ehereife entsprechen würde.“ Heiraten mit 16 – das entsprach den Vorstellungen fürs Jahr 2000.

Doch in einer Vorhersage trafen die Zukunftsforscher ins Schwarze. In einer Zeit, in denen es noch keine Diskotheken gab, sahen sie in der Zukunft, dass sich das Jugendleben in Klubs mit Tausenden von Mitgliedern und einem gewissen Uniformzwang abspiele. Im nächsten Absatz wird's noch interessanter. Da wird die „Auflösung aller bisherigen Cliquen“ vorhergesagt zugunsten einer „Zweierfreundschaft, die dann allerdings schon ab 14 Jahren mit allen Konsequenzen legitim sein soll.“ Zu einer so weitreichenden Individualisierung ist es Gott sei Dank nicht gekommen.

Gut eigentlich, dass wir nicht im Jahr 2000 leben.

ZAK-Redakteur Daniel Seeburger.
ZAK-Redakteur Daniel Seeburger.

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